Infosammlung Winterschule, später „Puschenschule“. Deisterstraße 82

Auf das Gebäude Deisterstraße 82 bin ich über zwei alte Bilder in der Facebookgruppe „Unser Hameln“ gestoßen. Hier eine Infosammlung zur Winterschule, Hauptschule V (Puschenschule) bis zur Übernahme durch Radio Suhr. Für weitere Hinweise zur Geschichte des Hauses wäre ich dankbar.

Foto aus der Facebookgruppe „Unser Hameln“ Datiert: 1905.
Deisterstraße 82 am 29.11.2020, Foto Ralf Hermes

Im Archiv der DEWEZET findet man folgende Infomationen:

13.07.1891: Der Director der Ackerbauschule Holzminen, Herr K. Knust, beabsichtigt in Hameln eine Ackerbauschule ins Leben zu rufen. Diese Schule solle nicht allein eine Winterbauschule sein, sondern auch durch Einrichtung eines Sommercursus den Bedürfnissen nach praktischer Ausbildung im Sommer genügen.

15.09.1891: Anzeige über Aufnahme und Beginn der Ackerbauschule zum 27.10.1891 mit Direktor K. Knust.

03.10.1894: Die hiesige Kreisackerbauschule beginnt mit dem 18. Oktober ihr viertes Schuljahr. Seit Bestehen wurde dieselbe von 111 Schülern besucht… Die 1891 mit 31 Schülern eröffnete Lehranstalt ist …. Der Unterricht wird in nächsten Wintersemester von 6 Lehrern erteilt.

08.10.1897: Schulbetrieb seit 6 Jahren. Obst- und Gartenbauausstellung mit Nachbildungen von Obstsorten.

30.06.1899: Todesanzeige des Directors der Ackerbauschule Carl Knust. Verstorben im Alter von 53 Jahren.

20.07.1899: Kauf der Ackerbauschule durch den Director der Landwirtschaftlichen Winterschule zu Hofgeismar, Dr. Pagenstecher.

25.01.1900: Anzeige. Festaktus der Landwirtschaftlichen Winterschule zum Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers… Pagenstecher, Direktor.

02.11.1900: Anzeige: Das Schulgeld beträgt 45 Mark

05.07.1902: Gestorbene: Schuldirektor August Pagenstecher, 49 J. 3 M. 12 T.

19.07.1902: Anzeige: Mobiliar Auktion im Auftrage der Frau Direktor Pagenstecher werden sehr gut erhaltene Möbel, Haus- und Küchengeräte, darunter Tische, Stühle, Kleiderschränke, Schreibtische, … öffentlich meistbietend verkauft. Deisterstraße Nr. 47

02.08.1902: Der Magistrat beschließt die Umänderung der Landwirtschaftlichen Winterschule in eine Kreis-Ackerbauschule. Das Schulgeld für 60 Schüler wird auf 40 Mark festgelegt.

09.09.1902: Der Landrat Graf Pilati gibt bekannt, dass am 20. Oktober des Jahres der Unterricht eröffnet wird.

01.09.1903: Die Kreiswinterschule hat mit über 50 Schülern begonnen.

29.08.1916: Anzeige: Das Kuratorium der Kreiswinterschule informiert über die beabsichtigte Öffnung.

25.03.1919: Schulbericht

4. 11.1919: Anzeige. Dr. phil. Soltsien teilt mit, dass die Landwirtschaftliche Kreis-Winterschule Hameln nach Schließung der Anstalt für fünf Jahre infolge des Krieges der Unterricht wieder beginnt. Aus diesem Anlass wird zu einer Eröffnungsfeier eingeladen.

Sammlung der Presseberichte:


Foto etwa 1955 – Schule mit Erweiterungsanbau.

Quelle: Facebookgruppe „Unser Hameln“

https://www.facebook.com/photo?fbid=3544304395685432&set=gm.2864237977145363

Kommentar / Hintergrundinformationen bei Facebook von Gerhard Fricke:

Die »Landwirtschaftliche Kreis-Winterschule« wurde in 1902 gegründet und existierte bis 1920 – 5 Jahre war keine Schule wegen des 1. Weltkrieges. Es gab dort 2 Klassen und unterrichtet wurde im Prinzip in einer „sehr frühen Form des Blockunterrichts”, weil nur im Winter die angehenden Landwirte „Zeit für Unterricht” hatten. Ab 1920 wurde das Gebäude dann als ganz „normale” Schule weitergeführt, behielt aber umgangssprachlich den Namen »Winterschule« nicht nur im Volksmund bei. In der Nachkriegszeit wurde das Gebäude an der »Deisterstraße 82« als »Volksschule V« unter Leitung von Hauptlehrerin Holländer geführt. Später kam – in Folge steigender Schülerzahlen – eine Nutzung der Schule auch durch die »Hermannschule« hinzu; vor Fertigstellung der neuen »Hammelsteinschule« (spätere »Basbergschule«) im August 1963, waren die Kinder aus dem entsprechenden Einzugsgebiet ebenfalls hierhin vorübergehend „ausgelagert” worden. In den späteren 60ern wurde sie umgebaut, ein „Neubau” links vom Schulgebäude, auf dem früheren Schulhof, diente »Radio Suhr« für seine „weiße Ware” und im ehemaligen Schulgebäude befand sich die Werkstatt. Die Schule wird auf Fotos häufig mit der ehemaligen »Handelsschule« (später „Sonderschule” und dann „Teil des Schillergymnasiums”) auf der »Gröninger Straße« verwechselt und sah dieser tatsächlich ein ganz klein wenig ähnlich, was aber auch dem damals gängigen Baustil entsprach. Die Gebäude stehen dort heute noch.

Bilder vom 29.11.2020:

Weitere Informationen:

09..11.1957: DEWEZET: Der neue Leiter der „Winterschule“, Volksschule V in der Deisterstraße 82 ist der Volksschulleher Wilhelm Lehmann. Er wurde berufen, nachdem die Leiterin, Hauptlehrerin Hollländer in den Ruhestand getreten war.

Etwa 1962:

Bildquelle: Facebookgruppe „Unser Hameln“

24.04.1963: DEWEZET: Die Stadt Hameln schreibt als Pressemitteilung: „Es stimmt, daß die bisherige Volksschule V an der Deisterstraße ihrem Umfang nach unzureichend geworden ist. … Es ist ein Umzug von vier Klassen der Hermannschule in die Deisterstraße geplant, um die Hermannschule zu entlasten.

16.08.1963: DEWEZET: Die Schulkinder der Volksschule V wechseln in das neue Gebäude am Hammelstein.

13.03.1969: DEWEZET – Anzeige: Neues Leben in Hamelns „Winterschule“: Bericht über die Vergrößerung der Firma Radio Suhr . Diese hatte das nicht mehr genutzte Grundstück der ehemaligen Winterschule erworben. Auf dem ehemaligen Schulhof entstand nach Plänen von Architekt Wilhelm Quante ein Wohn- und Geschäftshaus mit 14 Wohnungen sowie Lager- und Verkaufsräume für ein Elektro-Spezialgeschäft. Das alte Schulgebäude wurde für die Unterbringung des Werkstattbetriebes umgebaut.

Zusammenstellung: 29.11.2020


Leserrückmeldung:

Wie der Unterricht dort wohl ausgesehen hat im Jahre 1905? – Hamelner Bote

3 Gedanken zu „Infosammlung Winterschule, später „Puschenschule“. Deisterstraße 82“

  1. Es ist schwer erträglich, wenn man zwar über viele Zeilen über dieses geschundene Haus informiert wird, jedoch nicht die Spur einer Wertung erfährt. Das Haus ist mittlerweile eine Fratze. Ursprünglich ein Schnuckelchen von feiner Gestalt: vorstehender Sockel, Geschoss-decken-Betonung (konstruktiv und auch optisch bedingt), Eckrahmung des Ziegel-Mauerwerks, Fenster mit wohlfeilen Proportionen, usw.. Damals wurde noch jeder Ziegelstein einzeln im Bauplan gezeichnet, von Hand mit Tusche. Nun ist es eine WDV-System-Leiche.
    Offenbar war das Gemäuer recht kalt, oder warum sind zwei Schulleiter schon in jungen Jahren verstorben? Es hatte jedoch ungedämmt deutlich mehr Wärme und Freundlichkeit als heute. Musste man halt einen Schornsteinkopf mehr aufstellen, war ja auch eine Winter-
    schule.

  2. Auf jeden Fall hat der Hauserwerb persönlich den beiden ersten Besitzern kein Glück gebracht. Beide starben früh. Müssen beide engagierte Männer in einer anderen Zeit gewesen sein. Wie der Unterricht dort wohl ausgesehen hat im Jahre 1905 ff.

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