Offener Brief der GdP Hameln: Klare Worte zur Rassissmusdebatte von Hamelner Polizistinnen und Polizisten

Andreas Appel ist der Kreisgruppenvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei in Hameln-Pyrmont. Was er und ein Querschnitt der GdP-Mitglieder zu den aktuellen Rassissmussvorwürfen gegenüber der Polizei in Deutschland denken und fühlen, veröffentlichte die Gewerkschaft heute in einen offenen Brief an die Politik.

„Ich bin Polizistin. Ich bin Mutter. Ich bin Partnerin, Schwester, Tochter und Freundin. Was ich nicht bin? Rassistin. Ich spüre keinerlei fremdenfeindliche Gedanken in mir. Wenn in meiner Umgebung jemand rassistische oder anderweitig verachtenswerte Dinge äußert, spreche ich dagegen, mische mich ein. Das mache ich als Mensch, aber vor allem auch als Polizistin. Weil dieses Gedankengut für mich in unserer Gesellschaft keinen Platz hat und das auch so bleiben soll.“

Polizeibeamtin aus Hameln.


„Wir sind nicht rassistisch. Wir nicht als Volk, wir nicht als Polizei. Leider mit vereinzelten Ausnahmen. Im Volk, in der Polizei und in der Politik.“

Polizeibeamter aus dem Weserbergland.


Mich wundert es deshalb nicht, wenn sich der eine oder andere Kollege zurückzieht, innerlich kündigt und damit dem ganzen staatstragenden Gefüge zusätzlichen Schaden zufügt.

Kriminalbeamter aus dem Landkreis Hameln-Pyrmont.


„Auch meine Familie verdient Wertschätzung und Respekt und hat es nicht verdient, mit mir zusammen in den Dreck gezogen zu werden.“

Polizeibeamter aus dem Weserbergland.


„Wer die Spielregeln in einer Demokratie und die Gesetze nach dem Strafgesetzbuch nicht einhalten will, der muss in seine Schranken gewiesen werden. Die Polizei ist dafür ausgebildet und benötigt hierzu die Bürger, alle Abgeordneten (außer von der AfD) und die Justiz, um dieser Form in aller Härte entgegen zu wirken.“

Polizeipensionär aus dem Landkreis Hameln-Pyrmont.


„Ich habe sowohl in Kleinstädten als auch in der Landeshauptstadt Dienst versehen. Und ich bin stets sporadischer Abneigung bis hin zu direkten Beschimpfungen ausgesetzt gewesen (gerade bei Demonstrationen mit politischem Hintergrund). Aber ich hatte stets das Gefühl, dass „die Gesellschaft“ hinter mir steht.“

Polizeibeamter aus Hameln.


An der Trauerfeier habe ich mit vier Kollegen teilgenommen. Wir waren privat in unserer Freizeit vor Ort, um die letzte Ehre zu erweisen. Unser Beruf hatte nichts mit der Trauerfeier zu tun. Als dann die Urne zum Grab getragen wurde, ist ein Kollege von der Seite angesprochen worden: „Ob die Polizei nicht endlich mal verschwinden will. Es könnte nicht sein, dass hier vier Polizisten in zivil anwesend sind, das sei respektlos.“

Polizeibeamtin aus dem Weserbergland.


Diese Zitate aus den kurzen Statements in der Anlage des Briefes geben einen Eindruck in das Gefühlsleben der Menschen in der Polizei.


Andreas Appel ist als Kreisgruppenvorsitzender aber noch etwas anderes besoners wichtig. Dieses hat er in dem Brief vorangestellt:

„Daher war es in den letzten Tagen und Wochen sehr ermutigend, dass sich viele Bürgerinnen und Bürger klar zu ihrer Polizei bekannt haben. Wir wollen dieses im allgemeinen Kritiksturm besonders hervorheben und damit den Fokus auf die vielen Menschen richten, die mit dem Handeln der Polizei kein Problem haben und verstehen, dass unser Beruf oftmals ausgesprochen schwierig ist.
Positiv bewerten wir auch, dass sich höchste Verantwortungsträger der Regierung und viele Vertreterinnen und Vertreter der politischen Parteien unterstützend und wertschätzend äußern.
Für dieses Vertrauen der weit überwiegenden Mehrheit der Menschen (auch im Weserbergland), welches ich auch persönlich als Kontaktbeamter rückgemeldet bekomme, sind wir sehr dankbar. Jede Stimme, die uns Beschäftigten der Polizei unterstützt und beisteht, ist wichtig und ermutigend.“

Der vollständige Brief kann auf der Homepage der Gewerkschaft der Polizei heruntergeladen werden:

Zusammenstellung: Ralf Hermes, 6.7.2020

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