Gastbeitrag: Landregen – mein Vorschlag für das Wort des Jahres 2026, ergänzt durch „täte dringend not“ und „langanhaltend“.

Hameln, 19.08.2026: Als Reaktion auf den Beitrag „Hitzeschäden – Parkplatzbäume Bertholdsweg“ übersandte Sibylle Voss folgenden Beitrag:

Am Wilhelmsplatz, Ecke Hugenottenstraße, steht in einem Garten eine alte Blutbuche. Vor Jahren noch ein Traum von einem Baum. Danach sah sie von Jahr zu Jahr bedenklicher aus, in diesem August möchte, wer sie sieht, sofort einen Tropf anlegen – was bei einem solchen Baum einen erklecklichen und wiederholten Zufluß bedeuten würde.

Was also tun? Klingeln und die Menschen im Haus bitten, dem Baum täglich wenigstens zwei große Gießkannen Wasser zu spendieren?

Das könnte man auch dem benachbarten Gesundheitsamt mit Blick auf die dort am Eck stehende Birke vorschlagen.

Die Eschen an der Hamel – das haben wir ja längst betroffen vernommen, sind eh dem Abgang geweiht – und sehen halt so aus. Was will man gegen Pilzbefall machen?! Und was gegen Schädlinge wie die Kastanienminiermotte, die die Bäume spätestens ab August zeichnet? Kommen die Kastanien nicht bislang (und das schon soo lange) in jedem Frühjahr verläßlich wieder und sehen bis nach der Blüte richtig schön aus?

Auf den Gedanken, daß allgemein menschliches Treiben die Widerstandsfähigkeit von Bäumen schwächen könnte, kann man kommen… Wie aber all die möglichen Schadenswirkungen ergründen und Konsequenzen für das private und allgemeine Handeln ziehen?

– Setzen wir uns mal in den Bus, aus Richtung Aerzen kommend, und schauen auf der Fahrt hoch zum Südhang des Klüt. Mein lieber Schwan! So viele so „bedenklich“ aussehende Bäume recken da ihre Äste. Die meisten vermutlich überaltert? Bei anderen mag die Wasserlage am Hang eine Rolle spielen?

Wasserlage – wir sind doch nachdrücklich aufgerufen, Wasser zu sparen. Wer einen der von der Stadt geschenkten Bäume gepflanzt hat, muß und will den natürlich anständig wässern bei der anhaltenden Trockenheit…

Eifrig schauen wir vom Bus nach städtischen Wassersäcken aus – sehen aber nicht wirklich viele. Wahrscheinlich, wenn wir eine andere Linie nähmen? Außerdem soll Regen kommen. Mulmiges Gefühl?

Längst haben wir die Farben des Dürreatlas vor Augen und haben viel erfahren über obere und tiefere Bodenschichten und die eher geringe Wirksamkeit einiger Regenfälle.

Landregen – mein Vorschlag für das Wort des Jahres 2026, ergänzt durch „täte dringend not“ und „langanhaltend“. –

Steigen wir am Bahnhof aus und freuen uns über die Bäume, die den Busbahnhof so viel freundlicher machen! Und das bei dem minimalen Versickerungsraum, der gegeben ist. Die schaffen das! Oder?!

Das gilt jedenfalls auch für die Bäume in der Bahnhofstraße? Diese massiven Metallmanschetten mit den schmalen Ritzen – Batteriehaltung für Bäume könnten Miesmacher meinen, doch die Straße wirkt so grün-lebendig durch die Bepflanzung. Durch den Abwehrschutz durch Metallgestänge gegen Menschen auf Parkplatzsuche können Autos richtig nah ran. Ja, da geht noch was!!

Schaut man mal nach oben (was man überhaupt viel öfter tun sollte), sieht man allerdings manch Luftigkeit im Laubdach. Allüberall, nicht nur auf der Flaniermeile Bahnhofstraße, knistern vertrocknete Blätter unter den Füßen. Unter Eichen liegen massenweise abgefallene kleine grüne Früchte – auf dem Deisterfriedhof, am Münsterkirchhof, am Kindergarten St. Augustinus.

Die Bäume bei Aldi und dm sehen in der Tat sehr mitgenommen aus! Hitze? Fehlendes Wasser? Vermutlich beides.

Es wurde ihnen immerhin deutlich mehr freier Raum in der Umgebung gelassen, als man es anderswo im Stadtbereich sieht. Und „wir“ sollen ja sparsam mit Wasser umgehen! Ein Dilemma, nicht nur für womöglich gutwillige Unternehmen, sondern auch für Politik und Privatleute.

„Wir werden in der Welt leben müssen, die wir uns geschaffen haben“, lautet ein Fazit auf einem Merkzettel, der einmal bei einem Umwelttag verteilt wurde.

So nüchtern, so wahr. In die Zukunft gewendet, hieße das: Was können wir jetzt tun, um eine Welt mitzugestalten, in der „Weiter so!“ endlich keine Option mehr ist, in der wir leben wollen und gut können? Erdenbürger sein, jede(r) für sich und möglichst viele für das Ganze?!

Sybille Voss


herral, 19.08.2026

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