Hameln, 28.09.2026: Günter Bialkowski schreibt…
Liebe Leserin, lieber Leser, liebe Freunde der Demokratie,
unser Zuhause ist uns lieb und teuer, am stärksten werden wohl Wohnungslose und Familien mit Kindern auf Wohnungssuche dieses tiefe Gefühl empfinden. Heute möchte ich dieses Bild erweitern und auf unsere gesamtgesellschaftliche Situation, unsere Demokratie ausdehnen. Dazu benötigen wir den ganzheitlichen Blick, nicht den hastigen auf Quoten ausgerichteten, alles andere ausklammernden und deshalb meist oberflächlichen Blick unserer Zeitungen und Medien.
Wenn wir unsere Nachkriegsordnung, unsere Demokratie unseren Rechtsstaat, in dem wir uns alle, ja - ganz Europa eingerichtet haben einmal als unser Zuhause betrachten, dann fällt auf, dass uns dieses Zuhause höchst gefährdet und krisengeschüttelt immer schneller verloren geht. Mit den lange Zeit tragenden Prämissen Gemeinsinn und Vertrauen haben wir bis in den Alltag hinein unseren inneren Zusammenhalt verloren. Und hier kommt vieles zusammen, was uns letztlich in die strukturelle Spaltung mit vielen Unsicherheiten, Spannungen, Elitebildungen, Ängsten, Druck und Ungerechtigkeiten geführt hat.
Es gibt eine These, die von nicht wenigen Politik-Wissenschaftlern, Ökonomen, Soziologen u.a. vertreten wird, wonach unsere gesellschaftliche Spaltung und die Vertrauenskrise in der Bevölkerung in Wahrheit ein Elitenproblem ist. Und wenn ich mir den Deutschen Bundestag der letzten Jahrzehnte anschaue, dann finde ich diese These bestätigt. Es dominiert die Elite, kaum Angestellte, Arbeiter. Unsere Probleme liegen also tiefer! Hier liegt eine kulturelle Entfremdung zur gesellschaftlichen Basis vor, die die Politik wohl nicht mehr aufheben kann, die sich aber bis in unsere Strukturen hinein verfestigt hat. Und diese Eliten beschließen Gesetze ohne die Lebensrealitäten der Mehrheitsgesellschaft zu kennen. Das muss man erst einmal sacken lassen, danach erklären sich Vernachlässigungen und Ungerechtigkeiten fast schon von selbst. Und wenn man dann noch die moralisierenden Appelle von Spitzenpolitikern und führenden Wirtschaftern hinzu zählt, dann besteht sehr schnell die Gefahr unsere Demokratie für diese Fehlentwicklungen verantwortlich zu machen.
Hätten wir nun eine Presse und Medien die dieses Hintergrundwissen auch für den ganz normalen Bürger tagtäglich auf verständliche Weise und nicht nur in einem wöchentlichen Feuilleton behandeln und schreiben würden, dann hätten wir einen Gegenpol, denn die Wächter- und Warner-Funktion gehört nun mal zu den ureigensten Aufgaben der Presse. Zusammenfassend möchte ich festhalten: Die Entfremdung und Spaltung zwischen oben und unten ist weit fortgeschritten, sie ist ein Fakt. Das Schlimme daran, die gestaltenden Eliten bemerken und sehen nicht, dass populistische Parteien, wie auch die AfD ganz bewußt spaltende Themen und Tendenzen aufgreifen, sie ideologisch aufbereiten und damit größte Wahlerfolge erzielen.
Günter Bialkowski
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herral, 28.09.2026