Gastbeitrag: Erwartungen an Papst Leo XIV von Günter Bialkowski

Hameln, 07.05.2026: Als evangelischer Religions-Pädagoge schreibt Günter Bialkoski hier einen überregionalen Denkanstoß zur Situation der der katholischen Kirche:

Liebe Leserin, lieber Leser,

nach dem Hype um die Wahl des neuen Papstes, Leo XIV. und seine Amtseinführung, richtet sich die kath. Kirche in D. und die Welt auf sein Pontifikat ein. Die Erwartungen sind groß, er bringt viel Erfahrung, theologische, politische und diplomatische Fähigkeiten mit. Neben fünf Fremdsprachen, versteht er etwas deutsch, kann deutsch denken und etwas sprechen. Das ist nicht unwichtig, wenn wir über die offenen Baustellen im deutschen und Welt-Katholizismus sprechen. Vielleicht hilft ihm das und er kann auch nördlich der Alpen die Menschen zu Vatikan-Versteher machen.

Wir evang. Christen sind an guter ökumenischer Zusammenarbeit der Kirchen in D. interessiert. Das hat unter allen Päpsten nach 1945 und evang. Kirchenleitungen auf ökumenischer Ebene immer besser funktioniert, besonders gut unter Papst Franziskus. Doch in letzter Zeit kommt in kath. Gemeinden Kritik an den inneren Strukturen und Glaubenssätzen der kath. Kirche auf. Es geht um Männerdominanz, mangelnde Reformbereitschaft, zu wenig Demokratie, zu wenig Mitwirkung für Laien und Frauen, zu viel Klerikalismus: starre Hierarchien, kein ausgewogenes Verhältnis Priester vs. Laien. Die Stimmung und das Vertrauen sinken, das signalisieren auch die aktuellen Kirchenaustritte, sie erreichen Höchstwerte.

Nach dem 2025 der deutsche Synodale-Weg vom Vatikan ausgebremst wurde und die Sperrminorität einiger konservativer Bischöfe nur noch den letzten Anlass gaben, sehen selbst treue Kirchgänger und kath. Frauen-Verbände die um ihre Rechte kämpfen ihre Kirche im stetigen Abwärtstrend. Dieser letzte Versuch der deutschen Bischofskonferenz mit kath. Laien und Opfern des übergriffigen Klerus Veränderungen, Reformen, Wiedergutmachungen und Entschädigungen auszuhandeln, zeigt, dass nun auch Leo XIV. eine abwartende Haltung einnimmt. Hält auch er diesen Weg für falsch? Wir wissen es nicht, noch nicht.

Das wirft die Frage auf, sind die großen Erwartungen zwischen oben und unten in der kath. Weltkirche überhaupt noch deckungsgleich? Hört man hohe konservative Würdenträger in Rom, dann genießt der Zusammenhalt (die Einheit) der kath. Welt-Kirche oberste Priorität! Aber auch Leo XIV. und das überrascht denn doch, hat sich ähnlich geäußert. Während dessen wünscht sich die kath. Basis in D. eine Erneuerung der Kirche und Angleichung an heutige Entwicklungen und Standards. Die Frage muss erlaubt sein, warum ist eigentlich dem Vatikan die Einheit so wichtig? Zeigen selbst weltliche Groß-Organisation wie die UNO, dass solche Konstruktionen nicht effizient, unregierbar, lebensfremd sind. Nicht zuletzt zeigt die Geschichte der Kirche und ihrer Päpste selbst die Unmöglichkeit, dass dieses Ziel je erreichbar sein wird.

Für die kath. Kirche in D. bedeutet das Aus zunächst ein herber Rückschlag. Doch es gibt eine populäre Formulierung, die inhaltlich an Joh. 3.8 anknüpft. Sie lautet "Gottes Geist weht, wo und wann er will". Es kann ja sein, dass auch die konservativen Hardliner in Rom von diesem Wind etwas abbekommen und sie von ihrem kompromisslosen Kurs abrücken. Dem neuen Papst Leo XIV. finde ich, sollte die Welt Zeit einräumen, viel Zeit zum Nachdenken. Er hat mit Sicherheit soviel pers. Potenzial, dass er die hier aufgezeigte Unmöglichkeit dieses Ziel je zu erreichen erkennen wird. Und deshalb könnte er auch das Positive deutscher Mentalität und Denkweise in Fragen der Erneuerung der Kirche noch einmal anders bewerten. So gesehen - hat die "kämpfende" Basis in der kath. Kirche schon jetzt einen großen Achtungserfolg errungen. Sie sollte sich nicht entmutigen lassen.

Unsere postmodernen Zeiten im tiefgreifenden Wandel begriffen, zwingen Kirchen und Religionen zur Anpassung. Kirchenleitungen, ob im Vatikan oder in nationaler Verantwortung müssen den damit verbundenen Bedeutungsverlust anerkennen. Denn auch der Glaube ist nicht mehr selbstverständlich, das Christliche zieht sich aus den aufgeklärten Gesellschaften in den privaten Bereich zurück. Diese Erkenntnis, seinen konservativen Geistlichen im Vatikan klar zu machen, sehe ich als die größte Aufgabe des neuen Pontifex (Brückenbauer) an. Deutschland hat hier viel Potenzial, er braucht es nur abrufen.

Günter Bialkowski

herral, 07.05.2026

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