PHI gefällt mir nicht! Ein Meinungsbericht zum Thema Blitzer-Warnungen.

Haben sie die Anzeigen in der DEWEZET und auf den Plakatwänden unserer Stadt gelesen? Schon seit einigen Monaten läuft die großflächige Werbung. „Blitzerwarnung“. Seit kurzen auch ziemlich penetrant als Filmchen bei Facebook

„Nicht gewarnt? Wir zahlen dein Bußgeld!“  Als Einzigartig wird das Konzept angepriesen. Versicherung inklusive. „Polizei & Landkreis hassen diesen Trick.“ Es geht um Blitzermeldungen für den Bereich Hameln-Pyrmont über Whatsapp. Für 2,88 Euro im Monat ist man laut Eigenwerbung „unermüdlich am Arbeiten, fast rund um die Uhr aktiv, unterwegs. Man berichtet zum „Discount-Preis“.

Verantwortlich zeichnet die PHI GmbH aus Paderborn. Ein Geschäftsführer ist eingetragen. Wohnort Budapest. Das Stammkapital der Gesellschaft mit beschränkter Haftung beträgt 25.000 Euro. Bekanntgemacht am 6.8.2020 beim AG Paderborn.

Das Versicherungsversprechen lautet: Wird jemand im „Wirkungsbericht von PHI geblitzt oder gelasert und die Kontrollstelle wurde vorher nicht auf der Meldeplattform bekanntgegeben, so wird vom Betreiber das Bußgeld erstattet. Kleiner Haken noch, der „Geblitzte“ muss die Stelle schnellstmöglich selber gemeldet haben.

Was steckt wirklich dahinter?

Angefangen hatte alles bei Facebook, damals noch mit der Seite „Polizei Hameln inoffiziell“. Der Betreiber der Seite postet selber den Standort von Geschwindigkeitskontrollen durch Landkreis, Stadt und Polizei. Veröffentlichte Fotos und Kennzeichen von Zivilfahrzeugen, darüber hinaus allgemeine Polizeimeldungen und Lästerlichkeiten gegen die Verkehrsüberwacher. Die Seite wurde sehr schnell die lokale Facebookseite mit den meisten „Gefällt mir“ Klicks. 2015 feierte der Betreiber 20.000 „Follower“ und begann sein Angebot – er bekam mittlerweile viele Hinweise zu Kontrollstandorten aus der Facebook-Bevölkerung – kostenpflichtig auszulagern. Seit dem 1.2.2015 gab es den „PHI-Fahrer-Schutz“, damals noch als Angebot eines Zuschusses in Höhe der Regelbuße.  

Das Model muss wohl erfolgreich sein, sonst würden sich die aufwendigen Werbemaßnahmen wohl nicht lohnen. Die Facebookseite feierte am 11. September ihre 24.000. „Gefällt mir“-Angabe.

Bitte mal Nachdenken:

Finden Sie eigentlich das Hundekothaufen auf dem Gehweg oder in den Grünanlagen nicht weiter schlimm sind? Jeder kann man doch drüber wegtreten und die Gärtnerinnen und Gärtner werden doch eh fürs aufräumen bezahlt.  Tierfreunde, die die Hinterlassenschaften ihrer Lieblinge nicht wegräumen, sollten vom Staat nicht abgezockt werden.  

Wenn die Menschen ihren Müll einfach so in den Wald kippen oder neben dem Glascontainer ablegen ist das für Sie auch nicht weiter schlimm? Räumt doch schon irgendeiner wieder weg.

Ist „Schwarzfahren“ (Erschleichen von Leistungen) für Sie eine Bagatelle? Der Staat zockt doch bei den Fahrpreisen eh unangemessen die Menschen ab.

Ruhestörender Lärm? Wer sich darüber beschwert, der ist eine Spaßbremse.

Die Maskenpflicht ist unsinnig. Bußgelder dazu eh nicht angemessen.

Vielleicht sind sie ja sogar bereit, den Hundebesitzern, den Schwarzfahrern, den Müllwegwerfern oder den Maskenverweigerern aktiv vor den Streifen von Polizei und Ordnungsamt zu warnen? Sie vor der Abzocke durch den Staat mittels Ordnungswidrigkeitenverfahren zu schützen?

Nun, dann wären Sie wohl auch bei PHI genau richtig.

Hier geht es doch schließlich auch nur darum, die Menschen, die halt ein bisschen schneller fahren wollen, als es der Staat erlaubt vor der Abzocke zu schützen.

Verkehrstote, schwerverletzte Menschen?

Sollten Ihnen aber bei solcher Lebenseinstellung die Nackenhaare hochgehen, dann sind Sie auf der Seite des „Hamelner Boten“. Wie kommt es, dass es Menschen gibt, denen alles, was eigentlich schon im Elternhaus, spätestens aber in der Grundschule, im Religionsunterricht oder bei „Werte und Normen“ als Regeln unserer Gemeinschaft vermittelt wurde, entfallen ist? Rücksicht, Menschlichkeit und Achtung des Gegenübers meine ich. Wie kommt es, dass 24.000 Menschen bei PHI ein „Gefällt mir“ hinterlassen und damit dem Seitenbetreiber bestärken. Wie tief muss man eigentlich sinken, um den Betreiber für seine Machenschaften sogar noch Geld zu überweisen.

Für mich jedenfalls gibt es dafür nur einen Begriff:  unsozial.

Ralf Hermes, 23.01.2021

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