Gastbeitrag: Wenn Lesererwartungen auf lautloses Zeitungssterben trifft!

Hameln, 28.04.2026: Günter Bialkowski schreibt uns aus Oerlinghausen einen Gruß und einige Gedanken zur Medienvielfalt.


Liebe Leserin, lieber Leser,

es ist völlig egal, wo Sie gerade die Tageszeitung in die Hand nehmen und welche Erwartungen Sie an eine Tageszeitung haben, ob Sie in Oerlinghausen die Neue Westfälische oder die Lippische Landeszeitung, in Hameln die DWZ, in Hannover, Leipzig oder anderswo ein Print- oder Digital-Produkt lesen, Sie werden mit gleichen Inhalten, gleichen Texten der gleichen  Medien-Mattsackgruppe bedient.

Man nennt das kreative Konfluenz. Nach KI ist damit der Wandel der Medien und das Verschmelzen von Kultur, Gesellschaft und Alltag gemeint. Ich nenne das geistige Verarmung, weil hier die individuelle Meinungsfindung zum ersten Mal seit Guttenberg auf ein begrenztes Angebot stößt.
Möglich machte dies alles – wie auch die Etablierung der sozialen Medien nicht nur der schnelle technische Fortschritt, auch die überhitzte Medienkonzentration aus Kosten-Ersparnisgründen trug ihren Teil dazu bei. Die regionalen Redaktionen bauten Personal ab, es entstanden große Zentral-Redaktionen wie das RND und andere Netzwerke. Seither gibt es weniger Wettbewerb, weniger Chancen für ausreichende Meinungsbildung, denn die Themenauswahl und die damit verbundene Reduzierung bedeutet Kanalisierung, letztendlich Manipulierbarkeit durch privates Kaptal.

Diese Entwicklung trifft uns in einer Phase des rückläufigen Wirtschafts-Wachstums. Informations- und Nachrichten-Steppen sind nicht mehr ausgeschlossen. Und wenn dann noch Chefredakteure regionaler Tageszeitungen den Lokalteil zu Gunsten von Sensations- und Aufmerksamkeits-Journalismus vernachlässigen, dämpft das Lesererwartungen und spielt populistisch-rechtslastigen Parteien und fragwürdigen Persönlichkeiten in die Hände. Wo bleibt hier die Stimme der Vernunft, wo das Aufbäumen dieser Branche?

Ich frage mich allerdings allen Ernstes, warum hat die Politik nicht schon bei Zeiten eine Reform der Pressegesetze der 16 Bundesländer angestrebt und damit dieses lautlose Zeitungssterben verhindert? Weil unsere dezentrale Verfassungs-Struktur die Kultushoheit unbedingt bei den 16 Bundesländern belassen will. So kommt heute jede zukunftssichernde Innovation zu spät. Studien geben zur Sorge Anlass: Auch die Dauerkrise der Zeitungs-Branche zeigt, dass unser freiwillig gewählter Weg alle unsere Lebensbereiche der Kommerzialisierung unterzuordnen immer fragwürdiger wird. Denn unser westlicher – höchste, je erreichte materielle Lebensstandart erhöht nicht mehr das Wohlbefinden und die Zufriedenheit der Menschen, weder in Amerika noch bei uns.                                                     

Günter Bialkowski
Oerlinghausen


herral, 28.04.2026

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