Zeitungsvergleich macht stutzig: Klimaschutz-Kriminalisierung des stellvertr. Chefredakteurs Thomas Thimm in der DEWEZET

Man achte auf die Feinheiten!

Grundsätzlich übernimmt die DEWEZET auf ihren überregionalen Seiten die Berichte der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ/Verlagshaus Matsack). Von der DEWEZET wird die Titelseite lokalisiert, d.h. in der Regel mit einem lokalen Aufmacherbild versehen, was ich sehr gut finde. Einblicke in die individuelle Redaktionspolitik der Nachrichtenweitergabe der DEWEZET geben die Veränderungen der Titelseiten, die sich dann erschließen, wenn man HAZ und DEWEZET nebeneinanderhält. Dazu ein tagesaktuelles Beispiel:

Am 20. September (gestern) war der weltweite Aktionstag zum Klimaschutz und das Thema beherrschte die überregionalen Nachrichten. Auch in Hameln / im Weserbergland gab es Aufrufe zu Veranstaltungen von „friday for future“ und eine Demonstration in Hameln.

Die HAZ brachte auf der Titelseite einen stark lokalisierten Beitrag „8000 bei Klima-Demo erwartet – Fünf Sternmärsche in Hannover geplant.“ Es folgt als eine der ersten Botschaft der Titelseite, dass sich die Initiatoren in Hannover von jeder Form von Gewalt distanzieren. Hintergrund ist die Information, dass ein Mitveranstalter der Demo in Hannover, vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

Diesen hannoverschen Beitrag konnte die DEWEZT so nicht unverändert übernehmen. Es erschien ein vom stellvertretenden Chefredakteur Thomas Thimm gezeichneter Titelseitenbericht, als Kernbotschaft und Aufmacher für zwei längere Folgeberichte als Tagesthema und im Lokalteil Hameln. Folgendes fällt bei der „Lokalisierung“ durch den örtlichen Redakteur auf:

Die Unterschlagzeile lautet: „Verfassungsschutz warnt: Linksextremisten marschieren mit“. Dann widmet sich Herr Thimm ausführlich in den gelb markierten Bereichen der „Interventionistischen Linken“ (IL) die demnach ein Problem für die Klima-Bewegung werden könnte. „Verkehrsblockaden und radikale Aktionen“ seien angekündigt. Die militante und gewaltbereite Gruppierung, deren Ziel laut Verfassungsschutzbericht die Überwindung des demokratischen Rechtsstaates ist, hätte bereits mehrfach versucht im Fahrwasser von Fridays für Future das Thema zu instrumentalisieren. Herr Thimm benennt dann noch den Hamburger Verfassungsschutz, wonach die IL maßgeblich daran beteiligt war, gewaltbereite Linksextremisten für die G20 Proteste in Hamburg zu mobilisieren. Das es irgendwelchen Bezug der IL ins Weserbergland gibt, benennt Herr Thimm nicht. Auch die Distanzierung der Veranstalter der Demo in Hannover findet sich in den Thimm-Bericht nicht.

Schaut man auf die Internetseite der IL so offenbart sich in der Tat eine in der Selbstdarstellung als „Zusammenschluss linksradikaler Gruppen und Einzelpersonen aus der undogmatischen und emanzipatorischen Linken“ bezeichnete Gruppe. Eine „vor Ort“ Rubrik gibt es in Niedersachsen in Göttingen (A.L.I.-Link) und in Hannover (letzter Lokaler Beitrag dort vom 26.09.2019 – zum Kohleausstieg.) Auf der Hauptseite der IL gibt es einen Teilnehmeraufruf für den 20. September.

Der Niedersächsische Verfassungsschutzbericht von 2018 widmet der IL auf Seite 71 / 72 fünf Absätze, die Quelle für die Ausführungen von Herrn Thimm waren.

Fällt ihnen was auf? Wir beschäftigen uns jetzt mit Linksextremismus, obwohl es doch eigentlich um Klimaschutz geht. Obwohl es keinerlei Hinweise, Aktivitäten, Gefährdungen im Weserbergland gibt.

Hier wurden vom stellvertretenden Chefredakteur der DEWEZET Beziehungen in einer Dimension auf die Titelseite der DEWEZET gebracht, die m.E. vom Thema ablenken, verunsichern, wenn nicht gar kriminalisieren sollen. Man kann das machen, aber dann hätte für objektiven Journalismus ganz klar die Distanzierung der Hannoveraner Veranstalter von jeglicher Gewalt für mich mit in den Beitrag gehört.

Das ist DEWEZET-Titelseitenjournalismus mit Geschmäckle. Das ist subtile Hintergrundbeeinflussung, die gerade bei Herrn Thimm schon öfter auffällt und mir absolut missfällt. So etwas belastet das Vertrauen in die DEWEZET als Informationsmedium.

Ich habe mir zum weiteren Vergleich die Lippische Landeszeitung als dritte lokale Tageszeitung gekauft. Auch hier auf der Titelseite als Thema des Tages „Heute alle Informationen zum Klimastreik in OWL“. In den Beiträgen auf zwei großen Hintergrundseiten (2+3) werden linksextreme Splittergruppen nicht in den Focus genommen. Stattdessen vielfältige Berichte und Bilder: „So sieht der Klimawandel in OWL aus.“

Lokaljournalismus geht auch anders, besser. #dewezetkorrektiv

Ralf Hermes, 21.09.2019

Bericht als PDF:

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