08.09.2026: Günter Bialkowski schreibt zu den Wahlergebnissen vom Sonntag.
Liebe Leserin, lieber Leser,
das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt zeigt, dass dominantes Auftreten, autoritäre Persönlichkeiten und Parteien - weniger die Programme rechtslastige Parteien zu Hoffnungsträger für Millionen von Menschen machen können. Hier hat sich die Wahrnehmung der Realität verändert. Im Kern fühlen sich viele Menschen von demokratischen Regierungen
nicht mehr vertreten, sie fühlen sich nicht ernst genommen, letztlich als Opfer. Zu diesem Entfremdungsgefühl haben alle demokratischen Bundesregierungen, Parteien und Teile der Print- und E-medien beigetragen. Dieses Gefühl ist stärker als alle Rationalität und Objektivität. Das Schlimme daran: Unsere funktionalen Systeme Politik, Wirtschaft, Medien und Presse etc. finden darauf keine Antworten. So markiert das Wahlergebnis wohl auch bei uns einen Anfang, nur weiss z.Z. niemand wohin die Reise geht. Unsere Parteien, unser ganzer Politikbetrieb inklusive Politikstil müsste sich wohl ändern, wenn das verlorene Vertrauen wieder gewonnen werden soll. Doch die ersten Reaktionen unseres Bu-Kanzlers und der Schwarz-Roten-Regierung finde ich der veränderten Lage nicht angemessen. Es wäre ein Fehler, so zu tun als könne man den Erfolg der AfD aussitzen und als einmaligen Unfall betrachten.
Die Afd betont immer wieder ihre Nähe zu den Bürgern, damit hat sie gepunktet. Das Wahlergebnis bestätigt sie in dieser Annahme. Auch bei uns ist die Unzufriedenheit mit den Parteien, den als ungerecht empfundenen Verhältnissen, den Unsicherheiten des Lebens groß. Hier wird die AfD ansetzen und es steht zu befürchten, dass das, was unsere Parteien aus unserer Demokratie gemacht haben, nämlich einen allumfassenden Markt für viele nicht mehr attraktiv sein wird. Unsere Strukturen wirken ausgereizt, versteinert. Kleinteilige Politik, über die Medien als Ware an bestimmte Zielgruppen verkauft, befördern nur neuen Frust. Und vormalige Regierungen haben nichts gegen das Erstarken des Lobbyismus und der Privatisierung öffentlicher Aufgaben - Soziales, Infrastruktur etc. unternommen. Im Gegenteil, sie haben alles getan der Macht des Kapitals Tür und Tor zu öffnen, und so wurden Reformen nie wirklich angepackt.
Heute teilen viele Menschen im Osten wie im Westen das Gefühl, dass unter Schwarz-Rot wieder nur die Interessen der Konzerne, der Investoren, der Wirtschaft vorrangig bedient werden. Das Gerangel um die Sparvorschläge bei den geplanten Sozialreformen rührt die Menschen jedoch tiefer auf als Bu-Kanzler Merz, Hr. Klingbeil und Fr. Bas es sich vorgestellt haben. Hier muss die Regierung als ersten Schritt dringend nachbessern, danach muss die Modernisierung unserer Gesellschaft folgen! Ob der AfD in S.A. der Rollenwechsel von der "Kümmerer"-Partei in Opposition mit großen Versprechungen zur politischen Gestalterin in unserer komplizierte Realität gelingen wird, kann sie schon bei der Regierungsbildung zeigen. Dieses Thema birgt noch viele Ungewissheiten. Ich kann unseren demokratischen Parteien nur Raten, mit dem Wahlrecht und dem Wählerwillen der Bürger sensibler umzugehen als bisher. Sie wünschen sich eine spürbare Veränderung. Noch verbinden viele diese Veränderung mit der AfD, nicht mehr mit unseren demokratischen Parteien. Dass dies in D. trotz unseres kollektiven Versagens im Dritten Reich jemals wieder möglich sein würde, hätten wohl viele nicht für möglich gehalten. Ich auch nicht. Und dies ist das wirklich beängstigend Neue an diesem spektakulären AfD-Sieg.
Doch noch ist nichts verloren. Unsere Demokratie ist in ihren zivilen Bezügen lebendig genug, diesen Wählerwillen in S. A. jeden Tag aufs Neue zu hinterfragen, wenn wir zusammen stehen. Ich sehe die AfD auf sehr dünnem Eis. Und vielleicht zeigt sich schon in Kürze, dass auch sie nur mit Wasser kochen kann. Bleiben wir dran, bleiben wir wehrhaft.
Günter Bialkowski
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herral, 08.09.2026
Moin und Kompliment, Herr Bialkowski,
für mich erste gute Gedanken und Analysen.
Nach dem gewaltigen Zusammenbruch des allgemein faschistischen ‚Großdeutschland‘ bemühten sich noch die Institutionen der ‚Westzonen/BRD‘ um die Heimatvertriebenen und Flüchtlingsströme aus den Ostprovinzen nach bescheidenen Kräften. –
Dann schafften es die Siegermächte, ihre Besatzungszonen erfolgreich zu entfremden. Jede auf ihre Art, entsprechend ihrer Systeme.
Der ‚Westen‘ wuchs wie ein Kriegsgewinner – der ‚Osten‘ zog die A-Karte, wurde demontiert und zu Sklaven des Sowjetsystems. Er bezahlte Jahrzehnte für die Untaten und Schäden des Hitlerreiches! –
Später erstritten mutige DDR-Bürger ihre bürgerliche Freiheit, mit großen Hoffnungen, auch mit Blick auf den Goldenen Westen.
Dieser etwas überraschte Westen bemühte sich zögerlich um Hilfen und Ratschläge, nach seiner Systematik.
Dort war also eher Raum für Märkte und verlängerte Werkbänke.
Das Gesamtdeutsche war uns längst abhanden gekommen. (Nein: Den ungeliebten SOLI zahlten prinzipiell alle Deutschen!)
Das förderte dort vielfache Kränkungen, gegen diese die AfD beste Salben versprach. Sie allein, mit stetig wachsendem Erfolg!
Zusätzlich verstärkte sich dieser unheilige Trend durch internationale Vorbilder und tückische Propaganda. –
Unser Weg wird noch lang sein zu: ‚Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört.‘
Leider möglich, daß uns auch dabei einmal wieder ‚Druck‘ von außen helfen könnte, helfe wird …
Bleiben wir Optimisten – und sorry,
kürzer konnte ich es hierbei nicht.
Hansjürgen Krabbe
Hameln
Diesmal 100% Zustimmung!
In der alten Bundesrepublik das „Tafelsilber“ der Sozialwohnungen zu verkaufen, um kurzfristige Einnahmen zu generieren, Einrichtungen der Daseinsvorsorge wie Kliniken und Seniorenheime an profitorientierte Akteure zu vergeben – das sind nur zwei Beispiele von Verschlechterungen durch den angeblich freien Markt. Den idealen freien Markt gibt es nämlich nur in der Theorie, fast nie in der Praxis. Nur in der Theorie sind die Marktakteure gleich stark und auf dem gleichen Informationsstand.
Ein „Geburtsfehler“ bei der Umsetzung der Wiedervereinigung war der Grundsatz „Rückgabe vor Entschädigung“. Was nützen die renovierten wunderschönen Anwesen, die unsere Touristenaugen erfreuen, wenn sie jetzt fast alle „Wessis“ gehören?