Hameln, 22.06.2026: Haben Sie den Bericht „Wie viel Geduld müssen wir noch haben?“ von Thomas Thimm über den Straßenzustand Unsen-Hasperde vom 17.06.2026 gelesen?
Wenn nicht, hier eine kurze Zitatensammlung und Bewertung nur der Zustandsschilderung der Strecke durch den Chefredakteur: Herr Thimm schreibt in einem ganzseitigen Bericht auf Seite 1 des Hameln-Teils über den „Sanierungsfall“ der Straße Unsen-Hasperde unter anderem:
„Schlaglöcher, Risse in der Straße, aufgeplatzter Asphalt“. Die Autofahrer quälen sich seit zweieinhalb Jahren über die „marode Landstraße“. Zitat: „Diese Landstraße ist mehr als nur kaputt – sie ist auf zweieinhalb Kilometern Länge eine einzige Asphalt-Trümmerstrecke“. Die Rede ist von „unsäglichen Schlaglöchern“, die „jede Karosserie brutal durchschütteln“.
Zudem: „Das Tempo ist auf dieser Strecke auf 50 Kilometer pro Stunde reduziert – früher durfte man dort mit 100 Sachen vorankommen. Heutzutage würde die moderne Autoelektronik bei einem solchen Tempo einschreiten – irgendetwas zwischen Reifen-Ruin und Achsbruch scheint dort immer möglich.“

Bitte machen Sie sich selbst ein Bild. Ich habe am Sonntag, dem 21.06.2026 einen „Fahrversuch“ mit Tempo 50-60 km/h aufgezeichnet. Das Video gibt Einblicke in den Straßenzustand.
Für die 2,5 km vom Ortsausgang Unsen bis zum Kreisel benötigte ich zwei Minuten und 43 Sekunden. Der Film fängt etwas früher an. Das Fahrzeug ist ein Skoda Fabia mit 60 PS. Filmaufnahmen durch die Beifahrerin.
Die Straße verfügt nicht über einen Rad- oder Fußweg. Mehrer Hinweisschilder warnen vor Wildwechsel. Entlang der Straße befinden sich eine ganze Reihe großer Straßenbäume (Alleecharakter), die nicht durch Leitplanken gegen einen Aufprall bei einem Abkommen von der Fahrbahn gesichert sind. Zudem gibt es im Straßenverlauf zwei Kreuzungen mit Linksabbiegespuren und vor der Einfädelung auf die Bundesstraße 217 eine rechts-links Kurve.
Anmerkung zur Geschwindigkeitsbeschränkung:
Nach einer Straßensanierung und der folgenden dann vielleicht streckenweise möglichen Geschwindigkeitsfreigabe auf bis zu 100 km/h dürfte mit einer Zeitersparnis von 60 Sekunden zu rechnen sein.
Risiko Baumunfälle und Geschwindigkeit: Ein seitlicher Aufprall eines Autos an einen Baum mit 55 km/h führt bei den Fahrzeuginsassen zu schwersten bis tödlichen Verletzungen. Bei einem Aufprall mit 90 km/h haben Passagiere gar keine Chance, weil das Fahrzeug vom Baum regelrecht zerfetzt wird. Eine solche Kollision kann normalerweise kein Fahrzeuginsasse überleben. (Quelle: https://www.goslar-institut.de/recherche-tipps/verkehrssicherheit/baeume-das-toedliche-unfallrisiko/)
Presseauswertung als Unfalllagebild und „Preis“ für Tempo 100 und das Gefühl des ungebremsten schnellen Fortkommens:

- April 1996: Kind nach Unfall in Lebensgefahr. Angefahren beim Queren der Fahrbahn als Fußgänger.
- Oktober 1996: Abkommen von der Fahrbahn in Kurvenbereich. Vater und Tochter sterben, die Mutter überlebte schwer verletzt. Der Fahrer (ein Fahrlehrer) hatte im Verlauf der rechts-links Kurve die Kontrolle über das Fahrzeug verloren. Der Wagen prallte mit hoher Geschwindigkeit gegen einen Baum. Der Fahrer überstand den Unfall körperlich unverletzt.
- April 1997: Abkommen von der Fahrbahn, Aufprall an Straßenbaum – Fahrer überlebt schwer verletzt
- Im Oktober 1997 „zerschellte“ (Formulierung „ube“) ein Porsche an einem Baum. Der Wagen war im Verlauf eines Überholmanövers von der Straße abgekommen. Der schwerstverletzt Fahrer musst aus den „völlig zerfetzten“ Porsche befreit und mit einem Rettungshubschrauber abtransportiert werden.
- April 2000: Abkommen von der Fahrbahn – Kollision mit Gegenverkehr 46 Jahre alte Fahrerin verstirbt vor Ort
- April 2014: Motorradfahrer stirbt bei Unsen. Abkommen von der Fahrbahn und Aufprall am Straßenbaum
- Mai 2016: 47-jährige Autofahrerin stirbt nach Abkommen von der Fahrbahn und Aufprall an einem Baum
- Mai 2020: Auffahrunfall mit fünf Verletzten. Auffahrunfall beim Abbiegen
- Dezember 2020: Autofahrer übersieht auf der Strecke einen Radfahrer, der schwer verletzt in eine Klinik gebracht werden musste. Der Fahrradhelm des Mannes wurde zerstört.
- November 2021: Abkommen von der Fahrbahn in der Rechtskurve. Fahrzeug überschlägt sich. Fahrer ins Krankenhaus.
- Dezember 2021: „Junge Frau in Lebensgefahr“ – Abkommen von der Fahrbahn und Aufprall an Straßenbaum
- November 2022: Auffahren auf langsam fahrenden Trecker. Zwei Verletzte
- Juni 2024: Abkommen von der Fahrbahn und Aufprall an Straßenbaum. Fahrer schwer verletzt.
Quelle: Archiv DEWEZET
Jeder dieser tragischen Unfälle ist ein Einzelfall. Die Unfallursache steht oftmals in Verbindung zwischen Geschwindigkeit und Straßenraum (Bäume) oder auch langsam fahrende Verkehrsteilnehmer (Trecker, Radfahrer, Fußgänger).
Persönliches Fazit:
- Eine zeitgemäße Straßensanierung müsste die Schaffung eines Radweges sowie die Sicherung des Straßenrandes mit Leitplanken zum Schutz vor sog. „Baumunfällen“ einbeziehen. Die Kosten dafür dürften einen mehrfachen Millionenbetrag erfordern.
- Die derzeitige Situation entschärft mit der Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 km/h eine ehemalige „Todesstrecke“
- Der Zeitgewinn von etwa 60 Sekunden steht in einem negativen Kosten-Nutzen-Verhältnis und beinhaltet ein erhöhtes Risiko schwerer Unfallfolgen
- Die Berichterstattung der DEWEZET vom 17.06.2026 ist …
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Mit freundlichem Gruß
Ralf Hermes, 22.06.2026