„Niemand hat das Recht zu gehorchen!“

Hameln, 17.05.2026 -herral: Mit diesem Zitat von Hannah Ahrendt – bezogen auf die Rolle von Adolf Eichmann im totalitären NS-Regime – startete die Matinée der Bibliotheksgesellschaft am 17.05.2026. Eingeladen waren die „Rintelner Lesefreunde“ und es ging um: „Demokratie – Nichts lieber als das“

Die sechs Lesefreundinnen und -freunde und eine Begleitung am E-Piano unterhielten (unterbrochen von einer Pause zum Durchatmen) zwei Stunden. Es gab anspruchsvoll philosophische wie humoristische und historische Texte, abwechslungsreich vorgetragen. 22 interessierte Literaturfreunde der Gesellschaft waren erschienen, als Gast aus den Reihen der Politik Dr. Martin Lücke, Ratsmitglied der CDU und Mitglied im Kulturausschuss.

Der Unterschied zwischen einer Demokratie und einer Diktatur liegt darin, dass Du in der Demokratie wählen darfst, bevor Du den Befehlen gehorchst.“ — Charles Bukowski

Dieses und einige Zitate mehr – begleitet von „Freude schöner Götterfunken“ auf dem Piano – waren die Einstimmung. Es folgte ein Zwiegespräch durch die Geschichte mit Gedanken zur Demokratie u.a. mit fünf „gigantischen“ Denkern.

Den Auftakt machte ein Streitgespräch zwischen Platon und Aristoteles zur Frage, ob die Philosophie mit einem humanen Menschenbild geeignet ist, sich im Kreis mächtiger Ratgeber bei Fürsten und Königen zu behaupten. Der Idealismus des Schülers wurde gedämpft vom Realismus des Lehrers. Nachdenkenswertes aus der Antike mit einer überraschenden Aktualität der Gedanken fürs Heute.

Nach einer Musik zum entspannen ging es zu Thomas Morus und die erfundene positive Gesellschaft von Utopia mit einem Staatschef auf Lebenszeit, der aber bei tyrannischen Entwicklungen abgewählt werden kann.

Mit Gedanken von Gästen aus dem Jenseits, u. a. John Locke (Vater des Liberalismus) und Jean-Jacques Rousseau als Vertreter der Aufklärung, ging es in die frühe Neuzeit. Verschiedene, anspruchsvolle Sichtweisen, aber wer hat Recht?

Es folgten kabarettistische Wortspiele aus dem Kom(m)ödchen zum Schmunzeln.

Stichwort Wahlen – die sechs Literaten nahmen die Zuhörenden mit in eine fiktive steinzeitliche Diskussion um die Nachfolge des Stammesführers – ausgeschlossen, dass seine Tochter die Stammeskeule übernimmt. So wurde gewählt zwischen den klügsten und den stärksten. Der stärkste gewann.

Unterbrochen von einer kleinen Pause ging es „Schlag auf Schlag“: Tucholski (Küsst die Faschisten wo ihr sie trefft) – Erich Kästner (Belauschte Allegorie mit den Steinen der Pyramiden) – Imre Grimm (Merz im Kindergarten).

Die SPD bekam ihren Denkzettel genau so, wie auch Bundeskanzler Friedrich Merz.

Hans-Dieter Hüsch (Das Phänomen) machten mit Jochen Rausch (Im Taxi: Eine Deutschlandreise), Dieter Hildebrand und dann noch mal Tucholski den Abschluss.

Es war Denkfutter für Kopf und Seele. Die Lesefreunde beendeten die Vorstellung mit einem gemeinsam gesungenen Abendlied.

Fazit: Gute, anspruchsvolle Unterhaltung – Nachdenkenswertes und Mahnendes.

Die Veranstaltung hätte viel mehr Besucherinnen und Besucher verdient gehabt.

Ralf Hermes, 17.05.2026

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