Zwei Bäume für Uschi (und Otto).

Hameln, 06.04.2021: Einfach tun! Eine doppelte Hoffnungstat und leider auch etwas zum Fremdschämen.

Und wenn Hameln morgen untergeht, wir pflanzen heute noch zwei Quittenbäume!

Eine Erinnerungsgeschichte:

Ursula Wehrmann war von 1992 bis 2016 und von 2018 bis zu ihrem Tod eine engagierte Hamelner Ratsfrau, Fraktionsvorsitzende, Bürgermeisterin. Wir haben für sie und ihren Ehemann Otto zur Erinnerung und zum Dank am 3.4.2021 auf der BUND Wildniswiese zwei Quittenbäume gepflanzt.

Die Geschichte einer Baumpflanzaktion:

Der Anlass war traurig:

Am 18.06.2020 starb Hamelns langjährige Ratsfrau im Alter von 76 Jahren.

Ein Abschied im größeren Kreis war aufgrund der Corona-Pandemie nicht möglich. Mit folgender Informationssammlung hatte ich hier beim Boten an die Vorkämpferin für den Umweltschutz in Hameln erinnert.

Gleichzeitig kam eine „Baumidee“. Lasst uns für Uschi zur Erinnerung alternativ zu den Traueranzeigen einen Baum pflanzen. Finanziert durch Spenden, gepflanzt auf öffentlichem/städtischem Grund an vielleicht bezeichnender Stelle.

Der Spendenaufruf war schnell getippt: „Wer macht mit?“

Sehr geehrte FreundInnen und Weggefährten von Uschi Wehrmann,
ich habe am Wochenende in den alten Bildern und Archiven gesucht und bin auf viele Erinnerungen und Aktionen von und mit Ursula Wehrmann gestoßen. Uschi hat für unsere Stadt und für den Natur-/Umwelt- und Klimaschutz auch über Parteigrenzen hinaus viel getan. Es ist schade, dass wir nicht gemeinsam Abschied nehmen konnten. Damit auch nach außen sichtbar etwas bleibt, bitte ich um Unterstützung für die Idee.“

Auf Facebook geteilt, meldete sich sofort Klaus-Peter Wennemann mit der Bereitschaft für eine Geldspende.

Die Fraktionen im Rat der Stadt und den Oberbürgermeister Claudio Griese schrieb ich am 6.7.2020 per Mail an.

Vorher hatte ich mit Otto Wehrmann telefoniert, der sich sehr gefreut hatte, die Idee mit dem Baum toll fand, aber ein Bedingung hatte: „Es darf keinen Ärger/Streit“ geben.

Die örtliche BUND-Kreisgruppe, hier war Uschi Wehrmann langjähriges Mitglied, signalisierte Unterstützung. Gerhard Paschwitz als langjähriger Weggefährte im Rat war im Boot. Dann war erst einmal Funkstille.

Am 22.07.2020 erhielt ich dann eine Antwortmail aus dem Büro des Oberbürgermeisters. Herr Griese bedankte sich für die sehr gute Idee, ließ dann aber mitteilen, dass die Anfrage in einem Ratsgespräch thematisiert worden war. Die Fraktionsspitzen im Rat hätten von dem Ansinnen Abstand genommen. Es bestand die Sorge, dass bei einer Baumpflanzung auf öffentlichem Grund auch andere ehemalige Ratspolitiker mit einer Baumpflanzung geehrt werden könnten und insoweit eines Tages auch eine Ausweitung der Ehrungen schwer zu beherrschen sei.

Weitere Rückmeldungen von den Fraktionen erhielt ich nicht.

Ich habe Otto Wehrmann diese Information nicht weitergegeben. Gedenk seines Wunsches habe ich auch sonst nicht darüber gesprochen. „Vertröstet“ habe ich ihn mit dem Ziel, auf der BUND Wildniswiese für Uschi gemeinsam einen Baum zu pflanzen.

Es kam anders. Otto Wehrmann folgte seiner Uschi im Dezember 2020.

So kam dann die Idee, statt eines Baumes gleich zwei zu pflanzen. Zwei Obstbäume als Erinnerung, aber auch als Zeichen der Hoffnung für Hameln.

Wir haben die Bäume dichter beieinander gepflanzt als sonst üblich. Als Symbol für die Verbindung, die beide persönlich, aber auch im Naturschutzgedanken hatten.

Gefragt, gesammelt oder darüber geredet haben wir jetzt nicht mehr. Der BUND stellte die Pflanzfläche auf der Wildniswiese an der Hasenbreite zur Verfügung.

Thomas Hülsen unterstützte fachlich bei der Auswahl und dem Kauf der beiden Quittenbäume.

Am Samstag vor Ostern haben wir beide dann unter Corona-Bedingungen die Stämme eingepflanzt, gewässert und uns bei schönem Wetter an dem Summen der Hummeln in den ersten Blütenzweigen erfreut.

Ein schöner Platz, der vom Weg aus zu sehen ist und den Zugang zum hinteren Teil der Wildnis kennzeichnet.

Wir denken, beide werden von oben runterschauen und sich mit uns freuen.

Thomas Hülsen und Ralf Hermes

Ostern 2021

2 Gedanken zu „Zwei Bäume für Uschi (und Otto).“

  1. Obstbaumtechnisch gesehen ist ein eine so enge Pflanzung natürlich destruktiv. Als Symbol birgt es aber einige Möglichkeiten, vergleichbar mit einer Ehe:
    Man/Frau teilen sich über Jahre, womöglich über Jahrzehnte, einen gemeinsamen Wurzelraum.
    Vielleicht streitet man sich um jede Krume Erde und teilt bestenfalls doch. Manchmal braucht man auch einen stabilen Pflanzstab, der mit Kokosstrick verschnürt die Stämme beieinander hält. In der zusammengewachsen Krone kann man sich unweigerlich in die Haare (Äste) kommen und doch ineinderwachsen. Entscheidend sind die Früchte die am Astwerk hängen.
    Ich hoffe Uschi und Otto sind mit Quitte einverstanden.

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