#dewezetkorrektiv Guter und schlechter Journalismus zum Jahresanfang:


Hameln, 05.01.2026: Anmerkungen zum Lokaljournalismus in Hameln:

Grundsätze des Profi-Journalismus?

1. Grundsatz: Mache Meldungen möglichst spektakulär auf!

Ein wiederkehrendes Beispiel dieses Grundsatzes bietet die DEWEZET mit ihrer Silvesterberichterstattung in der Ausgabe vom 2. Januar.

a) Titelbild – lokal ausgewählt. Vier Polizisten im Einsatzanzug mit Helm und Schutzausstattung. Rücken an Rücken. Die Hände abwehrbereit vor der Brust platziert. Im Hintergrund explodierende Raketen, roter Rauch, einige Menschen mit hochgezogenen Kapuzen. Ein Bild, das spricht.

b) Schlagzeilen: „26 Feuer, Schüsse und ein Todesfall“ – „Heißer Jahreswechsel – Notfallsanitäter im Dauereinsatz“. Auf einer ganzen Seite beschreibt Hamelns Chefreporter in der ihm eigenen Dramatik den Silvestereinsatz. Der vollständige Beitrag ist nur für zahlende Kunden zu lesen und zu bewerten. Der erste Eindruck von gewalttätigen, schlimmen Zuständen in Hameln über Schlagzeilen und Bilder, geteilt auf den sozialen Medien, wirkt für alle – bewusst und im Unterbewusstsein. BILD dir deine Meinung. An der Berichterstattung ist nichts falsch, kurzum „Das ist erlaubt“ und alles Geschmackssache. Aber es ist auch sehr selektiv.

c) Kontrastinformationen zu Bild und Schlagzeilen:

Verlaufsmeldung der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden:

Zitat: „Trotz dieser Ereignisse zieht der Leiter der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden, Matthias Kinzel, insgesamt eine positive Bilanz des Silvestereinsatzes: „Durch eine frühzeitige Einsatzvorbereitung, eine erhöhte Präsenz sowie die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt, den Feuerwehren und den Rettungsdiensten konnten wir auf einzelne Ereignisse schnell reagieren und die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger gewährleisten.“

Verlaufsmeldung der Schwerpunktfeuerwehr Hameln bei Facebook:

Schlagzeile: „Ruhige Silvesternacht – Brennender Balkon in der Nordstadt“:

Im Bericht wird von drei durch Ehrenamtliche besetzte Löschfahrzeuge gesprochen. Zwei Einsätze mussten die Ehrenamtlichen übernehmen. Eine weitere brennende Mülltonne in der Nordstadt wurde durch die Freiwillige Feuerwehr Klein Berkel übernommen. Das Hilfeleistungslöschfahrzeug der Hauptamtlichen Wachbereitschaft habe ein paar mal ausrücken müssen.

Fazit: Eine Zeitung, die gekauft und gelesen werden möchte, sucht das Spektakuläre. Unsere Aufmerksamkeit zu fangen, das gelingt mit langweiligen Berichten nicht. Allerdings zeichnet die Zeitung damit einen Ausschnitt der Situation, welcher nur ein ganz kleines Bild der Wirklichkeit ist.


2. Grundsatz: Beschreibe prägnant mit deutlichen Worten deine Position und entlarve gesellschaftliche Probleme und Missstände!

In einem Kommentar vom 03.01.2026 schreibt Hamelns Chefredakteur:

– „es wird immer kurioser mit …“

– „Hamelns … Lobby hat mal wieder zugeschlagen…“

– „Dort agieren vielmehr einseitig orientierte Interessenvertreter, die eines im Sinn haben: Den… voranzubringen, koste es anderen …, was es auch wolle.

– „Damit wir uns nicht falsch verstehen: Das ist erlaubt, man darf sich in diesem Land und in dieser Stadt komplett einseitig engagieren. Doch dann sollte man bitteschön auch dazu stehen und nicht vorgaukeln, dass man das Wohl aller im Sinn habe.“

– „Zudem krankt es bei solchen Vorschlägen leider häufig an einem: An einer realistischen Einschätzung …“

– „Und trotz dieser offenbaren Widersprüche lässt sich die rot-grün-rote Mehrheit im Stadtrat diesen Unsinn auch noch einflüstern.“

– „Die Politik sollte den Vorschlag ad acta legen.“

– „Wer wilde Forderungen erhebt, die Erziehungsversuchen gleichen, befindet sich … auf dem Irrweg. Liebe Hamelner Politiker, stoppen Sie doch bitte im Jahr 2026 diesen nicht zu Ende gedachten Unfug.“

Der „Unfug“ um den es geht, wurde von den „Lobbyisten“ in einer Pressemitteilung vom 15.12.2025 verbreitet. Die DEWEZET veröffentlichte diese Erklärung als redaktionellen Beitrag am Montag den 29. Dezember, also mit 14 tägigem Verzug.

Es geht ums Thema Radverkehrsplanung. Wer vergleichen will, wer mit welcher Sprache wie kommuniziert, kann die Presseerklärung des ADFC Hameln-Pyrmont hier kostenfrei im Original lesen. (https://hamelnerbote.de/archive/33403)

Wenn bisher der Fokus auf kritischen Entwicklungen in der DEWEZET lag, so möchte ich nun auch Positives anmerken. Es geht nämlich auch anders. Die Berichterstattung der DEWEZET mit der Gegenüberstellung von zwei Kommentaren (Pro und Kontra) zum Böllerverbot in der Ausgabe vom 31.12.2025 mit den Beiträgen von Birte Hansen-Höche und Frank Henke zeigt, dass Meinungsäußerung zu strittigen Themen auch ohne Abwertung und Diskreditierung Andersdenkender möglich ist.


Enden möchte ich mit der Wiederholung eines Zitates von Herrn Thimm:

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Das ist erlaubt, man darf sich in diesem Land und in dieser Stadt komplett einseitig engagieren. Doch dann sollte man bitteschön auch dazu stehen und nicht vorgaukeln, dass man das Wohl aller im Sinn habe.“

Übrigens: Die DEWEZET erhöht ihre Preise für den Bezug des E-Papers zum 1.1.2026 um 9,1%. In einer Infomail an alle Kunden heißt es: „Der neue Preis beträgt dann 35,90 € statt wie bisher 32,90 €. Dies bedeutet eine Anpassung von gerade einmal 10 Cent täglich.“ Insgesamt dann 430,80 Euro jährlich.
Der Bezugspreis mit gedruckter und gelieferter Zeitung beläuft sich auf zukünftig 54,80 € monatlich bzw. 657,60 € im Jahr.

Ralf Hermes



4 Gedanken zu „#dewezetkorrektiv Guter und schlechter Journalismus zum Jahresanfang:“

  1. Zum Kommentar von T. Thimm: „Es wird immer kurioser mit den Radler-Forderungen“ (DeWeZet vom Sonnabend, 03.01.2026):
    T. Thimm hat wieder einmal zum Rundumschlag gegen die so genannte Radfahrerlobby ausgeholt, nachdem (von ihm?) „fast unbemerkt“ die Vorschläge des ADFC und der Initiative Rad-Verkehrswende Hameln JETZT! „durch Hameln geisterten“ . In seiner Argumentation folgt er verlässlich dem Leitbild der „autogerechten Stadt“ aus den 70er Jahren, hier verpackt in die „realistische Einschätzung der Verkehrsbedürfnisse“ der Autofahrer eben. Die seien nun mal in der Mehrzahl, und so benötigten sie den entsprechenden Verkehrsraum (hier: 4 Fahrspuren auf den Weserbrücken). Dass Fußgängerinnen und Fußgänger und Radfahrende auch „Verkehrsbedürfnisse“ haben und dies artikulieren (siehe Pressemitteilung!) wird unterschlagen: Mit keinem Wort geht der Chefredakteur auf die Argumente zum Rückbau der Fahrspuren auf den Weserbrücken ein. Das alles wird noch garniert mit Angriffen und Unterstellungen. Nichts Neues, eigentlich. Neu ist allerdings, dass er durchaus wahrnimmt, dass ADFC und Initiative bei Politik und Verwaltung Gehör finden. So richtet er im letzten Satz seines Kommentars einen Appell an die Entscheidungsträger: „Liebe Hamelner Politiker, stoppen Sie doch bitte [… ] diesen nicht zu Ende gedachten Unfug“. Sieht da jemand seine Felle wegschwimmen?

    1. Die DeWeZet kostet im Jahr über 650 Euro in der Papierform. Nicht wenig Geld!

      Ich würde sogar noch ein paar Euro drauf legen, wenn ich dafür keine Beiträge und Kommentare von Chefredakteur Thomas Thimm darin mehr lesen müsste. Vermutlich geht es vielen Leserinnen und Lesern so.
      Ist die Abo-Kündigung jedoch die einzige Möglichkeit, Frau Niemeyer über einer Neubesetzung der Stelle nachdenken zu lassen?

      1. Ich habe aus Protest mein jahrzehntealtes Vollabo gekündigt und lese nur noch die Digitalausgabe. Halte aber eine Lokalzeitung für unverzichtbar und behalte daher mein Abo auch wenn es mir schwer fällt damit den Sportwagen des Chefredakteurs mitzufinanzieren. Mein zweiter Weg ist der Hamelner Bote. Hier möchte ich als „Laie“ zeigen, das es auch anders geht und über #dewezetkorrektiv auf die Probleme der DEWEZET hinzuweisen. Die Leitung der Zeitung ist in ihrer Gedankenwelt so unantastbar gegen Kritik, dass ich nicht die Hoffnung habe, das Frau Niemeyer irgendetwas ändern möchte. Im Gegenteil: Die Entscheidung Herrn Thimm zum Chefredakteur zu machen erfolgte in Kenntnis seiner „Fähigkeiten“.

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