Hameln, 29.01.2026: Der DEWEZT-Chefredakteur Thomas Thimm veröffentlichte am Sonntag dem 25.01.2026 um 17.00 Uhr online, gedruckt in der Ausgabe vom Montag 26.01.2026 einen Bericht über eine Online-Petition zur Verkehrsregelung in der Gartenstraße. Der Artikel berichtet groß aufgemacht über den Protest einer Anwohnerin, die ein Petition wegen der umgedrehten Einbahnregelung der Gartenstraße verfasst hat. Noch am Sonntag dem 25.01.2026 versandte ein anderer Anwohner der Gartenstraße einen Brief an Herrn Thimm und die DEWEZET-Redaktion, die eine andere Sichtweise schilderte. Dieser Brief wird nachfolgend mit Einverständnis des Verfassers hier veröffentlicht. Eine Reaktion der DEWEZT ist bisher nicht erfolgt. (Siehe Anmerkung am Ende des Beitrags)
Sehr geehrter Herr Thimm, sehr geehrtes Dewezet-Team,
als langjähriger Anwohner der Gartenstraße wende ich mich nicht nur in eigener Sache an Sie, sondern stellvertretend für viele Nachbarinnen und Nachbarn, die die seit 2013 geänderte Verkehrsführung mit großer Sorge und Frust verfolgen. Gerne möchte ich als Anwohner eine weitere Perspektive in die aktuelle Diskussion um die Verkehrsregelung der Gartenstraße einbringen.
Ich bin selbst in dieser Straße aufgewachsen. Als Kinder haben wir damals noch ganz selbstverständlich auf der Straße gespielt. Etwas, das heute kaum noch vorstellbar ist. Der zunehmende Durchgangsverkehr und die teils hohen Geschwindigkeiten haben die Gartenstraße in den vergangenen Jahren stark verändert. Spätestens seit der Umkehrung der Verkehrsregelung im Jahr 2013 ist der Verkehr in der Gartenstraße spürbar explodiert. Für Familien mit Kindern, so auch für uns mit drei Kindern, bedeutet das eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität und vor allem ein echtes Sicherheitsproblem.
Seit dieser Umkehrung hat sich die Gartenstraße zunehmend zu einer Abkürzung für den Durchgangsverkehr entwickelt. Mehr Autos, höhere Geschwindigkeiten, mehr Gefahr. Für uns Anwohner ist das keine theoretische Debatte, sondern tägliche Realität. Wer hier lebt, spürt die Folgen unmittelbar – besonders Familien mit Kindern.
Wir bringen unsere Kinder an jedem Werktag mit dem Fahrrad in die Kita in der Nordstadt. Genau dafür brauchen wir sichere Straßen und Gehwege. Wohnstraßen, die wieder zu gefährlichen Durchgangsrouten werden, stehen einer zukunftsfähigen, umweltfreundlichen Mobilität diametral entgegen.
Aus meiner Sicht sollte ein klarer Grundsatz gelten: Gleiches Recht für alle und Durchgangsverkehr raus aus Wohngebieten. Dieses Ziel verfolgt die Stadt an vielen anderen Stellen bereits konsequent. In Neubaugebieten ist es heute Standard, den Durchgangsverkehr planerisch zu vermeiden, etwa am Riesackweg, in Tündern oder im Klütviertel. Dort wird anerkannt, dass Wohngebiete keine Abkürzungen für den Autoverkehr sein dürfen.
Auch moderne Stadtentwicklungskonzepte wie die sogenannten Super-Blocks zeigen, wohin die Entwicklung geht: Wohnquartiere werden vom Durchgangsverkehr befreit, Straßen wieder zu Lebensräumen, in denen sich Menschen sicher bewegen können, insbesondere Kinder. Dieses Prinzip findet sich in vielen Städten und gilt als wichtiger Baustein für lebenswerte Quartiere.
Wer eine erneute Öffnung der Gartenstraße fordert, bestätigt letztlich selbst das eigentliche Problem: Sie wird als Abkürzung genutzt. Genau das widerspricht jedoch einer zukunftsorientierten Stadtentwicklung. Positive Beispiele auch in der Nordstadt, etwa die Goethestraße, zeigen, dass eine Reduzierung des Durchgangsverkehrs möglich ist und von vielen Anwohnern ausdrücklich begrüßt wird.
Natürlich bedeuten Verkehrslenkungen für manche Menschen Umwege. Doch Bequemlichkeit darf nicht höher gewichtet werden als Sicherheit, Lärmschutz und Lebensqualität in Wohngebieten. Wer Wohnstraßen für den Durchgangsverkehr öffnet, verlagert Probleme auf die Schwächsten: Auf Kinder, ältere Menschen und Anwohner.
Abschließend würde ich es sehr begrüßen, wenn die Dewezet dieses Thema im Rahmen einer breiteren Berichterstattung oder einer offenen Diskussionsrunde weiter vertieft. Eine ausgewogene Betrachtung, die alle Perspektiven einbezieht, wäre für die Anwohner und für die Bewohner der Stadt Hameln insgesamt ein echter Gewinn.
Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Familie Greszik

Anmerkung: #deweztkorrektiv weil: Als der SPD Ortsverein Hameln am 28.01.2026 um 21.41 Uhr eine Pressemitteilung im Sinne der Kritik an der Verkehrsführung Gartenstraße übersandte, veröffentlichte Herr Thimm am Folgetag um 12 Uhr einen Bericht dazu. Es zeigt sich wie schon in der Berichterstattung um den Radweg zwischen Hastenbeck und Afferde. Herr Thimm kommuniziert nur die Sichtweise, die ihm gefällt. Ausgewogene Berichterstattung geht anders.
herral, 29.01.2026