Hameln, 12.08.2026: Günter Bialkowski (Jahrgang 1937) schreibt.
Ich empfehle insbesondere die persönlichen Worte des letzten Absatz zu lesen!
Der große Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt mit fast 44 % ist nun schon ein paar Tage hin. Und alle Augen richten sich nun auf die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin, Sonntag, 20.09.26. Ich bin mir nicht sicher, ob alle Bürger die Wucht der Ereignisse die gerade bei uns passieren schon voll ins Bewusstsein aufgenommen haben. Vielleicht wird dieser Tag und das Foto Ulrich Siegmund Arm in Arm mit Chrupalla und Alice Weidel dereinst in unseren Geschichtsbüchern stehen, als der Tag, an dem die AfD begann, unsere Nachkriegs-Ordnung samt Demokratie in eine Autokratie umzuwandeln. Was viele vielleicht nicht wissen oder unterschätzen, unsere Demokratie kann mit demokratischen Mitteln – in eine solche mit einer Person an der Staatsspitze umgewandelt werden. Victor Orban hat es vorgemacht. Und die Geschichte von Weimar kann der AfD als Blaupause dienen, wie bei uns in Deutschland Machtübernahmen durchgezogen werden. Die AfD und ihre Wählerschaft wollen uns glauben machen, dass es bei uns gar keine Demokratie gibt – diese erst durch eine siegreiche Bundestags-Wahl mit Alice Weidel als Bundes-Kanzlerin (Ulrich Siegmund) hergestellt werden kann.
Ich mag mir dieses Szenario erst gar nicht vorstellen, aber wohin die Reise gehen kann, lassen Äußerungen aus den Reihen der AfD immer wieder zu. Gut, dass es unsere Sicherheitsdienste und unser GG gibt. Wie es scheint und das zeigte auch der Beitrag von Alice Weidel (emotional, siegestrunken, scharfzüngig und frontal vorgetragen) in der Generaldebatte des Deutschen Bundestag, sieht sie sich und ihre Partei (wie auch einige andere Spitzenvertreter) z.Z. auf dem Höhepunkt ihrer Macht und damit auch auf dem Höhepunkt ihrer Selbstüberschätzung. Aber wir wissen nicht, was die nahe Zukunft bringen wird. Unsere demokratischen Parteien machen derzeit einen ratlosen Eindruck, kommen einfach nicht voran, kriegen weder die Sozial-Reformen hin, noch haben sie eine Erzählung für das Deutschland von Morgen. Die Angriffsflächen für die Oppositionspartei AfD sind groß. Und so kann Fr. Weidel immer wieder ein düsteres Bild unserer Realität in Deutschland zeichnen, dem Bundeskanzler Merz und seiner schwarz-roten Koalition Totalversagen vorwerfen.
Zum Schluss ein persönliches Wort zu meinen Empfindungen zu Fr. Weigels Frontalangriff in der Generaldebatte am 09.09.26 im Deutschen-Bundestag. Diese Debatte mit scharfen und bissigen Argumenten geführt, hat mich tief berührt und tiefsitzende Emotionen wieder freigesetzt und in das letzte Kriegsjahr 1944 mit seinen historischen Umbrüchen 1945 ff zurückgeführt. Ich glaube, meine Generation der späten Kriegszeugen, leidet – wenn durch solche Debatten längst zugeschüttete Ängste in der Kindheit wieder lebendig werden. Ich appelliere deshalb an unsere jungen Menschen, die scheinbar all zu schnell bereit sind, den Verlockungen der AfD zu folgen: Seid wachsam, schätzt unsere Demokratie mit allen Fehlern und Ungerechtigkeiten die sie zweifellos hat und passt auf unsere Freiheit auf. Autoritäre Systeme schleifen alles was uns heute lieb und teuer ist.
Günter Bialkowski, (Jahrgang 1937)
herral, 12.09.2026