Gastbeitrag: Zur Kritik an den neuen Öffi-Fahrplänen

Hameln, 22.03.2026: Hartmut Tegtmeier übersandte in seiner Funktion als Kreistagsabgeordneter der Grünen und Aufsichtsratsmitglied der Öffis folgenden Beitrag:

Zu der Diskussion über die „massiven“ drohenden Verschlechterungen in den Fahrplänen der Öffis möchte ich als Kreistagsabgeordneter und Aufsichtsratsmitglied der Öffis ein paar sachliche Informationen beisteuern.

Ich finde es einen positiven Ansatz, die Fahrplanentwürfe vorab zu veröffentlichen und Rückmeldungen einzufordern.

Es gibt berechtigte Kritik an diesen Plänen, aber auch viel Unverständnis und absolute Unkenntnis, die sich in abstrusen Forderungen zeigen wie im Umweltausschuss der Stadt Hameln.

Was ändert sich:
Wie bisher haben die Stadtteile Haverbeck, Halvestorf, Klüthang, Hilligsfeld einen Stundentakt.
Wie bisher haben die Stadtteile Klein Berkel, Kreuzfeld, Tündern, Hastenbeck, Afferde, Rohrsen, Zeisigbusch, Hohes Feld, Rotenberg West, Basbergstr. und Reimerdeskamp, Holtensen und Welliehausen einen Halbstundentakt.

Negative Veränderungen: 
– Unsen wird nur noch stündlich bedient, bedingt durch die Verlängerung der Linie 5 nach Pötzen, Höfingen
– Die Haltestellen Rotenberg Ost und Multimarkt Süd entfallen
– Die Linie 3 Klein Berkel-Afferde-Hastenbeck, die Linie 6, die den Klüthang und das Kreuzfeld bedienen und die Linie 7 nach Haverbeck/Halvestorf fahren nicht mehr über City
– Linie 1 aus Hilligsfeld/Rohrsen endet am Bahnhof, es ist ein Umstieg für die Weiterfahrt in die Innenstadt erforderlich

Positive Veränderungen
– Die sogenannten Freizeitlinien 91-95, die abends und am Wochenende gefahren sind, entfallen. Dafür fahren die normalen Linien bis 20 – 21 Uhr und am Wochenende ihren gewohnten Linienweg, teilweise mit zusätzlichen Fahrten gegenüber den 90er Linien.
– Bei der Linie 6 zum Klüthang entfällt die ca 10 minütige Schleife durch das Kreuzfeld
– Das große Wohngebiet Leipziger Str. in Afferde wird durch 2 neue Haltestellen besser erschlossen.
– Geplant, aber noch nicht genehmigt, ist eine geringfügige Ausweitung des Sonntagsverkehrs, der dann schon am späten Vormittag beginnt.
– Verbesserungen gibt es auch auf den Regionallinien in Richtung Bad Pyrmont, Salzhemmendorf und Coppenbrügge. 

Weitere Veränderungen können auf einigen Linien Verschiebungen in den Fahrzeiten und Linienwegen sein. Dies wirkt sich für einzelne Fahrgäste negativ aus, bei denen die bisherigen Fahrzeiten gut zur Arbeitsbeginn oder anderen Terminen passten, für andere ergeben sich dadurch bessere Möglichkeiten und Verbindungen. Ein Beispiel für so eine Veränderung ist die Linie 4/40. Bisher fuhr sie als Linie 5 aus Tündern über Ohsener Str. – Kaiserstr. zum Bahnhof und dann über die Deisterstr – City nach Holtensen. Die neue Linie 4 fährt stündlich aus Tündern über die Ohsener Str. – Mühlenstr. – Ostertorwall – Deisterstr zum Bahnhof, man ist also schneller in der Innenstadt.  Die Linie 40, um eine halbe Stunde, versetzt hat den Weg Ohsener Str. –  Kaiserstr. – Bahnhof, weiter in die City muss umgestiegen werden.

Die Haltestellen Rotenberg Ost und Multimarkt Süd wurden bisher von Linien angefahren, die „nur“ 3-4 Haltestellen auf eigenem Linienweg bedient haben, den restlichen Linienweg parallel zu anderen Linien gefahren sind. Das ist teuer und nicht sinnvoll, wenn gleichzeitig in anderen Bereichen des Landkreises große Fahrplandefizite bestehen.  Alle Haltestellen, bis auf die beiden Endhaltestellen, können durch Linienverlagerung wie bisher in gleicher Qualität im Halbstundentakt bedient werden.

Ich hoffe und werde mich in den jeweiligen Gremien dafür einsetzen, dass die Führung der Linie 3 (Klein Berkel, Hastenbeck) und Linie 6 (Klüthang, Kreuzfeld) über den Citybusbahnhof möglich ist, ebenso wie eine Durchbindung der Linie 1 in die Innenstadt. Der Halbstundentakt für Unsen müsste eigentlich auch möglich sein, da es Veränderungen gegenüber der ursprünglichen Netzplanung gegeben hat.

Das Defizit der Öffis liegt derzeit bei 12 Millionen Euro jährlich und wird vom Landkreis gedeckt. Alle Änderungen müssen kostenneutral sein, da sich das Defezit durch Lohnerhöhungen, Dieselverteuerung usw in den nächsten Jahren bereits erhöhen wird.
Das grundsätzliche gute Fahrplanangebot der Öffis (Halbstundentakt aus den meisten Ortsteilen) zum Preis von 25€ bei einem Jahresabo könnte natürlich auch von viel mehr Autofahrern aus den Stadtteilen genutzt werden. Das wäre gut für das Defizit der Öffis, für den Energieverbrauch und den Umweltschutz, schafft Platz auf den Straßen für andere Verkehrsteilnehmer und vieles mehr.

Hartmut Tegtmeier


unverändert veröffentlicht am 22.03.2026, herral

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