Gedanken zum Anwohnerparken und zum Aufregerjournalismus in Hameln #dewezetkorrektiv


Hameln, 03.09.2026: Der Kommunalwahlkampf ist in vollen Zügen. Jede Interessengruppe versucht ihre Themen zu setzen. Eingehen möchte ich auf die Berichterstattung der DEWEZET vom 17.08.2026 zum Thema Anwohnerparken.


„Monster-Parkgebühren abschaffen?“ – so lautete die Schlagzeile in der gedruckten Ausgabe. „Fast einsame Spitze +Monster-Parkgebühren für Anwohner: Hameln jetzt mit Karlsruhe alleine auf Platz 1“ so die Überschrift in der Onlineberichterstattung. Es handelt sich bei dem Begriff „Monster-Parkgebühren“ nicht um ein Zitat z.B. eines Beschwerdeführers. Es ist der redaktionell gewählte Aufmacher für einen Bericht scheinbar ohne Anstoß von außen. Das Thema ist der Zeitung wichtig.


https://www.dewezet.de/lokales/hameln-pyrmont/hameln/monster-parkgebuehren-hameln-jetzt-mit-karlsruhe-allein-auf-platz-eins-deutschlandweit-3W56EHD2ZFH5XILCYOGFMEE244.html


Hier ein paar Informationen, die nicht im DEWEZET Bericht zu finden sind:


Ein Parkplatz benötigt etwa 12 qm Fläche. 12 qm entspricht der Empfehlung für die Mindestgröße eines durchschnittlichen Kinderzimmers für zwei Kinder.


Zum Pflanzen eines Baumes im Stadtgebiet benötigt man im Idealfall eine Fläche von 5 qm.


Ein anderer Kostenvergleich:

Wer in Hamelns Innenstadt einen Stellplatz mieten möchte, bezahlt dafür nach aktueller Recherche beispielhaft:

– 89 Euro im Monat (200 m von der Stadtgalerie entfernt)

– 80 Euro für einen Tiefgaragenplatz

– 75 Euro für einen Parkplatz wohl Nähe Kopmanshof

– 50 Euro für einen Stellplatz am Breiten Weg



Angeboten wird aktuell auch der Kauf eines Tiefgaragenstellplatzes in „Zentraler Lage“ für 22.222 Euro Verhandlungsbasis. Für diese Summe könnte man rund 60 Jahre einen Anwohnerparkplatz bezahlen.



Die Preise von Hamelns Parkhäusern und bewirtschafteten Flächen
in der Innenstadt liegen zwischen einem und zwei Euro für zwei Stunden.
Zum Vergleich – Celle nimmt in seinen großen Parkhäusern 4 Euro für zwei Stunden.



Der Beitrag wird ergänzt durch einen Kommentar von Dorothee Balzereit: „Haarsträubende soziale Ungerechtigkeit“ ist als Überschrift zu lesen. Hier einige weitere Formulierungen:

– „ohne Rücksicht auf Verluste“

– „Wo sich Gelegenheit bietet, wird zugelangt“

– „Schamlosigkeit.. verschlägt einem auch nach Jahren der Einführung die Sprache“

– „Klimaschutzargument ist überholt“

– „haarsträubende soziale Ungerechtigkeit“


https://www.dewezet.de/lokales/hameln-pyrmont/haarstraeubende-soziale-ungerechtigkeit-LYWES23MPNERPFKSCEMYHVQSXM.html


Zur Erinnerung, es geht um Anwohnerparkgebühren in Höhe von 360 Euro im Jahr. 30 Euro im Monat. Rund einen Euro am Tag.

Dafür bekommt der Anwohner von Wohngebieten mit besonders knappem Parkraum die Möglichkeit, wohnungsnah rund 12 qm öffentlichen Raum zum Abstellen seines Autos zu nutzen. Theoretisch 365 Tage im Jahr, 24 Stunden lang.


Der Bericht zum Anwohnerparken ist ein besonders deutliches Beispiel für übertrieben emotionalisierte Berichterstattung. Was will die Zeitung mit diesem „Aufregerjournalismus“ erreichen? Wer profitiert?

Ralf Hermes


Nachtrag – bewusst abgekoppelt vom oberen Text.


Warum ich mir Sorgen mache:

Lange Jahre war die Bildzeitung für ihren Schlagzeilenjournalismus bekannt. Sie wird mittlerweile in der Intensität abgelöst durch den Aufstieg von sog. „Alternativmedien“. Beispielhaft genannt sind Nius, Compact oder Tichys Einblick. Die politische Methode hier ist: Mit Schlagzeilen so viel Empörung wie möglich auslösen, Krawall ist Mittel zur Agitation.

Es gilt also aufzupassen, in welche Richtung sich unserer Journalismus entwickelt.


Lesenswerter Beitrag „Wie Empörungsmedien Propaganda verbreiten“ von CAMPACT:

https://www.campact.de/empoerungsmedien/?utm_medium=email&utm_source=campact_mailing&utm_campaign=20260828-sm-hv-emporungsmedien-m-b-o-k-g1&utm_content=variation-a&utm_term=klicke-hier-und-informiere-dich-uber-emporungsmedien


herral, 03.09.2026

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