Hameln,18.09.2026: Paul Löbe war in der Weimarer Republik der Reichstagspräsident in Berlin. Im Januar 1931 besuchte er Hameln. Wie die DEWEZET und die Niedersächsische Volksstimme über den Besuch berichten, können Sie hier lesen:

Bildquelle: Wikipadia / Bundesarchiv
Zunächst der Beitrag der DEWEZT vom 28.01.1931:

Deister – und Weser Zeitung, Hameln, Mittwoch, 28. Januar 1931 Reichstagspräsident Löwe in Hameln. Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold veranstaltete gestern Abend eine Kundgebung, zu der der Reichstagspräsident Löwe als Redner gekommen war. Abends gegen 7 Uhr nahm ein großes Aufgebot des Reichsbanners mit Musik und Fahnen, den Redner in Empfang und zog mit ihm in feierlichem Zuge zum Gewerkschaftshaus. Die bekannte Persönlichkeit des Redners hatte naturgemäß eine mächtige Menschenmenge angelockt, so dass der Monopolsaal lange vor Beginn überfüllt war. Auf Lastwagen waren außerdem Reichsbannermannschaften in großer Zahl aus der Umgebung unserer Stadt herangezogen worden. Die Rede Löwes, der in seinen Ausführungen den geschulten Reichstagsredner verriet und durch keinen Zwischenruf, nur hier und da durch Beifallsrufe unterbrochen wurde, bewegte sich im Rahmen des bekannten Kampfprogrammes des Reichsbanners gegen das Anwachsen der nationalsozialistischen Bewegung. Der Redner schloss mit der Aufforderung, die Republik zum sozialen Volksstaat auszubauen und einem Hoch auf die Deutsche Republik. Anschließend marschierten die Mannschaften des Reichsbanners mit Musik zum Gewerkschaftshaus, wo Löwe noch einmal in einer geschlossenen Versammlung vor Mitgliedern des Reichsbanners sprach.
Niedersächsische Volksstimme vom 28.02.1931:

Reichstagspräsident Paul Löbe in Hameln.
Eine gewaltige Kundgebung für Demokratie gegen Diktatur
Das Reichsbanner marschiert.
Eine Stunde vor dem angesetzten Versammlungsbeginn ist der große Saal bereits überfüllt. Sind doch 1000 Eintrittskarten schon im Vorverkauf gelöst worden. Es sind weitgehende Vorkehrungen getroffen, auch bei Überfüllung des Saales weitern Massen die Rede Löwes zugänglich zu machen. Vorflure Nebenräume, alles füllt sich. Im Ganzen wurden 1700 Eintrittskarten verkauft. Da - es kam beim besten willen trotz guter Organisation auf dem Gebiete der Raumkunst keiner mehr untergebracht werden, wird polizeilich abgesperrt. Viele Hunderte können keinen Einlass mehr finden.
Inzwischen nehmen die Reichsbannerkameraden – viele Hunderte – am Bahnhof Aufstellung. Das ist ein gewaltiges Bataillon. Die ganze Kreuzstraße wird ausgefüllt. Stürmisch wird Paul Löwe begrüßt – man nimmt ihn an die Spitze und nun geht es im wohlgeordnetem Zuge unter klingendem Spiele durch die Stadt. An den Straßenrändern stauen sich die Massen. Überall freudige Begrüßung. Die Hamelner Spießer, vom Arbeiter lebende Geschäftsleute, die mit ihren Geldmitteln, dass hier ihr Unwesen treibende Nazi-Verbrechergesindel aushalten (wir werden die Namen dieser Geschäftsleute demnächst veröffentlichen), verkriechen sich hinter die Gardinen. Der mustergültige Aufmarsch unserer Reichsbannerkameraden muss auch von den verbissensten Gegnern anerkannt werden.
Paul Löwe wird bei seinem Saaleintritt stürmisch begrüßt.Der Vorsitzende der Hameler Reichsbanner Ortsgruppe, Kamerad Hage, richtet nur wenige Begrüßungsworte an die Massen. Und nun spricht Paul Löwe, der Träger des verantwortungsschweren Amtes des Reichstagspräsidenten. Dieser nimmermüde Genosse hat in den letzten Monaten und Wochen ungeheure Strapazen hinter sich. In Wien und in Dresden, im Osten und im Westen, in Nord und Süd, überall hat er in überfüllten Versammlungen und Kundgebungen mit gewaltigem Erfolg gewirkt. Die Hochspannung der politischen Lage erfordert es, dass unser Besten an die Front gehen und bis zur Erschöpfung
ausharren. Man merkt ihm wohl körperliche Anspannung an, aber nur für den Anfang. Da steht er nun, der Mann, der sich in seiner langjährigen Amtstätigkeit die Achtung des ganzen anständigen Deutschlands erworben hat. Dieser Mann, ist aus dem Arbeiterstande hervorgegangen, hat mannhaft gewirkt für die große Menschheitsidee, ist „durch die Gefängnisse und Pfützen geschleift“, dieser einfache, bescheidene Mann.
Bald ist die Anspannung überwunden. Sein prächtiger Vortrag über Demokratie oder Diktatur ist ein Kunstwerk im Aufbau und in rhetorischer Wirkung. Ernste Schilderung der Vorgänge, aus dem Vollen und dem Erlebten geschöpft, Nutzanwendungen, ein ganz famoser Sarkasmus in der Kritik. Löwe ist mit seiner ganzen Seele bei dem, was er sagt, die Herzen seiner Zuhörer schlagen ihm entgegen, die Hirne nehmen das von ihm gesagte auf und behalten und verarbeiten es.
Wir haben davon abgesehen, den Wortlaut im Stenogramm festhalten zu lassen, wir sehen davon ab, Einzelstellen im Auszug wiederzugeben, weil Satz für Satz, Bild für Bild so ausgezeichnet im Vortrag wirken, dass das Nachlesen seines Berichtes wirklich nur ein ganz schwacher, vielleicht entstellter Abglanz des Erlebten und Eehörten sein kann. Auch den Alten unter uns, wie ihr Leben der Sache dienten und selbst “durch Pfützen und Gefängnisse geschleift wurden“, war der gestrige Abend in ewiger wird der gestrige Abend in ewiger Erinnerung bleiben. Dass ein Glück hatte, diesen verdienten Volksmann zu hören, wird der gestrige Abend in ewiger Erinnerung bleiben. Daß ein jubelnder Beifall, den Vortrag lohnte, braucht nicht gesagt zu werden. Dank gebührt dem Vorsitzenden Hage für seinen vorbildlichen Schluss. Nach solch einem Vortrage ist jedes Wort des Versammlungsleiters überflüssig, darum nur ein Hoch auf die Republik und dann ist es aus. Das Reichsbanner tritt wieder vor dem Versammlungslokal an und nun geht es mit klingendem Spiel und wehenden Fahnen in guter Marschordnung durch die Stadt nach dem Gewerkschaftshause. In den Sälen stehen die Reichsbannerkameraden dicht gedrängt. Hof und Flur, die Baustraße, vor dem Lokal, alles voll Menschen. Hier spricht Löwe noch einmal zu den Reichsbannerkameraden. Kreisleiter Warbold richtet noch kräftige Worte an die aus dem Kreise erschienenen Reichsbannerkameraden.
Das Reichssbanner hat einen großen Erfolg gehabt und der Republik einen guten Dienst erwiesen. Jetzt heißt es für alle kamampffähigen Republikaner: hinein in das Reichsbanner! Nicht morgen und übermorgen, sondern heute!
Eher soll der letzte Mann verderben, als die Freiheit wieder sterben.
Das Gewerkschaftshaus in Hameln befand sich in der Zeit der Weimarer Republik in der Baustraße. 1933 übernahmen die Nationalsozialisten das Haus. (Foto: Postkartenausschnitt)

Die dortige Gaststätte „Im goldenen Stern“ bestand auch nach 1945 fort. (Bildquelle Facebook/unbekannt)

Heute befindet sich dort das Steakhouse. (Foto Ralf Hermes im September 2026)

Das Hotel und Versammlungshaus „Monopol“ im Jahr 1930
Bildquelle Facebook (G. Fricke):

Und im Jahr 1937 (Bildquelle Facebook – Tippenhauer):

Postkarte Monopol undatiert:

herral, 18.09.2026
Rückblick 2022: Als die Bundestagspräsidentin Bärbel Bas Hameln besuchte, berichtete die DEWEZT gar nicht.
Ein Kommentar zu „Lokalgeschichte: Paul Löbe in Hameln – Zeitungsberichte vom 28.01.1931 (Quellendokumente)“