Hameln, 16.01.2026: Etwa 40 Menschen haben am Stadtentwicklungsforum in den Räumlichkeiten von zedita teilgenommen. Zeitrahmen 17.30 bis 20.20 Uhr. Impressionen und eine persönliche leicht enttäuschte Bewertung:
Zunächst kurz die inhaltlich Wiedergabe:
Oberbürgermeister Claudio Griese begrüßte und erinnerte an verschiedene Termine der Bürgerbeteiligung zur Entwicklung des aktuellen Stadtentwicklungskonzeptes.
Ziel des Abends sei eine Zwischenbilanz zu ziehen und die Gültigkeit des Konzeptes nach 5 Jahren und Fortentwicklungen anzusprechen.
Moderiert wurde die Veranstaltung durch zwei auswärtige Mitarbeiterinnen der Firma Stadt und Handel
Der erste Abschnitt war „vom Guten“ zu erzählen. Dazu gab es sechs Kurzvorträge der Verantwortlichen der Arbeits-/Umsetzungsebene der Stadt zu den Bereichen Sicherheit, Kultur, Geld/Stadtbaukonzepte, Familie+Soziales und Wirtschaftsförderung. Blitzlichter über beispielhafte, positive Umsetzungsschritte aus dem ISEK-Konzept.
Eine Pause mit Suppe und Getränken wurde für den Austausch untereinander genutzt. Anschließend erfolgte ein 20 minütiger Beteiligungsprozess, in dem die Bürgerinnen und Bürger Lob wie Kritik sowie Anregungen auf Karten schreiben konnten. Diese Zettel/Karten sollten dann auf dem Boden auf dem ausgebreiteten Stadtplan ausgelegt werden.
Eine persönliche Vorstellung der Rückmeldungen war nicht vorgesehen. Nach drei Anmerkungen von BürgerInnen wurde zum letzten Teil des Abends übergeleitet. Ein neues Schwerpunktthema: „Bevölkerungsschutz“.
Für die Stadt Hameln stellte der Fachbereichsleiter Recht und Sicherheit, Christian Campe, die Überlegungen einer neuen Vorsorge für große Notfälle vor. Wichtig sei es vorbereitet zu sein – Bevölkerungsschutz für den Krisenfall.

Geplant sind:
1. Verbesserung der Informationsmöglichkeiten für alle: Verständliche Infos über Vorsorge und Vorräte
2. Ergänzung der Erste Hilfe Kurse um das Thema Selbstschutz. Mehr wohnortnahe Kursangebote in den Stadtteilen.
3. Physische Schutzräume identifizieren und schaffen. Dieses in Zusammenarbeit mit den Schutzraumkonzepten von Bund und Ländern
4. Leuchtturmkonzept /-netz ausbauen. Hilfe und Anlaufstellen schaffen, wenn Mobilfunk und Telefon ausfallen.
5. Schutz der kritischen Infrastruktur (Krankenhäuser, Altenheime, Engergieversorger) verbessern
6. Übungen durchführen (Räumung von Behörden/Schulen trainieren)
7. Warn- und Infosysteme ausbauen
8. städtischen Krisenstab („Stab außergewöhnliche Ereignisse“) stärken
9. zwei neue Personalstellen als „Kümmerer“ für das Themenfeld.
Kernaussage: „Sicherheit entsteht durch Gemeinschaft“.
Die Veranstaltung soll detailliert protokolliert und insbesondere die Bürgeranregungen festgehalten werden. Als weiterer Schritt ist dann eine Vorstellung der Ergebnisse/Anregungen / Sachstände im Kreis der politischen Akteure des Rates vorgesehen.
Bilderfilm zur Veranstaltung:

Meine persönliche Veranstaltungsbewertung ist durchwachsen, eigentlich bin ich ziemlich entäuscht:
a) Die Vorstellung der Erfolge ist statthaft und war auch beeindruckend. Es hat sich einiges getan und auch richtig große Projekte wurden angegangen. Der „Arbeitsebene“ der Verwaltung dieses Vorstellen zu überlassen eine gute Idee und insgesamt kurzweilig und informativ. Soweit so gut.
b) Es fehlte die Nennung des „noch nicht erreichten“. Die Benennung von Punkte, die nicht gut gelaufen sind bzw. die noch offen sind unterblieb. Dieses wäre m.E. Aufgabe der Verwaltungsspitze gewesen, die kaum in Aktion trat. Als Beispiel sei der Ausfall der Schwimmmöglichkeit durch die sich erneut verzögernde Öffnung des Hallenbad Einsiedlerbach genannt. Die Verantwortung liegt hier nicht bei der Stadt aber die Auswirkungen für Kultur, Sport und Gesundheit tragen Hamelns Bürgerinnen und Bürger. Das Fehlen eigener selbstkritischer Punkte war eine große Schwäche des Abends.
c) Nicht gut war auch das vollständige Weglassen des wichtigen Themenfeldes Verkehr. Süddurchfahrung, Radfahrplanung, Fußgängerverkehr – diese doch oft sehr kritisch diskutierten Themen fehlten. Auch der Abriss der Wesermühle und somit der Aufbruch in eine neue Zeit am Hafenquartier wurde als Chance für einen Zukunftsblick nicht genutzt.
d) Persönlich war ich von den vorgestellten Themen im Bereich Umwelt und Naturschutz enttäuscht. Die Renaturierung der Remte ist sicherlich ein Vorzeigeprojekt. Das Unterhalten eines ehrenamtlichen Hornissen- und Wespenberaterteams ist gut – allerdings gab es so was auch schon vorher. Ein Faltblatt für eine Artenschutz bei Baumaßnahmen… na ja. Wenn das an dieser Stelle erwähnenswert ist, dann sagt das auch was aus. Ich glaube die Worte Klimaschutz und Klimaanpassung habe ich, wenn überhaupt, nur als Nebenbemerkung gehört. Selber habe ich als kritikwürdigen Prüfpunkt die Gestaltung der Gewerbefläche des neuen MC-Donald am Hastenbecker weg benannt. Keinerlei erkennbare Planung von gliedernden Bäumen, zugeschotterte Pflanzflächen. Wenn das der Standard für 2026 ist liebes Hameln, dann gute Nacht.
e) Richtig ärgerlich fand ich den Teil der „BürgerInnenbeteiligung“. Die Leute was auf Zettel schreiben zu lassen und dann anzusagen, dass man die Texte protokolliert, ist für mich eine Pseudobeteiligung. Ich sehe das Risiko, dass die Kurztexte ohne persönliche Erläuterung genügend Sinn ergeben, um damit etwas anfangen zu können. Hier hätte man durchaus Orginaltöne zu den Karten abfragen können. So blieben die Bürgerstimmen in dieser Veranstaltung weitgehend stumm. Das ist besonders schade, da es ja insgesamt nur relativ wenig Interessierte waren, die gekommen sind. Diese ehr enttäuschende Beteiligung hätte die Chance gegeben, direkt auf diese Menschen zuzugehen. So richtig wahrgenommen hab ich das nicht.
f) Auch wenn es unangenehm zu benennen ist: Ich hätte mir von den extern „eingekauften“ Moderatorenteam eine deutlich aktivierendere und auch kritisch nachfragende Rolle / Beratung gewünscht. Es wurde meines Erachtens ein Standardprogramm abgeliefert, welches auch gut mit eigenen Personal hätte geleistet werden können.
Fazit: Irgendwie war die Luft raus – zumindest bei mir sprang kein aufbauender/aktivierender Funke über. Die Fachvortragenden hatte sich Mühe gegeben und schöne Erfolge vermelden konnten. Nicht gelungen ist es neben der notwendigen kritische Darstellung von Defiziten einen dann aufbauenden Blick in die Zukunft zu vermitteln.
Enttäuschend war aber auch das Fehlen der Bürgerinnen und Bürgern. Wer fehlt, der kann keine konstruktiven Beiträge einbringen. Hier muss sich die Stadtgesellschaft an die eigene Nase fassen.
Gut fand ich den Abschnitt Bevölkerungsschutz. Auch wenn sich das Thema nicht eignet, positive Stimmung zu verbreiten, notwendig ist es leider dennoch. Vielleicht hätte man es nicht gerade zum Abschluss der Veranstaltung platzieren sollen. So war das wohl mit der Grund für den pessimistischen Heimweg mit schlechter Gemütslage bei mir.
Ralf Hermes
Deutlich positiver die Bürgerstimmen bei radio aktiv – dazu ein Orginalton von Hamelns Oberbürgermeister:
Botenbericht Bürgerforum Nordstadt 2023:
Botenbericht Bürgerforum Südstadt 2023:














