Buchlesung „Wunderland“ – Zeitreise mit Harald Jähner zurück in die Jahre 1955-1967 – Verlaufsbericht

Hameln, 21.01.2025: Freundlich, kurz und launig begrüßte Buchhändlerin Michaela Jeretzky gestern die rund 40 Gäste im ausverkauften Raum der Buchhandlung von Blum. Einen „Kaufbefehl“ habe sie, mit einem Augenzwinkern, für das Buch von Harald Jähner ausgesprochen, eines ihrer Favoriten. Dann überließ sie aber gleich den Raum dem Autor von „Wunderland“ und einem Berufskollegen, dem Journalisten Jochen Wittig aus Bodenwerder, der im Stil eines Radiogespräches durch den Abend führte.

Dem Autor gelang es hier immer wieder Bilder im Kopf seiner Zuhörer zu wecken. Erinnerungen aus der eigenen Kindheit des 73-jährigen verknüpften sich mit den Erinnerungen seiner Zuhörenden, die vielfach einer ähnlichen Altersklasse angehörten. Auch bei mir kamen bei den Passagen Bilder hoch. Das Autowaschen mit dem Vater, das Tanken noch mit Tankwart, der „Tante Emma Laden“ und dann das Einkaufen im Supermarkt („Das Glück des Supermarktes.“ und die „Mythologie der Tankstelle“ mit Slogans wie „Pack den Tiger in den Tank“).

Jähner beschrieb mit Beispielen aus der Alltagswelt damals den Übergang von der Mangel- zur Überflussgesellschaft. „Die Leute haben sich in der Zeit vollständig verändert.“ Man war nicht mehr wie in der konformistischen Zeit vorher nur noch auf die Arbeit fixiert. Jähner erklärte die Prüderie der Zeit seiner Eltern anschaulich mit dem Verfall der kulturellen Sitten schon in der NS-Zeit und anschließend im Überlebenskampf nach dem Zusammenbruch.

Die Demokratie zeigte sich im Supermarkt. Es gab Wahlfreiheit. „Gammler“ kamen als Gegenbewegung auf, auch die „Playboys“ trotzten auf ihre Art dem Leistungsprinzip.

Politik spielte an diesem Abend keine Rolle. Es ging zum Schluss eher um die Frage, wer das Lebensgefühl mehr beeinflusste. Die Beatles oder die Stones.

Einen kleinen Schattenpunkt versuchte der Autor dann noch zu korrigieren. Der Vortrag sei recht „männerlastig“, so ein Einwand aus dem Publikum. Nach kurzem Innehalten räumten beide Männer das ein. Harald Jähner betonte allerdings, dass das im Buch ganz anders sei. Die Rolle der Frau pendelte in der Zeit zwischen dem Bedarf als Arbeitskraft und bei schwächer werdender Konjunktur dann wieder dem Bild der Hausfrau. Letzteres wurde stark in der Werbung verstärkt. Der Mann sei der Versorger der Familie, so das Bild der Zeit, was aber nicht überall der Realität entsprach. Die Konsumwünsche begründeten oftmals auch die Berufstätigkeit der Frauen. Letzteres aber wurde dann allerdings auch als „Privatvergnügen“ der Selbstverwirklichung abgetan. Die Arbeitstätigkeit entband die Frau keinesfalls von ihren Pflichten als Hausfrau. Gleichberechtigt verteilte Hausarbeit war nicht der Stil der Zeit.


Bilderserie:


Die Lesung gewann durch das Ambiente des Raumes. Dicht gedrängt, vollständig umgeben von Büchern. Es war ein schöner, informativer Abend, der vom Veranstalter mit „Toast-Hawai-Häppchen“ begleitet wurde. So hatte Harald Jähner am Schluss einiges an Büchern zu signieren.


Die nächste Buchlesung in der Buchhandlung ist schon ausverkauft. Die letzte Karte ging kurz nach Bekanntgabe der Autorin weg.


https://buchvonblum.buchhandlung.de/shop


Für radio aktiv war Joachim Stracke vor Ort. Er wird mit dem Autor ein längeres Gespräch führen. Sobald der Podcast abrufbar ist, verlinke ich ihn hier.


Siehe auch:


herral, 21.01.2026

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