Hameln, 25.08.2026: Bernhard Gelderblom schreibt zum CDU-Änderungsantrag Vorlage 90/2026 auf Grundlage des DEWEZET-Artikels vom 31.07.2026 den nachfolgenden für den Boten freigegebenen Gastbeitrag (Veröffentlicht auch als Leserbrief in der DEWEZET).
Als weitere Information zum Thema beigefügt noch eine lesenswerte Stellungnahme des Stadtarchiv Hameln.
a) Beitrag Bernhard Gelderblom:
Die Entnazifizierungsverfahren der Alliierten teilten die Deutschen je nach ihrer Mitwirkung im NS in fünf Gruppen ein: Hauptschuldige, Belastete, Minderbelaste, Mitläufer und Entlastete.
Dazu passte ein System von Sühnemaßnahmen, das von Haft über Berufsverbot, Vermögenseinzug, und Verlust des Wahlrechts bis zum Verzicht auf Auflagen reichte. Jeder musste einen Fragebogen ausfüllen, der Auskünfte über NS-Mitgliedschaften verlangte. Zur Entlastung konnte er Leumundszeugnisse („Persilscheine“) beibringen. In der Folge stellten sich ganze Gruppen gegenseitig wohlwollende Zeugnisse aus.
Seit 1947 überließen die Alliierten die Verfahren den Deutschen, die größte Milde walten ließen („Mitläuferfabrik“). Agnes Miegel füllte den Fragebogen erst Ende 1948 aus. Er verzeichnete Mitgliedschaften in der NS-Frauenschaft und der NSDAP (ab 1940). Elf Leumundsschreiben lagen vor. Einige waren völkisch-nationalistischen bis antisemitischen Geistes, wie von Hans Grimm, Verfasser des Romans „Volk ohne Raum“.
Grundtenor: Agnes Miegel sei eine arme, fast 70 Jahre alte Frau, die in Ostpreußen alles verloren habe. Man bescheinigte ihr „seltene parapsychologische Anlagen“. Ein so genialer Mensch könne „nur in einem beschränkten Sinne für seine Äußerungen … verantwortlich gemacht werden.“ Sie habe Befehle aus einem dunklen, ihr unbekannten Bereich wie eine unverständliche Pflicht aufgefasst, nach deren Erfüllung sie sich tagelang mit seelischen Depressionen ins Bett habe legen müssen.
In Summe: Sie sei ein Genie, an das man keine normalen Maßstäbe anlegen dürfe. Am 30. März 1949 erging die Entscheidung: „Frau Dr. h.c. Miegel ist entlastet.“ Der Frau wurde trotz ihrer NSDAP-Mitgliedschaft und trotz ihrer Hymnen auf Hitler amtlich bescheinigt, dass sowohl „Motive wie Handlungen niemals NS-Geist verraten haben“. Eine historische Quelle über Miegels Verhalten in der NS-Zeit ist ihre Entnazifizierungsakte nicht, aber sie gibt Einblicke in die Nachkriegszeit, in der rechtsradikale und antisemitische Kräfte Auferstehung feierten und geduldet wurden. B. Gelderblom
Bezug: CDU Änderungsantag download unter: https://ris.hameln.de/ris/hameln/file/getfile/97325
B) Stellungnahme des Stadtarchiv Hameln zur Umbenennung des Miegelweges
Quelle: https://ris.hameln.de/ris/hameln/file/getfile/97326
Im Ratsinformationssystem Hameln sind alle Unterlagen zum Thema (auch die Anschreiben der Anwohnerinitiativen) einsehbar:

https://ris.hameln.de/ris/hameln/file/getfile/97326
Weitere Botenberichte zum Miegelweg unter:
https://hamelnerbote.de/archive/tag/miegelweg
herral, 25.08.2026