Hameln, 08.01.2026: Folgende Stellungnahme zum Kommentar von Hameln Chefredakteur Thomas Thimm bzw. zum Botenbericht „Guter und schlechter Journalismus zum Jahresanfang“ vom 04.01.2026 habe ich übersandt bekommen:
Stellungnahme zu Thomas Thimms Kommentar „Es wird immer kurioser mit den Radler-Forderungen“ in der DEWEZET vom 02. Januar 26
Nein, den „Hans-Joachim-Frierichs“-Preis für Journalisten wird Thomas Thimm wohl nicht mehr gewinnen. Denn dieser steht unter dem Motto: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten.“
Sein Kommentar „macht sich aber gemein“; er versucht einseitig und polemisch die Vorschläge des ADFC und der Initiative Rad-Verkehrswende Hameln JETZT! lächerlich zu machen. Was dann auch keine „gute Sache’“ ist.
Dennoch müsste man Herrn Thimm fast dankbar sein, da er das Thema ins Scheinwerferlicht rückt: bisher hatte der Vorschlag der Initiative, den Verkehrsraum auf den großen Weserbrücken gerechter zu verteilen, in der DEWEZET ja gar nicht stattgefunden. Er ist zwar seit 2023 in unserem Programm nachzulesen (radverkehr_hameln_2025_06.pdf ), und er war im Sommer letzten Jahres das Motto einer großen Fahrrad-Demo mit über hundert Teilnehmenden – aber die DEWEZET hat auch dies Ereignis ignoriert. Es ist scheinheilig, so zu tun, als sei der Vorschlag plötzlich und ohne Vorlauf um die Ecke gekommen.
Und so sind, trotz der Aufmerksamkeit, die das Thema jetzt bekommt, leider viele von Thimms Argumenten nicht nur einseitig – und daher journalistisch schlecht – sondern auch unzutreffend und ärgerlich – und daher auch keine „gute Sache“.
Auch wenn Fakten ja zunehmend aus der Mode kommen und durch Stimmungen und Empörung ersetzt werden: hier ist der Faktencheck zu Thomas Thimms Argumenten:
- Argument 1: Der Appell, den Verkehrsraum auf den Brücken fairer aufzuteilen, steche nicht, da die Autofahrer dort deutlich in der Mehrheit seien.
→ Das Recht des Stärkeren möge obsiegen: wer mehr Verkehrsraum einnimmt, braucht ihn auch und hat damit (Vor-)Recht. Die anderen (Fuß- und Radverkehr) können sehen, wo sie bleiben – nämlich auf verkehrsrechtlich gar nicht mehr zulässig schmalen Randbereichen.
Wenn man dessen Verweildauer auf den Brücken mit berücksichtigt, reduziert sich der Unterschied im übrigen deutlich.
Es bleibt ein Rätsel, warum Herr Thimm so darum kämpft, dass selbst der Schwerlastverkehr, der sich mitten durch Hameln windet, bloß nicht reduziert wird? - Argument 2: Im ADFC und in der Initiative, agierten „einseitig orientierte Interessenvertreter“, die „den Radverkehr voranbringen wollen, koste es was es wolle“, dabei aber „vorgaukeln, das Wohl aller im Sinn zu haben.“
→ Auch wenn es Herrn Thimms Vorstellungskraft übersteigt: eine Stadt mit weniger Lärm, und Abgasen, mit mehr Platz für alle Verkehrsteilnehmer, ist nun einmal eine lebenswertere, sicherere, gesündere Stadt und dient dem Wohl aller! Darum geht es uns. Das Fahrrad ist dafür nur ein Mittel. - Argument 3: Dem Vorschlag kranke es an der „realistischen Einschätzung der Verkehrsbedürfnisse Tausender Pendler, die […] auf das Auto angewiesen“ sind.
→ Pendler dürfen weiter pendeln. Die Brücke wird nicht geschlossen, eine Spur weniger bedeutet nicht den Untergang des Abendlandes. Wenn es für den Transitverkehr wirklich langsamer ginge, würde das Navi schon automatisch andere Wege empfehlen.
Aber innerhalb Hamelns sind nicht „Zehntausende Menschen auf das Auto angewiesen“, im Gegenteil: das Fahrrad ist in einer kleineren Stadt wie Hameln das schnellere und sehr viel gesündere Verkehrsmittel, mit dem sich die allermeisten Alltags-Geschäfte, auch die Fahrt zur Arbeit oder zum Einkauf, sehr wohl erledigen lassen. In vielen Fällen“ ist das Auto eben doch durch das Rad zu ersetzen! Dagegen spricht in Wirklichkeit meist nur die Bequemlichkeit. - Argument 4: „Glaubt wirklich irgend jemand, dass die Autofahrer dann auch nur einen Kilometer weniger fahren?“
→ Die Antwort auf diese eigentlich rhetorisch gemeinte Frage lautet: Ja! – wie Städte wie Paris, Amsterdam, Kopenhagen beweisen. Verwiesen sei auf den Film „Cycling Cities“, in dem gezeigt wird, wie das funktionieren kann: https://youtu.be/R5jQc1jXLAU?si=eehMyr60GXGwLfsg .
Aber vielleicht weiß Herr Thimm ja mehr als die Verkehrsplaner dieser Weltstädte? …
Rainer Schams, 07.01.2026
Bezug:
herral, 08.01.2026
Chapeau, welch treffliche Analyse! Wer Timms Kommentare liest, und dafür auch noch bezahlt, ist eigentlich selber schuld.
Was Menschen wie Herr Thimm so unglaubwürdig macht: Wenn ihnen wirklich das Wohl aller autofahrenden Menschen am Herzen läge (und dabei vor allem jene Menschen, die WIRKLICH auf Auto angewiesen sind), dann müssten sie mit aller Kraft dafür kämpfen, dass es denen, die nicht drauf angewiesen sind so einfach wie möglich gemacht wird andere Verkehrsmittel zu nutzen. Jedes Auto auf der Straße weniger (ob fahrende oder Stehblech) ist ein Gewinn für alle im Straßenverkehr – ob im Auto, auf dem Rad oder im Bus.
Aber da hat man doch mehr das Gefühl, ihm geht es um die eigene Bequemlichkeit, um „ich hab aber recht!“ (egal, worum es geht) und nicht zu vergessen: „Das haben wir immer schon so gemacht“.