Hameln, 08.05.2026 – herral: Dass ich ein Fan des Lokaljournalismus bin, dürfte kein Geheimnis sein. Daher fand ich die Werbeaktion „Tag des Lokaljournalismus“ am 05.05.2026 gut.
Dazu ein paar Informationen und Gedanken für Hameln:
Die Krise der „konventionellen“ Lokalzeitungen ist bei der DEWEZT anhand der Einbrüche in den Auflagen- und Abonnentenzahlen offensichtlich:

Laut den aktuellen Verkaufszahlen auf der Internetseite des IVW hat der Verlag CW Niemeyer die Druckauflage der Hameln-Ausgabe im letzten Jahr um 1.000 Exemplare reduzieren müssen. Die Abonnentenzahlen weisen einen Verlust von 860 regelmäßig zahlenden ZeitungsleserInnen auf.
Noch deutlicher wird das Problem beim Vergleich der Zahlen 2021 zu 2026. Innerhalb von fünf Jahren verlor die Zeitung 5.370 Abonnenten. Die Druckauflage sank um die Zahl 7.071 Exemplare.

Quelle: https://quartalsausweisung.ivw.de/
Nicht darstellbar sind für mich der Einbruch der Anzeigenerlöse, das zweite wichtige Standbein zur Finanzierung einer Zeitung. Sichtbar aber sind die großflächigen Anzeigen mit Eigenwerbung für Produkte der Zeitung.
Hinzu kommen die steigenden Personalkosten, die Papierpreise, die Probleme beim Verteilen der Zeitung und einiges mehr.
Die Zeitung versucht mit verschiedenen Maßnahmen dieser Entwicklung gegenzusteuern. So wurde erst vor Kurzem die Geschäftsstelle verkleinert und vom Postgebäude in das alten CW-Niemeyer Haus verlagert.
Eine Berichterstattung über Probleme und Veränderungen in der Zeitung gibt es nicht. Nach außen wird der Schein gewahrt. Dabei ist der Sparkurs unübersehbar. Die Anzahl der Berichte pro Seite wurde deutlich reduziert. Ein klares Personalkonzept der örtlichen Zuständigkeiten ist nicht mehr erkennbar. Die noch bekannten Lokalredakteure vormals aus Hameln werden landkreisweit eingesetzt. Vom stellvertr. Chefredakteur Jakob Goki liest man fast nichts. Vereinsberichte gibt es schon lange nicht mehr, Verlaufsberichte ggf. noch im Kulturbereich. Der Rückzug aus der politischen Berichterstattung wird spürbar. Das „Bunte“ und vor allem das „Billige“ dominiert.
Ein Beispiel für einen „lieblos hingeschriebenen“ Lokalteil Hameln bietet die Mittwochsausgabe (einen Tag nach dem „Tag des Lokaljournalismus“) am 06.05.2026 (Seiten 9-12 Hameln):

Insgesamt gibt es drei mit Autorennamen gekennzeichnete Beitrage:
- a) Richard Peter mit einem Theaterbericht
- b)Lars Lindhorst mit „Ladenberichten“ aus der Bäckerstraße
- c) Malick Volkmann mit dem Bericht „Bordell-Video und Vergewaltigung?“ Dieser „Erpressungsbericht“ betrifft einen Vorfall in Bünde. Basis sind Berichte der BILD. Anlass für die Berichterstattung im Hameln-Teil ist die Pressemitteilung einer Firma aus dem Weserbergland. Der Artikel zitiert wirr aus diversen Quellen. Auch nach mehrmaligem Lesen verstehe ich nicht den Meldungswert für Hameln. Der Redakteur ist tätig für die Schaumburger Zeitung. Der Beitrag ist auch dort veröffentlicht worden und für Hameln einfach gedoppelt.
Die weiteren sechs Beiträge sind einkopierte Pressemitteilungen, die ggf. noch etwas bearbeitet und mit dem Kürzel „red.“ versehen wurden.
Ärgerlich ist der Bericht: „Gärten zu bestaunen“ Hier handelt es sich um eine Aktion des BUND Hameln-Pyrmont, die als „Tag des offenen Gartens“ seit vielen Jahren stattfindet. Weder der Veranstalter wird genannt, noch die Uhrzeit, wann die Gärten geöffnet sind. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass es noch weitaus mehr als drei Gärten sind, die besichtigt werden können. Der Text des Artikels wurde schlicht aus dem Programmheft kopiert. Nur ein Garten in dem Beitrag des unbekannten Verfassers („red“) kommt aus Hameln. (Programmheft und Bericht beim Boten: https://hamelnerbote.de/archive/36174)
Unter Kurznotizen gibt es Veranstaltungshinweise, ohne die Organisatoren (Vereine Artes Wesera und Bibliotheksgesellschaft Hameln) zu nennen.
Letzter Punkt – Seite 15: Bad Pyrmont – fast hätte ich es nicht gelesen, denn die Bäderstadt interessiert mich nur am Rande. Hier finde ich dann die Beiträge über die Gespräche zum Lokaljournalismus auch aus Hameln.
Meine Bitte: Das Felgenfest, der Gartentag und auch der Gesprächsjournalismusbeitrag gehören unter die Rubrik Weserbergland. Bitte nennt die Vereine, die die Veranstaltungen organisieren. Das erfolgt ehrenamtlich und es gehört sich einfach, diese Arbeit durch die Nennung zu wertschätzen.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass so etwas noch vor fünf Jahren bei der DEWEZET durch die Qualitätskontrolle gegangen wäre.
Es entsteht der Eindruck, dass dort niemand mehr Spaß an der Arbeit hat und einzig wichtig ist, dass da irgendetwas die Zeitung füllt.
Fazit: Ich gebe unserer Lokalzeitung bei diesem Kurs keine 10 Jahre mehr, vielleicht keine fünf. Es sei denn: Der Staat springt ein und subventioniert (auch) den „Thimm-Journalismus“ mit öffentlichen Geldern.
Ralf Hermes, 08.05.2026