Hameln, 19.08.2026: Von Rainer Schams wurde mir der nachfolgend abgedruckte Bericht zur Veranstaltung von ADFC und der Initiative „Radverkehrswende Hameln Jetzt“ in den Räumlichkeiten von radio aktiv übersandt:

Gestern, am 18.August 2026, hieß es für Kandidatinnen und Kandidaten zur Kommunalwahl Farbe bekennen, was die Verkehrswende betrifft: das ISEK (2020) oder das Klimaanpassungskonzept (2024) im Rat abnicken ist das eine, aber konkrete Maßnahmen zum Erreichen der dort formulierten Klima- und Verkehrsziele in Angriff nehmen, das andere – und daran hat es in der letzten Legislatur häufiger gehakt.
Und so hatten wir allen demokratischen Parteien1 im Vorfeld fünf ganz konkrete Forderungen aus unserem Programm zukommen lassen und jeweils um ihre Stellungnahmen dazu gebeten:
Verkehrsberuhigung in den Innenstadtstraßen Kopmanshof und Baustraße, die Verbesserung der Situation für den Rad- und Fußverkehr auf den Weserbrücken, sowie in der ganzen Stadt die Einrichtung von Tempo 30 und die Steigerung des Radverkehrs auf 40%.
Circa 60 Besucherinnen und Besuchter verfolgten interessiert, wie, moderiert von Kirchenkreisjugendwartin Silvia Büthe, die von den Parteien entsandten Repräsentanten abwechselnd und reihum kurze Stellungnahmen zu den jeweiligen Themen abgaben.
Die CDU wurde dabei von Thorsten Sander vertreten, für die FDP trat Jacqueline Krüger an, für die SPD war Ole Schütza nach einem Unfall mit Unterarmgehstützen gekommen – und verlieh so dem Mobilitäts-Thema noch eine persönliche Pointe. Der „Frische Wind“ hatte Hermann Campe
geschickt, die Linke“ wurde von Karl Möller repräsentiert, und für die Grünen war Dr. Markus Hedemann gekommen, der der ansonsten ernsthaften und seriösen Diskussion immer wieder mit dem augenzwinkernden Verweis auf „unser Parteiprogramm“ auch eine launig-amüsante Note verlieh.
Das Überraschende und Erfreuliche an ihren Statements zu den teilweise doch weitreichenden, zum Teil provokant anmutenden, Forderungen war, dass alle Kandidatinnen und Kandidaten – in der jeweils gebotenen Kürze – auf pauschale Aussagen und Ablehnungen verzichteten. Mehrfach waren
sie – wenn auch mit Differenzierungen in Details was z.B. Finanzierbarkeit oder Dringlichkeit betrifft – sogar grundsätzlich im Konsens darüber, dass etwas geschehen müsse.
Dies gilt ganz besonders für das „Brücken“-Thema: hier herrschte Einigkeit darüber, dass es für den Fuß- und Radverkehr so nicht weitergehen kann. Auch der Idee eines „Shared Space“ auf der Baustraße hatte viele Freunde, wenngleich hier zunächst zu klären war, was mit „Shared Space“
eigentlich gemeint sei. Differenzierter sah man eine mögliche Sperrung des Kopmanshofs für den motorisierten Individualverkehr; und bei den Themen „Tempo 30“ und „40%-Radler-Anteil überwog insgesamt die Skepsis.
Bei den jeweiligen Bedenken wurden auch die Prioritäten der jeweiligen Parteien deutlich; so betonte Jacqueline Krüger von der FDP mehrfach, dass man aber alle Bewohner mitnehmen und Parkplätze berücksichtigen müsse; Hermann Campe vom „Frischen Wind“ zeigte sich vielen Vorschlägen gegenüber aufgeschlossen, appellierte aber immer wieder daran, dass sich alle Verkehrsteilnehmer an Regeln halten müssen. Ole Schütza von der SPD und Dr. Hedemann verwiesen auch auf in der laufenden Legislatur erzielte Verbesserungen, und Thorsten Sander von der CDU wies mehrfach auf die Kosten möglicher Maßnahmen hin.
Anschließend hatten die Bürgerinnen und Bürger noch die Gelegenheit, Fragen zu stellen und einzelne Themen zu vertiefen – so wurde Frau Krüger gefragt, wie sie denn die Klimaziele erreichen wolle, wenn sie gegen Einschränkungen für den motorisierten Individualverkehr sei, was sie mit dem Ausbau der E-Mobilität beantwortete. Und aus dem Plenum wurden noch Beispiele aus
dem Ausland (Lüttich) zitiert, um zu zeigen, was an Verkehrswende möglich ist – wenn man sich traut.
Auch wenn die Statements und Antworten der Hamelner Kandidatinnen und Kandidaten so mutig dann manchmal nicht klangen, kann man insgesamt von einem gelungenen, auch einem Mut machenden Abend sprechen: so kann und soll Wahlkampf sein, wenn man miteinander über Sachthemen ins Gespräch kommt und sich dabei sogar zuhört und Kompromisse akzeptiert.
Daran werden wir die Parteivertreter nach der Wahl gerne erinnern – bleibt nur zu hoffen, dass sie gestern Abend wirklich die Meinung ihrer Parteien vertreten haben…
Rainer Schams
- Auf die Einladung der AfD wurde wegen deren antidemokratischen und rechtsextremistischen Tendenzen verzichtet.
Selber war ich auch vor Ort, werde aber aus Zeitgründen keinen eigenen Beitrag schreiben. Der Bericht von Rainer Schams gibt auch meinen Eindruck wieder.
Bilderfilm:
radio aktiv war nicht vor Ort. Für die DEWEZET berichtet Markus Richter in der Ausgabe vom 20.08.2026. Auch dieser Bericht gibt einen guten Einblick in den Verlauf der Veranstaltung. Lokaljournalismus, wie man ihn sich wünscht.
herral, 19.08.2026