Der neue Landrat und die Stabsstelle „Ehrenamt“. Eine Medienbetrachtung. (#dewezetkorrektiv)

Hameln-Pyrmonts neuer Landrat Dirk Adomat hat beim Landkreis eine neue „Stabsstelle für das Ehrenamt“ eingerichtet. Es gibt dazu vier Presseberichte der DEWEZET und einen Beitrag von Radio Aktiv. Eine Kurzdarstellung und Bewertung:

Am 29. Mai 2020 berichtet die DEWEZET auf der Titelseite mit der Schlagzeile: „Geheimbeschluss des Landrats schlägt Wellen“ unter Einleitung auf die Verschuldung der Verwaltung und die Suche nach Einsparmöglichkeiten über die Einrichtung einer Stabsstelle fürs Ehrenamt durch den Landrat Dirk Adomat. Der Redakteur Marc Fisser verwendet im Bericht verschiedene auch wertende Bezeichnungen. „Installation des Beraterpostens eilig und hinter verschlossenen Türen.“ Die Zitate der Politik sind allenthalben negativ oder kritisch zusammengestellt. „fassungslos“, „irrsinnig kaltschnäutzig durchgezogen“ so die Opposition. Die Gesprächspartner der Kreistagsmehrheit demnach relativierend mit Vorbehalten gegen den Beschluss. Die Kreisverwaltung teilt „nur“ mit und erwähnt die Bedenken der Opposition nicht. Es wird der Eindruck erweckt, dass das „verfassungsrechtlich hoch angesiedelte Öffentlichkeitsprinzip deutscher Behörden“ gebrochen wurde. Illegale Beschlüsse gefasst wurden, die nichtig sind. Die Kommunalaufsicht beim Innenministerium in Hannover sein eingeschaltet worden. (Durch wen? Die Zeitung?) 

Auf Seite 7 (Seite 1 des Hameln-Teils) ein weiterer langer Bericht mit der Schlagzeile: „Warum die Eile beim Ehrenamt?“  Das Vorpreschen des Landrates sorge selbst bei der SPD-Fraktion für Irritationen.  Der Chef der SPD-Kreistagsfraktion….

Zu keinem Zeitpunkt des Lesens entsteht der Eindruck, jetzt eine wertfreie Schilderung der Position des Landrates zu erhalten.

Ich spare mir weitere Einzelheiten. Jeder der mag, kann die Berichte kaufen/lesen.

Aus meiner Sicht erfolgt keine journalistisch neutrale Sachverhaltsdarstellung, sondern ein vorprägend einseitige Berichtszusammenstellung. Hier wird unterschwellig ein illegaler Beschluss als Spekulation in den Raum gestellt. Im eigentlichen bewertenden Kommentar erfolgt dann noch der Rundumschlag Richtung Corona und Katastrophen-Management. Eine klare Trennung zwischen objektiven Bericht und subjektiven Kommentar ist für mich im journalistischen Teil nicht gegeben. Dafür gibt es im Bericht zu viele subjektive Ansätze.

In der Samstagsausgabe vom 30. Mai erfolgt dann noch mal eine Wiederholung der Vorwürfe als Wochenzusammenfasssung. Dazu dann noch ein Bericht über das Dementi des SPD-Fraktionsvorsitzenden zu den wiedergegebenen Aussagen und die Feststellung des Redakteurs, dass die Aussage im Wortlaut vor Erscheinen abgesprochen gewesen sei.

Am 15.06.2020 berichtet die DEWZET auf Seite 13 im Weserbergland-Teil „Aufsichtsbehörde: Stellenbeschluss legal – Kreistag bei Besetzung des 100.000 -Euro-Postens nicht erneut zu beteiligen – Opposition schäumt dennoch.“  

Auch dieser Artikel ist wieder durchfärbt mit subjektiven Wertungen. Die Kerninformation aber ist, dass kein Rechtsverstoß vorliegt. In dem weiteren Verlauf des Artikels werden dann noch einmal die Ursprungsvorwürfe wiederholt und aufgefrischt. Wenn Herr Zemlin plakativ in den Focus gestellt fordert, „Adomat sollte sich auf repräsentative Aufgaben konzentrieren.“ dann ist das mit der Stellenbeschreibung eines Landrates nicht vereinbar. Ich empfinde die Informationszusammenstellung auch dieses Beitrages als wertend/lenkend. Als Beispiel: Die Bezeichnung der Stelle als „Anlaufstelle für Vereinsfunktionäre“. Für mich nur ein konkretes Beispiel, wie der Redakteur auch unabhängig von seiner persönlichen Standpunktschilderung den Bericht aufbaut. In einem Radio Aktiv Beitrag vom 30.05.2020 äußert sich der Landrat zum Thema.

Hier der Link zur Abrundung des Themas:

listen.radio-aktiv.de/beitraghoeren.php?id=33660

Persönliches Fazit:

Herr Adomat hat eines seiner zentralen Wahlversprechen nach der Wahl eingelöst. Die Vorwürfe eines rechtlichen Verstoßes waren nicht berechtigt.  Die Sachfrage kann man gut finden oder auch nicht. Ich habe da keine Emotionen. Immerhin haben ihn 28.254 Wählerinnen und Wähler wohl auch dafür gewählt.

Nochmal und wichtig: Mir geht es nicht um eine einseitige Parteinahme für einen SPD-Politiker.

Es geht um die Grundmethodik der Zeitung: Kommunalpolitik, über die in so einer Art und Weise von der lokalen Tageszeitung berichtete wird, vergrault Wählerinnen und Wähler wie auch potentielle Mandatsträger/Innen. Da es sich hier nicht um einen Einzelfall, sondern um eine ganze Folge ähnlicher Berichtsfälle handelt. Es werden fortlaufend Beiträge zur Zersetzung unserer politischen Kultur geschrieben. Ob dieses aus Fahrlässigkeit, Absicht oder sonst welchen Gründen passiert, spielt im Ergebnis keine Rolle.

Parteiübergreifend sollte uns das Sorge bereiten.

Entscheidend ist zudem nicht dieser eine Sachverhalt. Neben den gesamten Lügde-Berichtskomplex gibt es seit Beginn der Stichwahl eine Vielzahl einseitig kritischer Angriffe und Berichte gegen den (neuen) Landrat und die MitarbeiterInnen der Kreisverwaltung.

Diese Beiträge haben für mich nichts mehr mit einer unabhängigen Kritik zu tun, sondern werden in einer Art und Intensität geführt, die das Vertrauen in Neutralität, Objektivität und Fairness der Zeitung grundlegend zerstört hat.

Siehe dazu die anderen Berichte unter: #dewezetkorrektiv.

Insofern ist auch dieser Beitrag hier keine voreingenommene Bewertung des Zeitungshandelns.

Mag der Leser zwischen „Original“ und „Korrektiv“ sein eigenes Werturteil finden.

Ralf Hermes, Hameln, den 15.06.2020

3 Gedanken zu „Der neue Landrat und die Stabsstelle „Ehrenamt“. Eine Medienbetrachtung. (#dewezetkorrektiv)“

  1. Das ist eine sehr gute Zusammenfassung der bisherigen Berichte darüber. Als ich heute den Artikel in der Dewezet las habe ich nur gedacht : „Eine Kriegserklärung an den neuen Landrat“. Das hat nichts mehr mit objektiver Berichterstattung zu tun sondern nur noch mit Schmutzkampagnen geben den Landrat. Warum so eine reißerische Aufmachung Wenn zum Schluss steht, es ist alles rechtlich OK. Hauptsache die Überschrift ist auffällig. Ich schätze Herrn Zemlin aber auch er verrennt sich in eine Antikampagne die sehr fragwürdig ist. Wir haben inzwischen seit vielen Jahren die Eingleisigkeit. Ich bin kein Fan davon Aber wenn ein Verwaltungsbeamter nicht für so ein Amt geeignet ist, wer dann??? Rechtsanwälte kennen den rechtliche Aspekt einer Sachlage aber das bedeutet noch lange nicht das sie auch geeignet sind eine Verwaltung zu leiten. Früher gab es mal 100 Tage für den Nachfolger in einem neuen Amt, das scheint auch nicht mehr üblich zu sein

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