Hameln, 25.01.2026: Der nachfolgende Text „Ein Glockenschlag“ über den Friedenstreck mit Pferdekutschen, die eine aus Militärschrott gegossene Friedensglocke von Berlin nach Jerusalem brachten, wurde mir von Georg-Wilhem Geckler übersandt. Beim Start am Brandenburger Tor in Berlin am Jahrestag der Kapitulation Deutschlands war er dabei. Im November 2025 konnte die Glocke an ihrem Bestimmungsort in einer arabisch-jüdischen Schule in Jerusalem übergeben werden.
Ein Glockenschlag, der die Welt verband: Der Friedenstreck 2025 nach Jerusalem
Es war eine Reise, die viele für unmöglich hielten. Im Jahr 2025 erreichte der Friedensglocken e.V. sein großes Ziel: Nach einer monatelangen Reise mit Pferd und Wagen erklang die Friedensglocke in Jerusalem. Ein Rückblick auf eine Mission, die Grenzen überwand und Herzen öffnete.
Als sich der Friedensglocken Pferdetreck im Frühjahr 2025 in Brandenburg in Bewegung setzte, schwankte die Stimmung zwischen Euphorie und ehrfürchtigem Respekt vor der Strecke. Vor den Teilnehmern lagen tausende Kilometer quer durch Europa und den Nahen Osten. Das Ziel war klar definiert: Die „Hand in Hand“-Schule in Jerusalem – ein Ort, an dem jüdische und arabische Kinder gemeinsam lernen.
Das Tempo der Sehnsucht: Mit 5 km/h für den Frieden
In einer Welt der Hochgeschwindigkeit wählte der Friedenstreck bewusst die Langsamkeit. Mit durchschnittlich fünf Kilometern pro Stunde bewegten sich die Gespanne durch Tschechien, Österreich, Ungarn und weiter über den Balkan bis in die Türkei. Diese Entschleunigung war das Geheimnis des Erfolgs. „Man kann Frieden nicht erzwingen, man muss ihn erwandern“, betonte Helmut Kautz während der Reise.
Überall dort, wo die Pferde Halt machten, entstanden Begegnungen. Die Glocke, gegossen mit dem Schrott alter Kriegswaffen, wurde zum Magneten für Menschen unterschiedlichster Herkunft, Religion und politischer Gesinnung. An jedem Haltepunkt wurde geläutet – ein tiefes, resonantes Signal, das zur Umkehr und zum Dialog aufrief.
Logistik zwischen Diplomatie und Abenteuer
Die Reise des Jahres 2025 war eine logistische Meisterleistung. Grenzen mussten passiert, Veterinärbestimmungen erfüllt und die Versorgung der Pferde in unterschiedlichsten Klimazonen sichergestellt werden. Ob in den Pässen des Balkans oder in der Hitze der türkischen Grenzanlagen – die Pferde erwiesen sich als die wahren Helden der Reise. Ihre Ruhe und Kraft übertrugen sich auf die Menschen und halfen dabei, so manche bürokratische Hürde durch schiere Sympathie zu überwinden.
Die Ankunft: Ein historischer Moment in Jerusalem
Der emotionale Höhepunkt war der Einzug in Jerusalem. Nach der Überfahrt per Schiff und den letzten Kilometern durch das Heilige Land erreichte der Treck die „Hand in Hand“-Schule. Der Moment, als die Glocke an ihrem Bestimmungsort ankam und zum ersten Mal in der Jerusalemer Luft erklang, war von einem tiefen Frieden und Tränen der Rührung begleitet.
Die Übergabe der Glocke an die Kinder der Schule symbolisierte das eigentliche Anliegen des Trecks 2025: Den nachfolgenden Generationen ein Zeichen zu setzen, dass Verständigung möglich ist, wenn man bereit ist, den weiten Weg aufeinander zuzugehen.
Ein Erbe des Mutes
Der Friedenstreck 2025 hat bewiesen, dass zivilgesellschaftliches Engagement auch in schwierigen Zeiten Brücken bauen kann. Er hinterließ eine Spur der Hoffnung von Brandenburg bis zum Ölberg. Die Glocke in Jerusalem steht nun als bleibendes Denkmal für den Mut all jener, die sich 2025 auf den Weg machten, um der Welt zu zeigen: Der Frieden braucht keine Waffen, er braucht Menschen, die für ihn gehen.
Herausgeber: Friedensglocken e.V. www.friedenstreck.de
herral, 25.01.2025
P.S.: Gastbeiträge beim Boten sollten grundsätzlich einen unmittelbaren Bezug zum Weserbergland haben und sich mit lokalen Themen beschäftigen. Ab und an mache ich mal eine Ausnahme.