Hameln, 29.03.2026: … oder sollte man schreiben „mit dem Leid der Opfer“? In der letzten Woche war die Berichterstattung der DEWEZET dazu „herausragend“. Grund für eine kritische Bewertung:
Vorbemerkung: Die DEWEZET hat sich aus der Vereinsberichterstattung vollständig zurückgezogen. Die Zeitung berichtet über Veranstaltungen im Stadtgebiet nur noch lückenhaft. Die lokale politische Berichterstattung wird runtergefahren und ist sehr selektiv. Aktuell war die DEWEZET beim letzten Umweltausschuss nicht anwesend, es gab auch keine Berichterstattung über den Besuch des Ministerpräsidenten mit Fragerunde für die Bürgerinnen und Bürger in Hameln.
Eindeutige Priorität hat eine raumgreifende, emotionalisierte Berichterstattung über Straftaten, Verkehrsunfälle, Brände und sonstige echte oder vermeintliche Katastrophen.
Zwei aktuelle Beispiele:
Zur Berichterstattung über die Kriminalstatistik 2025:
Die Polizeiinspektion hatte am 26.03.2026 die Infos und Zahlen über ihre Internetseite ins Netz gestellt. Schlagzeile: „Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 – Weniger Taten bei gleichzeitig landesweit bester Aufklärungsquote„
Die DEWEZET brachte auf der Titelseite: „Mehr Messerangriffe im Weserbergland“ und „Messergewalt nimmt deutlich zu – Zwei Morde und versuchte Tötungen – Statistik wirft Fragen auf, die nicht beantwortet werden„.
Es dürfte nicht überraschen, dass sich der DEWEZT-Chefreporter die Messergewalt als Thema herauspickte und mit eigenen Schilderungen ergänzte. Zitat aus dem Beitrag: „Die Klinge drang in Rücken und Nacken ein. Sie starb.“
Viel Text wird der Wiederholung von spektakulären Gewalttaten gewidmet. Die unbeantwortete Statistikfrage beantwortet der Autor dann selber. Er kennt sich aus. Um so verwunderlicher, dass er Probleme konstruiert, um sie dann selber aufzulösen. Eine Relevanz konnte ich nicht erkennen.
Nach den Berichten über die spektakuläre Gewaltkriminalität folgen am Ende dann noch ein paar andere Zahlen.
Ich kann nicht sagen, dass ich mich durch diese Art der Berichterstattung gut informiert fühle.
Die Pressemitteilung der Polizei ist beim Boten im Original veröffentlicht. Meine persönliche Anmerkung dazu unter „Kommentar zum Bericht“:
Zur Berichterstattung von Samstag, dem 28.03.2026:
Es gab in Hameln ein Tötungsdelikt. Ein trauriger Fall mit schlimmem Ausgang. So wie die DEWEZET darüber berichtet, macht sie die Leserinnen und Leser zu „Schaulustige“. Ich aber möchte kein Gaffer sein und darum ärgert mich das.
Das Anspruchsdenken des Autors entlarvt sich mit seiner Aussage: Zitat „Die Polizei mauerte. Sie informierte die Öffentlichkeit nicht einmal darüber, dass sich in Hameln ein Tötungsdelikt ereignet hat. Drei Nachfragen unserer Zeitung wurden nicht beantwortet. „Wir werden in dieser Nacht keine Informationen herausgeben“, hieß es um 0.30 Uhr.„
Zeitpunkt des Bekanntwerdens des Falles am Abend war 19.00 Uhr.
Frage: Welche Erwartungshaltung hat Hamelns Chefreporter eigentlich?
Ein Profi weiß, dass in solchen Fällen die Tatortarbeit Priorität vor der Öffentlichkeitsarbeit hat.
Die Polizei hat (gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft) am Folgetag um 09.42 Uhr eine Presseinformation herausgegeben. Die Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft ist bei solchen Delikten zwingend. Hier wird etwas „skandalisiert“, was keine Eilbedürftigkeit hatte.
Und um das klarzustellen: Ja, es gibt einen Informationsanspruch der Öffentlichkeit bei Kapitaldelikten. Diesem kam Staatsanwaltschaft und Polizei am Morgen nach der Tag nach. Dazu ein für die Sache wichtiges Detail: Der Täter war seit Tatkenntnis (19 Uhr abends) in Polizeigewahrsam. Es bestand keine Gefahr für die Allgemeinheit. Einzig die Neugierde eines Redakteurs in der Nacht wurde nicht sofort befriedigt.
Anmerkung: Am Freitag nach der Tat erfolgte ein Aufruf zu einer Mahnwache für das Opfer am Samstag um 11 Uhr. Dieser Aufruf schaffte es nicht in die DEWEZET. „Mauerte“ die Zeitung da oder war sie nur nicht informiert?
Es ist purer Zufall, dass die Berichterstattung über das traurige Tötungsdelikt zeitgleich mit der Veröffentlichung der DEWEZET über ihren neuen Podcast „Tausendfacher Mord – Spur führt nach Hameln“ – Neuer True-Crime-Podcast zusammen fällt. So aber wird die Schwerpunktsetzung der Zeitung sehr deutlich. Neben dem Bericht über die Podcastaufzeichnung veröffentlicht die Zeitung eine ganzseitige und eine 1/3-seitige Anzeige zur neuen Folge.
Geschäftsmodell Opferleid. Für mich deutlich zu viel des Schlechten. #dewezetkorrektiv
Ralf Hermes
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