Buchvorstellung: „Sagen und Geschichten aus dem Kreis Hameln und dessen nächster Umgebung“

Gesammelt und herausgegeben von F. Meissel, 2. vermehrte und verbesserte Auflage. Hameln 1912. Buchdruckerei von Louis Warneson & Sohn.

Im Buchantiquariat für 12 Euro erworben. Ein spannende Lektüre mit 80 Seiten. Erstausgabe vom 15. April 1906. Aktualisiert am 7. April 1912.

Titelseiten und Vorwort:

Zur Geschichte Nr. 8 habe ich herausgefunden:

8. Eine Gewalttat in Grohnde. Der Domherr Wilken von Münchhausen wurde auf Veranlassung seines Feindes Barner aus Hildesheim ausgewiesen und begab sich zu seinem Bruder Ludolf v. Münchhausen auf Grohnde. Barner aber erspähte bald seinen Aufenthalt. Mit mehreren Mordgenossen wußte er durch List ins Schloß zu kommen und drang in des Domherrn Schlafgemach.. Sie rissen ihn, währden er im tiefsten Schlafe lag, aus dem Bette und führten ihn mit sich fort. Wohin, und was mit ihm geschah, wußte niemand zu sagen; denn man hat keine Spur von ihm weder unter den Lebenden noch den Toten entdeckt. Das Gerücht läßt ihn von seinen Mördern in eine tiefe, grauenvolle Höhle in der Grafschaft Schaumburg „Mönitenhöhle“ gestürzt sein.

Eine Recherche ergab:

In Hildesheim gibt es ein Grabdenkmal für Klaus Barner , der am 12. September 1553 „in der Schlacht bey Geteld geschossen worden und durch Christum in Gott vorschieden“ ist.

Ein Kommentar erläutert: „Der Ritter Klaus Barner erklärte 1537 wegen des Verlusts, den sein Vater Hans Barner durch die Eroberung des Hauses Steinbrück erlitten hatte, dem Domkapitel die Fehde. 1540 ließ er den Domherrn Wilkinus von Münchhausen, auf dessen Kurie Barner Anspruch erhob, vor den Toren der Stadt überfallen und sagte auch der Bürgerschaft die Fehde an. Überfälle auf Bürger und die Geistlichkeit schlossen sich an. 1541 wurde Barner bei einem Raubzug in Gifhorn gefangengenommen, kam aber 1542 gegen Geldzahlung wieder frei. Im Jahr 1553 stand er gegen Herzog Heinrich den Jüngeren von Wolfenbüttel als Feldmarschall in den Diensten des Albrecht Alkibiades von Brandenburg-Kulmbach, der nach Verwüstungen im Raum Halberstadt einen verheerenden Zug gegen das dem Hildesheimer Rat unterstehende Gericht Peine führte. Barner, den Bertram als den „schlimmsten niedersächsischen Mordbrenner“ bezeichnet, fiel in der Schlacht bei Gittelde am 12. September 1553 im Rahmen der Auseinandersetzungen zwischen Albrecht Alkibiades und Herzog Heinrich. Er wurde in Steterburg beigesetzt.

Quelle: http://www.inschriften.net/hildesheim/inschrift/nr/di058-0376.html#content

Zum „Schloss Grohnde“ gibt es folgend Informationen: https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Grohnde


9. Der Trompeter. (von Grohnde)

Die Weser war zugefroren, und ihre Eishülle war so stark, daß sie den Verkehr zwischen den Dörfern beider Ufergelände längere Zeit hindurch ermöglichte. So war auch ein Trompeter des hannoverschen Garde = du = Korps = Regiments der gleich viele Mannschaften in jener Gegend sein Winterstandquartier hatte, von Grohnde aus über den Strom gewandert in ein Dorf des rechten Weserufers. Eingetretenes Tauwetter hatte inzwischen die Eismasse gelockert, die sich nur als das so gefürchtete Treibeis in Bewegung setzte. Als der Trompeter auf seinem Rückwege nach Grohnde das Ufer erreichte, schoben sich die geborstenen Schollen unter Krachen schon stromabwärts. Trotzdem beschritt der Soldat das Eis. Von einer Scholle zur anderen springend, gelangte er auch in die Mitte der Strömung. Da boten ihm die in starke Bewegung gekommenen Schollen ein gebieterisches und entsetzliches Halt. Auf einer kleinen Scholle stehend, durch offenes Wasser von den anderen getrennt, wurde er den Fluß hinab getrieben, dem Untergange in nahen nassen Grabe entgegen. Da setzte er sein liebes Horn, das er so oft geblasen, an den Mund und schmetterte auf seiner Todesfahrt die Melodie: „fahr wohl, o Welt“ in das stelle Tal hinein. Lange dauerte die Fahrt. Bis in die Nähe des Weserdorfes Hagenohsen trieb die Scholle, unbehelligt von ihren riesigen Genossen. Dort erst barst sie und stieß den einsamen, rettungslos dem frühen Tode geweihten Reitersmann in die Fluten, wo er nach kurzem Kampf mit den scharfkantigen Eismassen versank und ertrank.

https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nigs-Ulanen-Regiment_(1._Hannoversches)_Nr._13


Weitere interessante Kurzgeschichten:

Irgendwann einmal werde ich versuchen diese Geschichten in einer anderen Form zu erfassen.

herral, 30.07.2020

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.