Verlaufsbericht: Feier 50 Jahre Amnesty International in Hameln

Hameln, 05.09.2026 – herral: rund 30 Menschen waren erschienen, um gemeinsam mit den Aktiven der Hamelner Gruppe den Einsatz von Amnesty für die Menschenrechte seit dem Jahr 1976 zu feiern. Sie erlebten eine eindrucksvolle Rede der aus Berlin angereisten Geschäftsführerin Dr. Julia Duchrow und viele Solidaritätsbekundungen örtlicher Initiativen und Vereine.

Einblicke in die Veranstaltung hier:

Bilderfilm:


Lidia Ludwig begrüße im Namen der derzeit acht aktiven Menschen der Gruppe die Gäste und bedankte sich bei Johann Kugler, der sich mit 93 Jahren immer noch aktiv am PC für die Menschenrechte einsetzt.

Anlässlich der heutigen Feierstunde freue sie sich sehr, dass aus Berlin die Generalsekretärin Dr. Julia Duchrow gekommen sei, um persönlich mit ihnen zu sprechen.

Frau Dr. Duchrow erinnerte zunächst an die Ereignisse des Jahres 1976, der Ausbürgerung von Wolf Biermann aus der DDR und den Beginn der dritten Welle der Demokratiebewegung weltweit. Eine beispiellose Phase in der Geschichte, in der sich in Spanien und Portugal demokratische Strukturen durchsetzten und der Demokratisierungsprozess in Osteuropa begann. Die Hamelner Gruppe begann mit ihrer Arbeit und schrieb Briefe zum Schutz von politischen Gefangenen in Kolumbien, Argentinien, der Sowjetunion und auf den Philippinen.

Heute sei die Demokratie weltweit bedroht wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Errungenschaften der Jahre nach 1976 sind fast ausgelöscht. Im Atlas der Zivilgesellschaft 2026 von Brot für die Welt ist zu lesen, dass nur noch 3,4 Prozent der Menschen weltweit in Staaten leben, in denen Meinungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit vollständig garantiert sind. 73 Prozent hingegen leben in autoritären Staaten oder Diktaturen.

Der Spielraum für die Meinungsfreiheit auch in Deutschland schrumpft. Es gibt eine Strategie autoritärer Kräfte, nicht nur der AfD, die mit ihren Angriffen auf die Zivilgesellschaft das Ziel hat, Freiheitsrechte einzuschränken. Autoritäre Akteure würden Hetzportale wie NIUS nutzen um z.B. die Omas gegen Rechts zu diskreditieren. Gezielt wird mit Angriffen auf die Gemeinnützigkeit zivilgesellschaftlicher Organisationen Angst geschürt.

Frau Dr. Duchrow schilderte hier Beispiele, um dann aber auch aufzuzeigen, was dagegen getan werden kann. Drei Punkte sind erforderlich:

1: Die Diskussionshoheit muss zurückgewonnen werden. Gemeinwohlarbeit zu diskreditieren ist inakzeptabel.

2. Die finanzielle Ausstattung von Gemeinwohlarbeit muss langfristig gesichert werden. Hier ist das Gemeinnützigkeitsrecht zu reformieren.

3. Alle gesellschaftlichen Organisationen müssen zusammenstehen. Es muss wichtiger sein, Brücken zu bauen mit dem, was verbindet und es sollte nicht der Fokus auf das Trennende gelegt werden.

Ermutigend seien die Bündnisse für Demokratie, die derzeit entstehen. Die Verteidigung einer lebendigen Zivilgesellschaft gehe alle etwas an.

Den Aktiven der Gruppe Hameln übergab Frau Dr. Duchrow eine Reihe Sockenpaare „Step up for Human Rights“ – auch als praktische Prävention gegen kalte Füße.


In seinem Grußwort für die Stadt Hameln bedankte sich Oberbürgermeister Claudio Griese für das langjährige Engagement, aber auch die direkte konstruktive Zusammenarbeit. So engagiere sich die Stadt mit dem Kinderrechteplatz im Bürgergarten (2022). Seit 2008 beteilige sie sich im Bündnis „Städte gegen die Todesstrafe“ und persönlich würde er sich auch einsetzten in Hameln die Realisierung eines Menschenrechtspfades analog wie in Bad Pyrmont zu prüfen. Die Gesellschaft würde sich verändern. Die aktuellen Veränderungen des Umgangs untereinander (am Beispiel der politischen Debatten in Sachsen-Anhalt) seien ein Weckruf. In Hameln würde man es gleichfalls spüren. Noch sind es die kleinen Themen, die oftmals übertrieben und unverhältnismäßig scharf in der Art der Kritik formuliert würden. Auch für die Mitarbeitenden im Rathaus wünsche er sich einen vernünftigen, wertschätzenden Umgang miteinander.

Es sei wichtig, auch für seine Haltung einzutreten.


Unter Moderation von Karsten Holexa folgten dann Statements zur Frage „Zivilgesellschaft unter Druck“ von

a) Jan Waitzmann, Lern- und Erinnerungsort Bückeberg

b) Rico Stips, Queeres Netzwerk Weserbergland

c) zwei Vertreterinnen des Frauenhauses Hameln

d) Werner Sattler, AWO Hameln

Die Statements wurden ergänzt durch Fragen/Beiträge aus dem Publikum.

Jeder Beitrag hatte eine andere Facette und war nachdenkens- und hörenswert.


Ein besonderer Dank ging an die Band der Elisabeth-Belling-Schule für die musikalischen Beiträge:


Hier einige Originaltöne zur Veranstaltung:

Lidia Ludwig, Amnesty Hameln:

Britta Kellermann, MdL, Bündnis90/Grüne

Jan Waitzmann, Dokumentations- und Lernort Bückeberg

Werner Sattler, AWO Hameln


Zur Internetseite der Amnesty-Gruppe Hameln:


herral, 05.09.2026

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