Hameln, 16.05.2026: Auch Hameln hatte ein „Braunes Haus“. Die DEWEZET berichtete am 5./6. und 7. Juli 1933 über die Einweihung.
Zur Quellensammlung:
Hausgeschichte „Erichstraße 4“ vor 1933.
Auszug aus einem DEWEZET-Artikel vom 17. September 1982 – „Herta Reichardt, geborene Brünig, erinnert sich an eine glückliche Jugend Anfang des 20. Jahrhunderts“
Im Artikel heißt es:
„Vater Friedrich Brünig war Inhaber der Zuckerwarenfabrik Brünig & Co. In seinem Hause, Erichstraße 4, wohnte er mit seiner Frau Jenny und den vier Kindern, Herta, zwei Söhnen und einer weiteren Tochter. Bilder zeigen einen gepflegten Garten mit Springbrunnen und Teehäuschen. Großvater Heinrich Brünig hatte sich als Bürgervorsteher und Kirchenvorstand verdient gemacht. Der Bau des Diakonissenhauses ging auf seine Initiative zurück. Zusammen mit dem Mühlenbesitzer F.W. Meyer gelang ihm die Wiedergründung des Hamelner Handelsvereins. Die Großeltern bewohnten ihr komfortables Haus Erichstraße 3, dahinter lagen die Fabrikationsräume der Bonbonfabrik. Das Terrain der Brünigs reichte bis zur „Hamelte“, einem Abzweig der Hamel.“
Weiter zitiert der Bericht:
„Es gab damals noch viele Welfenanhänger in Hameln. Das vor Brünigs Haus einmal weißer und gelber Sand in Kontraststreifen ausgestreut war, erzürnte den preußischen Polizisten, der dies beanstandete.“

Aus einem DEWEZET-Bericht vom 31.5.1933:
Das Haus Erichstraße 4 war, so berichtete die DWEZET in einem Bericht vom 31.5.1933, später in den Besitz der Stadt Hameln übergegangen und diente „längere Zeit den idealen Zwecken eines Wöchnerinnenheims“. Abgelöst wurde dieses von der Absicht, das Wöchnerinnenheim zukünftig als Verwaltungsgebäude der NSDAP dienstbar zu machen. Eine „ideale Lösung“, da das Haus wegen seiner Lage an einer der schönsten Hamelner Straßen und an einem für Aufmärsche und Übungen geeigneten Platze liege.
„Durch den Architekten Kurt Kühne wird die Inneneinrichtung nach dem Grundsatz des rein zweckmäßigen und der sparsamsten Verwendung der vorhandenen Mittel gestaltet. Die große Vorhalle mit den breiten Treppen und den großen Wandflächen wird als Ehrenhalle eine würdige Ausgestaltung erfahren. Die vorgesehene Anordnung von Lichtquellen und Farbe und die Anbringung von Symbolen versprechen eine ausgezeichnete innenachitektonische Lösung. An den Wänden rings sollen einige Bänke aufgestellt werden. Die anschließenden Parterreräume werden die Leitung der NSBO, die der Gewerkschaften und eine Propagandaabteilung der NSBO aufnehmen. Der größte Raum wird der Abfertigung des Publikums dienen. In zwei kleineren anschließenden Räumen sollen der DHB und der ZbA untergebracht werden. Die Verwendung des früheren großen Wintergartens, der zuletzt als Kinderspielhalle einen schönen Zweck erfüllte, ist noch nicht endgültig entschieden. Wahrscheinlich wird hier aber eine Bibliothek untergebracht werden.
In der Vorderfront der ersten Etage sind zwei Räume für die Kreisleitung Hameln-Stadt vorgesehen. Daran schließen die Verwaltungszimmer der vier Hamelner Ortsgruppen und dem Garten zugewandt zwei kleinere Räume für die Kreisleitung Hameln-Land. …
Über den Wohnungen befindet sich der geräumige Trockenboden mit einem Aufgang zu dem kleinen flachen Dach, von dem in Zukunft die Fahnen des neuen Deutschlands grüßen werden, und von dem man einen ausgezeichneten Rundblick über Hameln und die Umgebung genießen kann.
Zu einer der wertvollsten Einrichtungen des Hauses wird sich aber ohne Frage die Nationalsozialistische Notstandsküche gestalten, für die neben der großen Küche und einer ganzen Reihe von Vorrats- und anderen Räumen ein geräumiger Speisesaal zur Verfügung steht. Es wird so möglich sein, eine große Zahl von Mittagsgästen zu verpflegen.“
„Es lag nichts näher, als diesem neuen Heim der NSDAP und der ihr angeschlossenen Organisationen und Einrichtungen den Namen des Führers, unseres Reichskanzlers zu geben. Als „Adolf-Hitler-Haus“ wird es ein Markstein in der Geschichte der Hamelner nationalsozialistischen Bewegung werden.“
Der Artikel endet:
„Alles in allem wird sich in wenigen Tagen in dem Adolf-Hitler-Haus eine Einrichtung präsentieren, von der viel Segen ausgehen möge! Schz.“
Quelle:



DEWEZET Bericht vom 5.6.1933:
Flaggen heraus! Weihe des Adolf-Hitler-Hauses.
Anlässlich der feierlichen Einweihung des „Adolf-Hitler-Hauses“ (Erichstraße 4) findet heute abend um 7 Uhr ein Aufmarsch statt, an welchem sich SA., SS., Freiw. Arbeitsdienst, eine Abordnung der Kriegsbeschädigten, sämtliche Parteigenossen innerhalb ihrer Ortsgruppen, sowie die Belegschaften der Betriebe beteiligen.
Der Zug
bewegt sich durch folgende Straßen: … Nach Ankunft findet die
Hissung der Hakenkreuzfahne und feierliche Einweihung
des „Adolf-Hitler-Hauses“ statt. Es sprechen der kommiss. Oberbürgermeister Kreisleiter Pg. Scheller, der Gauleiter Pg. Schmalz, der Kreisbetriebszellenleiter Pg. Melcher und der Bezirksleiter vom Fabrikarbeiterverband Pg. Seiffert (Hannover).
Außerdem nehmen an der Feier teil: Gaubetriebszellenleiter Pg. Einecke und der Gaufachbearbeiter für den Freiw. Arbeitsdienst Pg. Dr. Wagner, die zur Eröffnung der Braunen Messe anwesend sind.
Die Bevölkerung der Stadt, besonders die Anwohner der Straßen durch welche sich der Zug bewegt, werden von der Kreisleitung der NSDAP Hameln gebeten, ihre Häuser an diesem Tag mit den Fahnen der nationalen Erhebung zu beflaggen.
Das „Adolf-Hitler-Haus“ ist am Donnerstag und Freitag in der Zeit von 9 bis 12 und 3 bis 7 Uhr der Bevölkerung zur Besichtigung freigegeben.

DEWEZET Bericht vom 6.6.1933:
Hamelns „Braunes Haus“: Adolf-Hitler-Haus geweiht.
Am gestrigen Mittwoch beging die Kreisleitung der NSDAP die feierliche Weihe des neueingerichteten Braunen Hauses für Hameln-Stadt und -Land, des „Adolf Hitler-Hauses“. Ein Aufmarsch und Festumzug durch die Stadt leitete den Festakt würdig ein. Gegen 18.30 Uhr sammelten sich in der Mühlenstraße die Formationen der SA. und der SS., die Parteigenossen, der Freiwillige Arbeitsdienst, eine Abordnung der Kriegsbeschädigten und die Belegschaften der Betriebe. Um 19 Uhr setzte sich der stattliche Zug in Marsch mit der SA.-Kapelle an der Spitze und durchzog die mit festlichen Fahnen geschmückten Straßen Münsterkirchhof, Bäckerstraße, Osterstraße, Ostertorwall,
Bürenstraße, Kaiserstraße, Bahnhofstraße, Deisterstraße, Adolf-Hitler-Allee, Kastanienwall zum neuen Parteihaus in der Erichstraße. Zahlreiche Zuschauer umsäumten die Straßen, durch die der Umzug führte, und auch auf dem Platz vor dem neuen Parteihause erwartete eine dichte Menschenmenge den Aufmarsch.
Nachdem alle Organisationen dort Aufstellung genommen hatten, betrat der kommissarische Oberbürgermeister, Kreisleiter Hauptmann Scheller, die mit Grün geschmückte Rednertribüne. In einer kurzen Begrüßungsansprache wies
er auf die Bedeutung des Tages für Stadt und Kreis Hameln hin und erteilte dann dem Gauleiter Schmalz – Hannover das Wort. …

DEWEZET Bericht vom 7.6.1933: Zur Weihe des Hitler-Hauses

In der Ausgabe der DEWEZET vom 18. Mai 2015 berichtet Bernhard Gelderblom über das Haus:
„Während im Zweiten Weltkrieg das 1921 gegründete Kreiskrankenhaus als Reservelazarett 1 diente, errichtete die Stadt Hilfskrankenhäuser in der Villa Brünig und im „Hitlerhaus“ Erichstraße 4 (50 Betten). … Nach Kriegsende bestimmten die Alliierten, die Zwangsarbeit aus den Baracken an den Standort Erichstraße 4 zu verlegen.“ Das Hilfskrankenhaus Erichstraße 4 wurde 1952 aufgegeben.
Aus dem Jahr 1952 stammt dann eine Verkaufsanzeige (DEWEZET vom 01.07.1952):

Später war über viele Jahre in dem Haus die Geschäftsstelle des Arbeitgeberverbandes AdU, auch mit seinem Bildungswerk.
Anzeige DEWEZET vom 24.05.1997

Auch das Mütterzentrum Hameln hatte im Jahr 2001 seinen Sitz dort. DEWEZET vom 09.01.2001

Zwischenzeitlich ist das Gebäude postalisch auf zwei Adressen aufgeteilt worden, Erichstraße 4 und Gröninger Straße 12.
Unter der Anschrift Gröninger Straße 12 firmierte im Jahr 1956 das DGB-Haus. Hier bedarf es noch weiterer Recherchen.
Gebäudefoto vor 1975 (Wochenmarkt) – Bildquelle unbekannt (FB)

Aktuelle Hausansichten Erichstraße / Gröninger Straße 2026:
Die Recherche wird fortgesetzt.
herral, 17.05.2026
Botenbericht: Straßengeschichte:
Bericht über das „Braune Haus“ in Osnabrück siehe:









