Norddeutsche Zeitung – Ausgabe Hameln im Jahr 1949

Hameln, 06.08.2022: Zufallsfund in einen Antiquariat. Ich konnte dort 115 Ausgaben der „Norddeutschen Zeitung – Ausgabe Hameln“ aus dem Jahr 1949 erwerben.

Über diese Zeitung ist im Internet in der ersten Recherche wenig zu finden. Die Person des Chefredakteur Walter Spengemann ist sehr interessant. Aufgrund dessen Vergangenheit könnte die Zeitung vielleicht in der Tradition der in der Weimarer Republik in Hameln publizierenden Niedersächsischen Volksstimme gestanden haben.

Einen Wikipedia Eintrag zur Zeitung gibt es nicht. Die Google-Suche brachte im ersten Anlauf keine weiterführenden Treffer. In der Zeitschriftendatenbank dann der Hinweis, dass es die Norddeutsche Zeitung – Ausgabe Hannover als tägliche Zeitung vom 30. April 1948 bis zum 25.10.1957 gab. Die Zeitung wurden demnach anschließend als Hannoversche Rundschau / Ausgabe Hannover noch bis zum 21. April 1971 weitergeführt. Auflage im April 1949 ca. 138.000

Zur Ausgabe Hameln konnte ich mit Datum 6.8.2022 keinerlei Hinweise finden.

Der Hameln-Teil der Ausgabe besteht nach erster Sichtung immer aus einer Lokalseite und umfasst auch Meldungen aus dem Weserberglandgemeinden im Umfeld Hameln.


Im Impressum der Ausgabe vom 18.01.1949 wird folgendes genannt:

Lizenzträger: Chefredakteur Walter Spengemann, Verlagsleiter Wilhelm Wundram, beide Hannover.

Chef vom Dienst: Herbert Wolf, Politik: Georg Schröder, Feuilleton: Gerd Schulte, Dr. Erwin Wäsche, Sozialpolitik: Erna Donat, Lokales: Johannes Schneider, Provinz und Sport: Heinz Eisner.

Anzeigenleiter: Karl-Heinz Rinke.

Verlag: „Norddeutsche Zeitung G.m.b.H.“, Hannover.

Druck: Bohrßen & Co., G.m.b.H., Göttingen, Lizenz-Nr. xxx der Militärregierung. Erscheinungsort: Hannover. Adresse: Scheidestraße 21, Sammelnummer S 7x 21/2x(x=unleserlich). Anzeigen- und Vertriebsannahmestelle, Theaterstraße 14, 22882, Gerichtsstand Hannover.

Durchschnittsauflage im Monat Dezember 1948 nach notarieller Bescheinigung 113408.


Zur Person des Chefredakteurs Walter Spengemann:

21.06.1904-1969 (Deutscher Journalist)

Walter Spengemann studierte nach dem Abitur 1924 an den Hochschulen Hannover, Hamburg und Göttingen je zwei Semester Völkerkunde und „exotische Sprachen“. Als freier Schriftsteller verfasste er seit 1928 Beiträge für verschiedene Tageszeitungen in- und außerhalb Hannovers. Seit 1929 schrieb er für den „Volkswillen“ den lokalen und Unterhaltungsteil. Versuche, als Werbetexter, Schriftsetzer und Fotograf Fuß zu fassen, schlugen fehl. 1929 trat er der SPD bei. Im Januar 1930 wurde er Jugendleiter der SSG, 1931 Mitglied des Reichsbanners. Bis 1936 engagierte er sich in der Sozialistischen Front Hannover. Am 23. September 1937 verurteilte ihn der II. Senat des Oberlandesgericht Hamm zu zehn Jahren Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Seine Haftzeit verbrachte er im Zuchthaus Hameln. (Quelle: https://www.sozialistische-front.de/biografien/bio/spengemann-walter/)

Walter Spengemann war Urenkel von Leopold Spengemann (Quelle)


Zur Person des Verlagsleiters Wilhelm Wundram:

Wundram, Wilhelm, Buchdruckereibesitzer, Inhaber der Firma C. L. Schrader Hannover, Herausgeber der „Norddeutschen Zeitung“, geb. 1892, gest. 1951; (Quelle)


Zu Georg Schröder (Politik):

Georg Schröder (* 1905; † 1987) war ein deutscher Journalist. In der Zeit der Weimarer Republik arbeitete Schröder an der von Heinrich von Gleichen herausgegebenen Zeitschrift Das Gewissen sowie an der Stahlhelm-Zeitung Die Standarte mit. Von 1936 bis 1945 war Schröder Redakteur, später stellvertretender Chefredakteur des Nachrichtenbüros Transocean bzw. Transocean Europa. Von 1948 bis 1950 war Schröder Chefredakteur der Norddeutschen Zeitung. Anschließend leitete er das Büro der Welt in Hannover, bevor er von 1953 bis 1973 als Leiter des Bonner Büros dieser Zeitung fungierte.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Schr%C3%B6der_(Journalist)


Interessante Meldungen der Ausgabe vom 18.01.1949:

Artikel zur Polizeistatistik 1948:

Im Kreise Hameln-Pyrmont wurden im Jahr 1948 2455 Verbrechen und Vergehen begangen, von denen 1369 aufgeklärt werden konnten. 961 Übertretungen, darunter 572 Verkehrsübertretungen, wurden verzeichnet. Von 117 Verkehrsunfällen verliefen 12 tödlich. Außerdem wurden 32 unnatürliche Todesfälle, darunter 17 Selbstmorde, registriert.


Anzeigen:

Anzeigen konnten in Hameln in der Osterstraße 6 – Simca-Werbedienst – C.W. Niemeyer aufgegeben werden.


Ausgabe als PDF:


Original im Bestand Republikpolizei.de

herral, 06.08.2022

Nachtrag zu Walter Spengemann:

In der DEWEZT vom 26.03.1969 gibt es eine Todesnachricht. Demnach verstarb Spengemann im Alter von 64 Jahren nach langer schwerer Krankheit in England, der Heimat seiner Ehefrau. Im Nachruf wird ergänzend informiert, dass Walter Spengemann am 5. April 1945 von den alliierten Truppen au der Haft im Zuchthaus Hameln befreit wurde. Zwei Monate später übernahm er im April 1945 die Position als Chefredakteur des „Neuen Hannoverschen Kuriers“. Anschließend der „Hannoverschen Presse“ bis er dann 1947 Lizenzträger und Chefredakteur der „Norddeutschen Zeitung“ in Hannover wurde. Nach 1951 engagierte er sich mehr in der Kommunalpolitik. Dem Rat Hannover gehörter er von 1956 bis 1968 an. Im Sept. 1968 erhielt er für seine Verdienste den Ehrenring des Rates der Stadt Hannover.

2 Gedanken zu „Norddeutsche Zeitung – Ausgabe Hameln im Jahr 1949“

  1. Lieber Ralf,
    das ist tatsächlich ein bedeutender Fund, der Dir mit der Norddeutschen Zeitung gelungen ist. Ich bin sehr gespannt, was die Auswertung der Hameln-Artikel ergeben wird.
    Der Herausgeber, Walter Spengemann, saß tatsächlich wegen „Hochverrats“ vom 16. Dezember 1937 bis Kriegsende im Zuchthaus Hameln in Haft. Er war wegen Mitgliedschaft in der „Sozialistischen Front“, einer Nachfolgeorganisation der verbotenen SPD, zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Spengemann war im Zuchthaus Hameln Leiter der Häftlingsbibliothek.
    Von Mithäftlingen wurde Spengemann nach dem Krieg als Gestapo-Spitzel verdächtigt.

    1. Danke Bernd für die Ergänzung. Insgesamt spannend, da der für Politik zuständig Georg Schröder von seiner Historie wohl dem rechtsaußen Lager zuzuordnen ist. Mal schauen, ob sich im Impressum was verändert. Zudem wäre eine Aufklären der Verbindung zwischen DEWEZET und Norddeutsche Zeitung spannend. Es gibt noch viel zu tun.

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