NS-Hetzartikel gegen Arno Reichard vom 3. April 1934

In der Nr. 77 des Weser-Echo, dem amtlichen Organ der N.S.D.A.P. (Verbunden mit der „N.T.Z.“ Hannover), Amtliches Blatt für die Städte Hameln, Bad Pyrmont, Bodenwerder, Springe und Eldagsen, sowie die Kreise Hameln-Pyrmont und Springe vom 3. April 1934 erschien auf der Titelseite folgender Beitrag (zitiert):

Wie ist so etwas in Hameln möglich?

Arno Reichard sabotiert die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen-

SPD.-Bonze wagt wieder zu meckern – Bewußte Reaktion gegen den Staat

Wir begrüßen es heute mehr denn je, wenn Hausbesitzer im Zuge des Arbeitsbeschaffungsprogammes versuchen, tatkräftig mitzuhelfen, Volksgenossen Arbeit und Brot zu verschaffen. Jedes Hausbesitzers oberste Afugabe sollte es sein, alle erdenklichen Möglichkeiten zu erfassen, um dem Wunsche des Führers entsprechend, neue Arbeitsgelegenheit bereitzustellen und damit mitzuhelfen, die Arbeitslosigkeit noch weiter herunterzudrücken.

Auch der Besitzer des Hauses Feuergraben Nr. 6 hat sich entschlossen, sich im Sinne der Arbeitsbeschaffung zu betätigen, indem er einen Anbau einer Garage vornahm, über der sich für die Parterre-Wohnung ein neues Zimmer befindet und für den Mieter des 1. Stockes ein schöner Balkon geschaffen wird. Die Parterre-Wohnung, die um ein Zimmer durch den Anbau vergrößert ist, bewohnt der in Hameln sattsam bekannte und „beliebte“ Redakteur der früheren „Volksstimme“ Arno Reichard. Anstatt daß dieser SPD-Bonze diese ihm kostenlos gebotene Verschönerung und Erweiterung seiner Wohnung begrüßt – die er eigentlich viel besser mit einem Konzentrationslager hätte vertauschen müssen – versucht er jetzt durch eine von ihm erwirkte einstweilige Verfügung, das Bauprogramm des Hausinhabers zu sabotieren. Und das, nachdem er erst seine Zustimmung zum Anbau der Garage und des Zimmers an seine Wohnung gegeben hatte.

Da die einstweilige Verfügung ohne mündlihce Verhandlung, also ohne den Beklagten zu hören, erlassen wurde, kann dem Amtsgericht natürlich keinerlei Vorwurf gemacht werden, daß es dem Antrag des Wohnungsinhabers auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung stattgab. Das Amtsgericht kann schließlich auch icht ahnen, daß im Dritten Reich noch derartige SPD-Bonzen versuchen, ihren unheilvollen Einfluß geltend zu machen und bewußt gegen die Maßnahmen der Arbeitsbeschaffung Sturm zu laufen. Dieser Saboteur der Arbeit, dessen unheilvoller Einfluß durch die nationale Revolution in der Öffentlichkeit bereits gebrochen wurde, versucht nun hinterlistig zu unterminieren. Wie weit er dabei geht, beleuchtet die Tatsache, daß er die einstweilige Verfügung deswegen erwirkte, weil er glaubte, daß seine Wohnung durch den Anbau eine Wertminderung erfahren habe.

Die Wertminderung sei dadurch entstanden, daß sein bisheriges Eßzimmer mit dem neuen Zimmer – allerdings seinem Wunsche gemäß – verbunden wurde. Er behauptet nun, daß das Eßzimmer nicht mehr brauchbar sei und geht mit seiner Forderung so weit, daß er sogar verlangt, daß die seit vier Wochen mit seinem Einverständnis an seine Heizung angeschweißten Heizungsröhren des neuen Zimmers wieder abgeschweißt werden. Dieses stellt den Gipfel einer bewußten intrigenhaften Sabotage eines Mannes dar, der meint, nach wie vor als SPD-Bonze die Maßnahmen der Reichsregierung unterbinden zu können.

Wir hoffen und wünschen, daß die in Frage kommenden Stellen sich mit diesem unverantwortlichen Treiben des ehemaligen Funktionärs der SPD, Arno Reichard, noch eingehend beschäftigen werden, um diesem nichtsnutzigen Burschen ein für alle mal das Handwerk zu legen.

Wir alle wollen mit der Reichsregierung Aufbauarbeit leisten, damit alle deutschen Volksgenossen wieder in den Arbeitsprozeß eingegliedert werden, und somit wieder Arbeit und Brot erhalten. Wir können daher nicht dulden, daß ein solches Subjekt wie Arno Reichard unangeprangert noch in unserer Stadt lebt und es sogar fertig bringen soll, noch Schwarz-Rot-Rostrich-Fahnen in seiner Wohnung verborgen zu halten. Eine solche Fahne soll nämlich von dem dort beschäftigten Monteur entdeckt worden sein.     bo.

Bericht als PDF: https://hamelnerbote.de/wp-content/uploads/2019/01/2019-01-31-HM-Bote-Arno-Reichard-Weserecho.pdf

Historischer Zeitungsbericht (Quelle Stadtarchiv Hameln) als PDF: https://hamelnerbote.de/wp-content/uploads/2019/01/1934-04-03-Weser-Echo-braun-1.pdf

Weitere Infos zu Arno Reichard auch unter: https://hamelnerbote.de/?p=1536

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.