Hameln, 08.03.2026: Die Antworten der Stadt Hameln sind am 02.03.2026 eingetroffen und hier in blau eingefügt:
1. Zur Umgestaltung des Grünzuges am Ada-Lessing-Park (Verbindungsweg für FußgängerInnen/RadfahrerInnen zwischen Justus-Kiepe-Straße und Süntelstraße)
Hier wurden vor kurzem große Eiben auf dem Mittelstreifen zwischen den beiden Fuß-Radwegen gefällt. Die Unterlagen dazu (Beschlussvorlage 4/2026 und die als Anlage beigefügte Planskizze) werfen folgende Fragen auf:
1.1: Worin liegt der Vorteil, die derzeit getrennten Geh-Radwege zu einem gemeinsamen Weg zusammenzuführen?
- Verkehrssicherheit: Der kombinierte Rad- und Fußweg wurde bewusst nach außen in den Bereich der bisherigen Eibenbeete verlegt. Die Ecke im Bereich der Bahnbrücke stellt derzeit einen Gefahrenpunkt dar. Der neue Verlauf ist deutlich übersichtlicher und sicherer. Die Planung wurde insbesondere mit unserem Radverkehrsplaner abgestimmt. Ein Erhalt der Eiben im bisherigen Umfang hätte die notwendige sichere Wegeführung erheblich eingeschränkt.
- Soziale Sicherheit und Aufenthaltsqualität: Die groß gewachsenen Eiben verdunkeln den Grünzug stark. Gerade in den Abendstunden wurde der Bereich von vielen Bürgerinnen und Bürgern als „Angstraum“ wahrgenommen und gemieden. Ziel der Umgestaltung ist es, den Grünzug offener, einsehbarer und damit besser nutzbar und sicherer zu machen, insbesondere auch für ältere Menschen.
- Klimaanpassung und Flächenumgestaltung: Die Planung sieht eine Entsiegelung von insgesamt 850 Quadratmetern vor. Dies ergibt sich aus neuen Baumbeeten vor dem ehemaligen Piper´s Club sowie aus der Zusammenlegung bislang getrennter Asphaltflächen. Neben 20 Neupflanzungen entsteht dadurch zusätzlicher Raum für Versickerung, Verbesserung der Wasserhaltung – mit der Folge einer ökologischen Aufwertung. Die Klimabewertung berücksichtigt daher nicht nur den Baumverlust, sondern die Gesamtwirkung aus Entsiegelung, Biodiversität, Mobilität und Aufenthaltsqualität.
1.2: Welcher Funktionalitätsgewinn für den Rad-/Fußgängerverkehr entsteht nach der Umgestaltung?
Siehe Antwort zu 1.1
1.3: Warum wurden die Eiben auf dem Mittelstreifen gefällt und nicht als schützenswertes Bestandsgrün in die Planungen einbezogen?
Siehe Antwort zu 1.1
1.4: Welche Bäume werden im Zuge der Umgestaltung noch gefällt? Erfolgt, wie laut Planskizze zu vermuten, ein Kahlschlag sämtlicher Bäume am Bahndamm?
Jeder Eingriff in den gewachsenen Baumbestand bedeutet zunächst einen Verlust, das gilt insbesondere für die älteren Eiben. Diese Abwägung ist uns nicht leichtgefallen. Letztlich waren jedoch die Aspekte Verkehrssicherheit, Klimaanpassung und städtebauliche Gesamtentwicklung ausschlaggebend. Es werden Bäume gemäß der vorliegenden Planung gefällt, ein Kahlschlag ist es aber nach unserer Meinung nicht.
1.5: Warum sind die Baumfällungen noch vor dem Ratsbeschluss erfolgt?
Der Umweltausschuss wurde am 04.02.2026 in Form einer Beschlussvorlage über die Planung informiert. In dieser Vorlage sind sowohl die zu fällenden Bäume als auch die vorgesehenen Neupflanzungen ausdrücklich benannt. Darüber hinaus wurde das Projekt bereits im Rahmen der Fortschreibung des ISEK 2030 (Vorlage 130/2025) grundsätzlich beschlossen. Der Lageplan zur Umgestaltung des Friedrich-Maurer-Weges war der Vorlage 130/2025 beigefügt. Auf diesen Beschlusslagen baut die aktuelle Umsetzung auf.
Der Rat hat mit der Vorlage 130/2025 – ebenso wie nun der Umweltausschuss – dem Projekt einstimmig zugestimmt. Vor diesem Hintergrund – und auf Basis der bereits bestehenden planungsrechtlichen Beschlusslage – wurde davon ausgegangen, dass eine Umsetzung im Sinne der Stadt Hameln ist. Daher wurde entschieden, die Fällungen fristgerecht (d.h. außerhalb der Brut und Setzzeit) umzusetzen, um rechtliche sowie finanzielle Nachteile für die Stadt zu vermeiden. Bei dieser Entscheidung wurde auch berücksichtigt, dass es sich um das letzte Projekt des Städtebauförderprogramms „Wachstum und Erneuerung“ handelt, das nun umgesetzt wird.
Selbstkritisch müssen wir jedoch feststellen, dass seitens der Verwaltung im Zuge der Beratung im Umweltausschuss keine entsprechende Information erfolgt ist. Ebenso waren in der Vorlage selbst keine entsprechenden Hinweise enthalten. Im Rückblick ist festzuhalten, dass dies ein Fehler war. Uns ist bewusst, dass ein solches Thema sensibel ist und einer transparenten Kommunikation bedarf.
1.6: Die Radwegeführung im Bereich Friedrich-Maurer-Weg Kreuzung Mollerstraße / Justus-Kiepe-Straße ist ein konkreter Gefahrenpunkt. Dieser wird abseits des Grünzuges durch die Planungen nicht „entschärft“. Warum werden die Prioritäten auf eine subjektiv bewertete „nicht einladend wirkende“ Grüngestaltung gelegt und nicht auf die Verbesserung dieses konkreten Risikopunktes mit Verkehrsunfalllage?
Grundsätzlich ist es so, dass die Frage einer Gestaltung subjektiv ist. Dennoch glauben wir, mit dem Entwurf bestmöglich alle Interessen zu berücksichtigen.
Die Umgestaltung des Grünzugs ist in zwei Teilprojekte aufgeteilt. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass die Deutsche Bahn die Eisenbahnüberführung erneuert. Aus diesem Grund wird in diesem Jahr der Abschnitt von der Süntelstraße bis etwa zur Einmündung Kita Nord umgestaltet. Damit wird auch der Bereich Mollerstraße/Justus-Kiepe-Straße umgestaltet. Aus diesem Grund besteht derzeit noch keine zeitliche Priorisierung für den weiteren Umbau, da das Risiko nicht ausgeschlossen werden kann, dass dieser Bereich im Zuge der Arbeiten der Deutschen Bahn in Mitleidenschaft gezogen wird. Hierzu finden derzeit Abstimmungsgespräche mit der DB statt.
Eine verkehrliche Lösung, die alle Interessen vollständig zufriedenstellt, wird an dieser Stelle vermutlich nicht möglich sein, wird jedoch selbstverständlich weiterhin angestrebt. Da die Situation verkehrlich komplex ist, werden wir die Verkehrssituation in der kommenden Fahrradbegleitkommission vorstellen.

Ich möchte Sie bitten, sich die Situation vor Ort einmal genau anzusehen. Alternativ finden Sie Filmaufnahmen hier: https://hamelnerbote.de/archive/34940
2. Zur Umgestaltung des Europaplatzes – konkret Fällung eines großen, markanten Baumes auf der Wiese abseits der Uferböschung.
Entgegen der Aussage in der Pressemitteilung der Stadt Hameln vom 13.02.2026 („Die Bäume auf der jetzigen Wiesenfläche am Europaplatz bleiben erhalten.“) erfolgte die Fällung eines markanten/stadtbildprägenden Baumes. (Botenbericht mit Film und Fotos: https://hamelnerbote.de/archive/35025 ). Auch im Vorfeld der Maßnahmen wurden auf dem Europaplatz größere Bäume gefällt.
Bis ein neu gepflanzter Baum wieder dieselbe stadtbildprägende Wirkung entfaltet vergehen Jahrzehnte.
Frage: Warum wurden diese markanten Schattenspender nicht in die Neuplanungen als wertvolle zu erhaltende Bäume einbezogen?
Der Baum liegt in den zentralen Achsen der Planungen. Der Wegfall des Baumes war bereits Ergebnis des Wettbewerbs. Eine Umplanung war aus unserer Sicht nicht angezeigt, da das Planungsergebnis in der Gesamtkonzeption stimmig ist.

Kommentar folgt.
herral, 08.03.2026
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