27.06.1932: Wechsel des Hauptschriftleiters der DEWEZET – Infosammlung „Dr. K.D.“

Zeitungsmeldung: „An unserer Leser! Der bisherige Hauptschriftleiter der Deister- und Weserzeitung, Herr Dr. Wilhelm Fischdick scheidet mit dem heutigen Tage aus der Redaktion aus. Er verlegt seinen Wohnsitz nach Berlin, um dort als künftiger Herausgeber eines schon bestehenden Berliner Pressedienstes tätig zu sein. Herr Dr. Fischdick, der mehr als sieben Jahre der Schriftleitung der Deister- und Weserzeitung vorstand, bei diesem Anlaß für sein Wirken an der Dewezet zu danken, ist unser Bedürfnis. Die politische Schriftleitung übernimmt Herr Dr. Kurt Dammann, der bisher in gleicher Eigenschaft an Großstadt- und Provinzzeitungen tätig war. Hameln, 27. Juni 1932, Verlag der Deister- und Weserzeitung.“


Die Meldung steht eingerahmt in einer aktuellen Meldung des damaligen Zeitgeschehens:

„Wieder überall Krawalle. Vor allem in Berlin.“ (Auszüge):

Berlin, 25. Juni. … Kurz vor 17 Uhr kam es in der Lindenstraße, in der Nähe des „Vorwärts“-Gebäudes zu Zusammenstößen zwischen Nationalsozialisten und Reichsbannerleuten. Im Verlauf der Außeinandersetzungen ist geschossen worden, wobei zwei Nationalsozialisten schwer verwundet wurden. Das Überfallkommando ist vor dem „Vorwärts“-Gebäude erschienen. Eine andere Nachricht spricht von einem Schwerverletzten. …

Berlin, 26. Juni. … Sonntag mittag gegen 12 Uhr überfielen auf dem Heimholzplatz im Norden der Stadt Antifaschisten einen Nationalsozialisten und verletzten ihn durch Schläge am Kopf, Beamte des Überfallkommandos gingen mit Gummiknüppeln gegen die Demonstranten vor. Dabei trug ein Beamter, der ins Gedränge geraten war, einen Messerstich am Hals davon.


DEWEZET vom 27.06.1932

Der neue DEWEZET Hauptschriftleiter Dr. Kurt Dammann schrieb auf der Titelseite der Ausgabe vom 27. Juni 1932 folgenden Bericht:

„Volk in Abwehr.“

Es sind ganz seltene Höhepunkte im Geschehen langer Jahrhunderte, wo ein Volk sich seiner selbst bewußt wird, wo es als Ganzes sich fühlt, als erlebende und wirkende Einheit, Zeiten äußerster Gefahr oder aufreibender Not, wo bis ans Mark die Wunden gehen oder der Trotz des Lebenswillens sich dem Verderben entgegenwirft. Wie den einzelnen Menschen einmal im Dahinleben eine Stunde packt, die ihn aus dem Mitgerissenen zum Beobachter und Beurteiler macht, die ihm das Wunder des Menschseins, des freihandelnden Ichs, offenbart. Das wird wenigen nur ein Grund der Verzagtheit, den meisten ein Quell neuer Schaffenskraft und sittlicher Erneuerung. Auch das Volk sondert sich so im Denken und Wollen manchmal von der übrigen Welt, gerade wenn diese im zeitlichen Gegensatz zu ihm steht. Reichtum und Überfluß gibt zwar den Stolz der Staatsangehörigkeit, der nationale Gedanke aber wird gerade durch ein hartes Geschick neu belebt. –

Wie Familiensinn im kleinen Kreise nicht nur Ahnenstolz und zähes Festhalten an ererbtem Eigentum bedeutet, sondern auch das Einstehen eines Familiengliedes für das andere, so ist das Nationalbewußtsein eines notleidenden Volkes verbunden mit dem sozialen Sinn für die darbenden Volksgenossen. Denn die Einheit des Volkes ist nur wirklich hergestellt, wo nicht Berufe, Schichten oder Stämme vom einzelnen bevorzugt werden, sondern allein die Artgleichheit entscheidet. Diese Schicksalsgemeinschaft hat nur mit dem Rhythmus des Blutstromes etwas zu tun und mit dem Geschichtlichen Werden, aus dem Sitte und Sprache sich verwandt entwickelten, nichts aber mit Weltanschauung, wissenschaftlicher Erkenntnis oder fachlichem können.

Deutschland ist neu ein allem übergeordneter, allgemeingültiger Wert geworden, seit sein Bestand durch feindliche Kräfte in Frage gestellt ist. Aber im Gegensatz zu der Begeisterung kriegerischer Abenteuer löst heut dieser hohe Begriff verbissene Energie aus, die einem gewaltigen Druck sich entgegenstemmt. Eine äußerst empfindliche Abwehrbereitschaft ist die Folge vieler bitterer Enttäuschungen, das Gutgläubigkeit nur ausgenutzt wurde. Das Mißtrauen bei allen Verhandlungen mit volksfremden Staatsmännern hat sich stets von neuem als beste Waffe erwiesen. Aber auch im Lande selbst trennt es viele, die eigentlich gleichen Sinnes sind. Aller Kampf rüttelt auf. Da ist der Gradmesser der Farben und Zeichen sehr unzuverlässig, wenn er die Treue zum Vaterland abstufen soll. Denn alle fühlen ja, daß Deutschlands Schicksal auch das ihrige ist.

Die Ehrlichkeit des nationalen Wollens läßt nur dort Zweifel zu, wo der Platz zum Leben von den anderen Volksgenossen mutwillig noch eingeengt wurde. Nur der Freie hat von jeher die Verantwortung aufgebracht für das große Ganze, nur der, der die gerechte Wertschätzung fand für seine Arbeit und seine Gesinnung. Hochklingende Hymnen aufs Vaterland sind wertlos im Munde derer, die nichts nach dem Elend ihrer deutschen Brüder fragen, wenn ihnen nur selbst nichts abgeht. Viele könnten dem Irrtum eines übernationalen Strebens entrissen werden, wenn sie als wirkliche Kameraden in den Reihen der vaterländisch Denkenden mitmarschieren dürften, so daß die anderen auch für ihre Sorgen mit einstünden.

Länger als ein Jahrzehnt zieht das deutsche Volk durch die kahle Wüste ungeheurer Entbehrungen. Je länger der Weg sich streckt, desto mehr ordneten sich die Reihen um den deutschen Adler zum geschlossenen Heereszug. Gegen tausend lauernde Gefahren gilt es auf der Wacht zu sein, gegen Hinterhalt und Überfälle, gegen falsche Wegweisungen und Schlagbäume, die uns von unserm Ziel trennen. Gerade im Augenblick fordern wir von den fremden Staaten, daß sie den Weg in die bessere Zukunft uns freigeben. Aber unsere Forderung macht nur die blitzenden Augen eines einheitlichen Willens gewichtig. Der Hader in den eigenen Reihen stärkt drüben Uebermut und Unnachgiebigkeit. Alle müssen zusammenhalten gegen Feinde unseres Volkes, und die an Deutschland heute noch nicht zu glauben vermögen, solle ganz hinten bleiben im Zuge, daß sie nicht überlaufen können und doch ohne Faustschläge sehend werden.

Dr. K.D.



DEWEZET Nachruf im März 1985:

„Dr. Dammann blieb bis 1936 bei der DEWEZET. Danach wirkte er als Chefredakteur bei bedeutenden Zeitung in Chemnitz, Mannheim und Saarbrücken. Im Jahr 1949 kehrte er zur DEWEZET zurück und wurde ein Mann des freiheitlichen Neubeginns nach dem Zweiten Weltkrieg, der mit seiner großen journalistischen Begabung den Stil der „Deister- und Weserzeitung“ mitgeprägt hat. Drei Jahre später wurde er ihr Chefredakteur. Diese Aufgabe erfüllte er pflichtbewußt bis zum 68. Lebensjahr. Er blieb auch nach Eintritt in den Ruhestand unserer Zeitung verbunden und hat noch jahrelang viel beachtete Beiträge geschrieben. Wir betrauern in „Dr. K.D.“ einen leidenschaftlichen Zeitungsmann und eine angesehene Persönlichkeit.“

DEWEZET vom 29.03.1985

Nachruf:

DEWEZET vom 29.03.1985

Zusammenstellung zum Stand 10.05.2021, Ralf Hermes

Anlässlich des ersten Reichserntedankfest 1933 schrieb Dr. D. drei Beiträge.

DEWEZET, 1.10.1033

Unserm Führer zum Gruß vom 1.10.1933

(Teilabschrift)

Kein deutscher Kanzler hat bisher dem Volke so nahe trotz der Würde seines hohen Amtes gestanden als Adolf Hitler. Es gibt keinen Deutschen, der ihn nicht an der Stimme erkennt, wenn er im Radio eine Rede von ihm zufällig auffängt, keine, der nicht sein Bild an der Wand hängen hat oder auf den Schreibtisch stellte. Und weitaus die meisten Bürger dieses 65-Millionen-Vokes haben ihn schon einmal persönlich gesehen. haben die bezwingende Gewalt seiner Worte, seiner Gebärden die große Idee unmittelbar in sich heineinsenken lassen. Dieser Mann, so schlicht in seinem braunen Rock, in seinen Lebensgewohnheiten und in seinem Gruß zum Volksgenossen, umspannt mir seinen Gedanken eine Welt von der Weite des Sternenraumes, daß man schwindeln ihre Grenzen nur erahnt. Aber diese Welt der neuen Reichsidee, die Staat und Volk in noch nie erreichte Übereinstimmung bringt, ist auch so lückenlos in sich geschlossen, daß alle Einzelheiten des Baues sich ganz selbstverständlich aus dem ersten Stein ergeben, wie ein Baum nur noch den Gesetzen einer von Gott bestimmten Art emporwachsen kann. … Hamelns Straßen strecken sich zu Ehren des Führers im Festgewand. Jeder Bürger der Stadt hat mit eigener Hand Tannengrün zu Kränzen geflochten und das rote Tuch mit dem Hakenkreuz entrollt als Zeichen seines Grußes. Wenn er durch die Stadt fährt, muß der Führer es fühlen, wie hier die herzen ihm freudig und stolz entgegenschlagen. Denn Hameln weiß daß diese Auszeichnung nur wenigen Orten seine Große bisher zuteil ward. … Der Dank, den wir dem Herrgott für seinen Erntesegen und unserm Kanzler in seine Einigungstaat schulden, ist der Einsatz unsres ganzen Menschen für die edlen Ziele des neuen Reiches. Denn nur bessere Menschen gewinnen größere Stärke. Unser Gruß für den Kanzler ist auch ein Bekenntnis zur Volksgemeinschaft zur deutschen Zukunft. Heil unserm geliebten Führer Adolf Hitler, heil dem Deutschen Reich seiner Prägung! Dr. Kurt Dammann.



DEWEZET vom 02.10.1933


Stand: 28.08.2021


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