Hameln, 15.03.2026: Der Seniorenrat Hameln verfasste die nachfolgende Stellungnahme zur geplanten Veränderung des Liniennetzes der Öffis.
In der letzten Woche sind vermehrt ältere und mobilitätseingeschränkte Bürger und Bürgerinnen an den Seniorenrat herangetreten, die sich Sorge machen um ein verändertes und damit verschlechtertes Angebot der Öffis nach der beabsichtigten Umstellung ihrer Linienführung in 2026. Insbesondere der Verlust einiger Linien beim Halte- und Umsteigebahnhof City führe zu erschwerten Bedingungen beim Erreichen der zentralen Innenstadt für bewegungseingeschränkte Menschen. Den Seniorenrat treibt auch die Sorge, dass nach einer sehr knappen Ankündigung der Öffis die Rückmeldung der Bürger nur digital und für einen zu kurzen Zeitraum möglich ist. Das geht an der Lebenswirklichkeit insbesondere hochaltriger MitbürgerInnen vorbei! Der Seniorenrat appelliert an den Aufsichtsrat und die Geschäftsleitung der Öffis, die in der Stellungnahme genannten Überlegungen in die Veränderungen mit einzubeziehen und ist gerne beratend an der Umsetzung beteiligt.
Hier die Stellungnahme im Wortlaut:
Stellungnahme des Seniorenrates der Stadt Hameln zur Netzüberplanung des Busverkehrs ab 2026
Der Seniorenrat der Stadt Hameln begrüßt grundsätzlich das Ziel, den öffentlichen Personennahverkehr zukunftsfähig, übersichtlich und verlässlich zu gestalten. Ein leistungsfähiger ÖPNV ist eine zentrale Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe, Selbstständigkeit und Lebensqualität – insbesondere für ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen.
Gleichzeitig sieht der Seniorenrat mit Sorge, dass die im Rahmen der Netzüberplanung 2026 verfolgten Ansätze – wie die Bündelung von Linien, die Konzentration auf Hauptachsen und die Reduzierung paralleler Verkehre – zu spürbaren Verschlechterungen für ältere Fahrgäste führen können, wenn ihre besonderen Bedürfnisse nicht ausreichend berücksichtigt werden.
Aus Seniorensicht ist entscheidend, dass ein Verkehrsangebot nicht nur formal vorhanden ist, sondern im Alltag einfach, verlässlich und barrierearm nutzbar bleibt. Zusätzliche Umstiege, längere Wege zwischen Haltestellen, ausgedünnte Takte außerhalb der Hauptverkehrszeiten oder die Verlagerung auf Ruf‑ und Sonderangebote stellen für viele ältere Menschen eine erhebliche Hürde dar.
Besonders kritisch bewertet der Seniorenrat den möglichen Wegfall direkter Busverbindungen zwischen Wohngebieten und zentralen Zielen wie Innenstadt, Bahnhof, medizinischer Versorgung und Einkaufsmöglichkeiten. Direkte Verbindungen sind für ältere Fahrgäste von großer Bedeutung, da sie Unsicherheiten reduzieren und die eigenständige Mobilität fördern.
Am Beispiel einzelner Ortsteile – etwa Klein Berkel und dem Klütviertel – wird deutlich, dass bislang gut funktionierende Direktverbindungen und regelmäßige Takte durch eine rein netzlogische Optimierung gefährdet sein können. Solche Veränderungen würden den Alltag vieler Seniorinnen und Senioren erschweren, auch wenn rechnerisch weiterhin ein Angebot besteht.
Der Seniorenrat weist zudem darauf hin, dass die öffentliche Beteiligung zur Netzüberplanung überwiegend digital erfolgt. Viele ältere Menschen nutzen den Bus regelmäßig, sind jedoch nur eingeschränkt in der Lage, sich online zu informieren oder Rückmeldungen schriftlich per E‑Mail zu formulieren. Aus Sicht des Seniorenrates besteht hier die Gefahr, dass wichtige Nutzergruppen faktisch nicht ausreichend gehört werden.
Der Seniorenrat der Stadt Hameln spricht sich daher dafür aus, bei der weiteren Ausgestaltung des neuen Busnetzes folgende Punkte verbindlich zu berücksichtigen:
– Erhalt möglichst direkter Verbindungen zwischen Wohngebieten und zentralen Zielen
– Minimierung von Umstiegen und langen Fußwegen
– Sicherstellung eines verlässlichen Angebots auch abends und am Wochenende
– Keine dauerhafte Ersetzung des Linienverkehrs durch Ruf‑ oder Sonderangebote
– Ergänzende, nicht ausschließlich digitale Beteiligungs‑ und Informationsformate
- Beibehaltung des Umsteigepunktes City für alle bisher den City Bahnhof anfahrende Linien- näher heran an die Innenstadt geht es nicht!
Der Seniorenrat ist bereit, den weiteren Planungsprozess konstruktiv zu begleiten und seine Perspektive einzubringen. Ziel muss ein ÖPNV sein, der nicht nur effizient organisiert ist, sondern für ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen tatsächlich nutzbar bleibt und ihre selbstständige Mobilität dauerhaft sichert.
Hameln. März 2026.
Seniorenrat der Stadt Hameln
herral, 15.03.2026