Glosse: Ode an die Streusalz-Krise (Gastbeitrag)

Hameln, 11.02.2026: Hültho schreibt neu auf „Blatt & Borke„! Jetzt auch hier beim Boten ungekürzt und unverändert zu lesen:

Ich sammele schöne Worte, die eine gewisse phonetische und innere Wärme ausstrahlen und pinne sie an meine „Wärmeschmutz-Tapete“. Meine Lieblingsworte sind momentan „Mützenbommel“, „Streusalz-Krise“ und „Schnee-Chaos“. Die lokale Schmonzette proklamierte jüngst die „Streusalz-Krise in Hameln“. Nach und während der letzten großen Krisen auch noch das!

Ich erinnere mich nur wenige Jahre zurück, in der der private Gebrauch von Streusalz verpönt war. Eine Handvoll Spinner plädierte für „Jute statt Streusalz“, wurde aber langfristig nicht gehört. Damals hätte man ja auch Weser-Wasser, mit einem Gefrierpunkt unter minus 67 Grad, für die Pflege von Gehwegen, Straßen, Grünflächen, Tierpfoten und Kraftfahrzeugen verwenden können. Der Gefrierpunkt von Weser-Wasser hat sich, laut Kali+Salz, mittlerweile auf minus 42 Grad erhöht, was einem Einsatz zu Umweltschutz-Aufgaben im Straßenraum nicht im schlittrigen Weg stände. Von einer Streusalz-Krise hat K+S nie gesprochen. Lediglich Mediziner warnen: Streusalz erhöht den Blutdruck!

Mein eigenes Kraftfahrzeug trägt gerade eine weiße Mütze ohne Bommel, befindet sich im Winterschlaf und springt nicht an. Die Steuertechnik zeigt schwach glimmend eine Unterversorgung mit Elektronen durch die Batterie an. Technisches Kürzel im Display: „Schnee-Chaos“. Das Überschütten mit kochendem Glühwein hat nichts bewirkt. Mist, gerade wollte ich mich über die Fahrstraße nach Hastenbeck aufmachen. Dort soll es noch marginale Restbestände an Streusalz geben. Eine Tour mit dem Fahrrad kann ich nicht empfehlen.

Frohe Kunde versetzt die Gemeinschaft der Poser und Rollator-Fahrer in helle Aufregung: Die zentrale Leitstelle der Polizei Hameln-Pyrmont verkündet angesichts der Wetterlage, dass jedwede Geschwindigkeitsbegrenzung auf Straßen und Gehwegen ausgesetzt ist (böse Absicht?). Einzige Voraussetzung ist, dass Fahrzeuge vorne und hinten ein Räumschild aufweisen und die Fahrzeugführer eine Mütze mit leuchtend orangem Bommel tragen.

Ach, wie unbedarft war doch meine Kindheit im Bayrischen Voralpenland mit Blick auf die Kampenwand, die winterlang einen weißen Mantel und Mütze mit Bommel trug. 60 cm Neuschnee? Darauf haben wir damals gepullert. Heute will ich mich aber nicht mehr so weit aus dem zugefrorenen Fenster lehnen! Guten Rutsch!


hültho

https://www.blatt-und-borke.de/details/ode-an-die-streusalz-krise.html


Siehe auch:


herral, 11.01.2026

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