Gastbeitrag: „Transformation ohne Kompass?“

Hameln, 29.05.2026: Zitat „Der Bedeutungsverlust der Kirchen hinterlässt ein gesellschaftliches Vakuum das Identität, Halt und Werte betrifft“ von Max Horkheimer. Günter Bialkowski schreibt…

Liebe Leserin, lieber Leser,

wir erleben gerade eine Zeit voller Umbrüche, gesellschaftliche Ordnungen, Werte, soziale Standards und wirtschaftlicher Fortschritt stagnieren. Populismus, Hass, Gewalt, verlorene Sicherheit befördern Ängste und weltweit entstehen neue Parteien, kommen Regierungen zustande die in mühsamen Koalitionen um Akzeptanz und verlorenes Vertrauen ringen. Politiker in westlichen Demokratien wirken ausgelaugt, bekommen kaum Kompromisse noch grundlegende Reformen hin. Bürger suchen Orientierung und spüren bis in die Mitte hinein, dass unser Wohlstandsmodell neuen Schub braucht und auch KI nicht das ist, was wir jetzt brauchen.

Zeit - um auf etwas hin zu weisen, was nur wenige beobachten. Zwei Tendenzen scheinen irgendwie miteinander zu korrelieren. Ich halte dies nicht für einen Zufall. Da ist zum Einen das Erstarken populistischer Strömungen und rechtslastiger Parteien und zum Anderen der abnehmende Einfluss der Kirchen durch Säkularisierung und Kirchen-
Austritte. Die Frage stellt sich, hat unsere Gesellschaft, nicht nur die Politik ihren Kompass verloren? Zeigt neben der Brandmauer auch das christliche Fundament deutliche Risse? Vielleicht liegt hier eine mögliche Erklärung, warum die AfD gerade im Osten im Gegensatz zum Westen diese sprunghaften Zugewinne erzielt.

Ich verweise hier gerne auf Max Horkheimer, der Sozial Philosoph und Begründer der Frankfurter Schule hat folgenden Satz geprägt "Der Bedeutungsverlust der Kirchen hinterlässt ein gesellschaftliches Vakuum das Identität, Halt und Werte betrifft" - Zitat Ende. Ich glaube, wir alle sollten uns besinnen. Max Horkheimer spricht hier etwas speziell Christliches an. Er wusste noch nichts von der heutigen AfD. Aber er lehnte nach den Erfahrungen der Nazi-Diktatur alle Ideologien ab. Und trat in der politischen Ethik für die Beibehaltung von Gott und Transzendenz ein. Ich glaube, jeder Politiker sollte wie Horkheimer mahnt, sich im Innern den Moment von Theologie und Moral bewahren. Wer, wie Donald Trump nur noch sein eigenes Ego anerkennt wird scheitern und Politik als Geschäft betreiben und dabei Tod und Gewalt in Kauf nehmen.

Ob Friedrich Merz, gerade 70 Jahre alt, einen Kompass hat, der uns sicher durch die Wirren der Zeit führt, muss sich erst noch zeigen. Immerhin betreibt er mit Lars Klingbeil SPD eine Politik, die vom christlichen Menschenbild ausgeht, aber er kommt nicht voran. Die AfD, die größte Oppositionspartei - beruft sich auch auf die christlich abendländische Kultur, liegt aber - und das ist schon fast widersinnig mit den Kirchen im Dauer-Konflikt, will ihnen staatliche Gelder entziehen. Aber auch mit Gewerkschaften und anderen demokratischen Institutionen tut sich die AfD schwer. Der Wirtschaft kann diese Partei weder ein klares Konzept noch einen Kompass vorweisen, wohin sie Deutschland führen und wie sie die Transformation und Modernisierung "gerecht" gestalten will. Hier zeigt sich die große Leere dieser Partei, welche Moral, welche menschlichen, gar christlichen Werte kommen zum Zuge, wenn die Stilmittel sonst populistische Provokationen, sprachliche Anmaßungen und das Erregen von öffentlicher Aufmerksamkeit sind?

Leider verfängt diese Art von Politik bei immer mehr Bürgern. Das Protestieren und Dagegensein z.B. gegen das Establishment in Berlin, findet in den Meinungsumfragen und viral besonders in social media-Kanälen statt. Den ganz Ungeduldigen, denen das Ringen um Reformen und Kompromisse in Berlin zu schleppend voran geht, empfehle ich einfach mehr Geduld und die Fähigkeit, auf Untergangs-Mythen zu verzichten. Wir haben heute, im Gegensatz zu unseren Vätern und Müttern zur Weimarer-Zeit und unter Hitler keine hohen Arbeitslosenzahlen, die eine AfD als Retter herunter fahren müsste! Weil wir diesen Druck gar nicht kennen, sollten wir uns alle fragen, ist unsere Demokratie mit allen Fehlern und Mängeln die sie hat -materiell, sozial, rechtlich und freiheitlich so desolat und instabil, dass wir freiwillig eine in Teilen rechtsradikale AfD wählen sollten? Wir wissen, es geht um Vertrauen und Kompetenz und am 06.09. ist Landtags-Wahl in Sachsen-Anhalt!

Ihr

Günter Bialkowski
(Jahrgang 1937)

herral, 29.05.2026

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