Gastbeitrag zum Festakt: „Fünf Jahre Dokumentations- und Lernort Gedenkort Bückeberg“

Hameln, 11.10.2026: Am 10.10.2026 fand im Kreishaus Hameln ein kleiner Festakt zum Bestehen des Dokumentationsorts Bückeberg statt. Karsten Holexa berichtet von der Veranstaltung:

Um die Errichtung des Dokumentations- und Lernortes Bückeberg in Emmerthal hatte es im Vorfeld erhebliche Auseinandersetzungen gegeben. Jetzt, 5 Jahre nach der Eröffnung, hat die Zahl der Besuchergruppen deutlich zugenommen.

Geschäftsführer Jan Waitzmann hob in seiner kurzen Begrüßung hervor, insbesondere die Zahl der Schulklassen, die den Lernort besuchen, ist gestiegen. Das gelte auch für die Zahl der individuellen Besucher. Der „Bückeberg“ sei deswegen wichtig für die Erinnerungsarbeit, weil er sich mit der Strategie und der perfiden Propaganda der Täter befasse und nicht mit den Opfern wie an vielen anderen Gedenkstätten.

Landrat Dirk Adomat bescheinigte dem „Bückeberg“ eine überregionale Bedeutung, auf die er immer wieder von anderen Landräten und Landrätinnen angesprochen werde. Dort würde anschaulich und nachvollziehbar gezeigt, wie Propaganda funktioniere.

Landtagsvizepräsidentin Barbara Otte-Kinast schlug in ihrer Rede einen Bogen zur aktuellen Situation in Sachsen-Anhalt. Rechtsextremistischen Ideologien müsste von den demokratischen Kräften mit großer Solidarität entschieden entgegengetreten werden. Am „Bückeberg“ sei Geschichte in das Gelände eingeschrieben und es werde deutlich, Unterdrückung und Verführung seien menschengemacht.

Bernhard Gelderblom, Initiator des „Dokumentations- und Lernorts Bückeberg“ zeigte die fast 40-jährige Entwicklung bis zum Start der Einrichtung auf. Anfang der 80er Jahre sei er von einer Schülerin darauf angesprochen worden, ihre Großmutter erzähle, am Bückeberg sei unter den Nationalsozialisten etwas ganz Großes passiert. Er habe dann Anfang der 90er Jahre die erste Dokumentation zu den Reichserntefesten des NS-Regimes herausgegeben. Forderungen, den historischen Ort unter Denkmalschutz zu stellen und als Gedenkort zu nutzen, hätten insbesondere in der Gemeinde Emmerthal zu erheblichen Widerständen und auch Anfeindungen geführt. Erst mit Landrat Tjark Bartels seien die ersten Stritte zur Umsetzung möglich geworden. Immer mehr Menschen erkannten die Bedeutung der Propaganda-Feste für die Macht der Hitlerdiktatur: „Vom Bückeberg führt der direkte Weg nach Bergen-Belsen“.

Gelderbloms jahrzehntelanges Engagement wurde von den knapp 50 Anwesenden mit stehenden Ovationen bedacht.


Hintergrund:

In den Jahren 1933 bis 1937 hielten die Nationalsozialisten am Bückeberg in Emmerthal jährlich ihre Reichserntedankfeste ab. Bis zu eine Million Menschen nahmen daran teil. Damit gehörten sie zu den größten Massenveranstaltungen der Nationalsozialisten. Die Feste standen direkt unter der Führung von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels.


Karsten Holexa, 11.10.2026


Siehe auch:

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/hannover_weser-leinegebiet/fuenf-jahre-gedenkort-bueckeberg-interesse-nimmt-zu,bueckeberg-102.html

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.