Hameln, 13.03.2025: Am 14.02.2026 berichtete die DEWEZET auf der Titelseite: „Tolles Projekt – Startschuss für Hamelns neues Weserufer“ und „Uferböschung geht es an den Kragen“.
„Steintreppen statt Gestrüpp“ heißte es über den Startschuss für die Umgestaltung des Weserufers. Ab dem 16. Februar sollen Bäume, Sträucher und Bodendecker am Ufer entfernt werden, die Bäume auf der jetzigen Wiesenfläche unterhalb der Rattenfängerhalle aber erhalten bleiben. Nur quasi nebenbei berichtet der Redakteur in einem extra Kästchen und der Überschrift „Umgestaltung wurde immer teurer“ von der Preissteigerung von ursprünglich 3,3 Mio. Euro auf mittlerweile sieben Millionen Euro.
Am 17.02.2026 berichtet die Zeitung dann mit Bildern von zwei jungen Männern mit einer Kettensäge über die Forstdienstleister, die das Weserufer umgraben und die ersten Schritte für die „Sieben-Millionen-Euro-Umgestaltung“.
Im Bericht liest man nicht, dass entgegen der ursprünglichen Ankündigung ein großer Baum auf der Wiesenfläche unterhalb der Rattenfängerhalle gefällt wurde. Verwunderlich. Der Baum ist, sorry war… wirklich markant.

Auf Nachfrage des Boten erklärt die Verwaltung: „Der Baum liegt in den zentralen Achsen der Planungen. Der Wegfall des Baumes war bereits Ergebnis des Wettbewerbs. Eine Umplanung war aus unserer Sicht nicht angezeigt, da das Planungsergebnis in der Gesamtkonzeption stimmig ist.“

Kleiner Blick zurück: Beim heftigen Konflikt um die Neugestaltung der Fußgängerzone Hameln vor 20 Jahren spielte die fehlende Grüngestaltung mit dem Konzept der „steinernen Stadt“ ohne Bäume und Pflanzbeete (freie Sicht auf die Fassaden) eine wesentliche Rolle. Wie falsch die Planungen damals waren, haben die teuren temporären Nachbesserungen mit mobilen Grünpflanzen und Sitzmöglichkeiten im Rahmen der Stadtmarketingaktion „Hameln komm wie du bist“ gezeigt. Die Marketingaktion „Klimakiste“ brachte mit vielen Schautafeln und Ideen die Bedeutung von Bäumen und Grünflächen für eine klimagerechte Stadtgestaltung ins Zentrum. Hier wurden wissenschaftliche Inhalte dargestellt, die der BUND Hameln über Jahrzehnte, angefangen mit der Ausstellung „grün kaputt“ im Hochzeitshaus Hameln im Jahr 1993, damals ehrenamtlich und kostenfrei, versucht hatte zu vermitteln.
Auch durch die sehr positiven Aussagen städtischer Papiere zur Bedeutung des Stadtgrüns bei der Notwendigkeit einer Klimafolgenanpassung entstand der Eindruck, es hat sich im Denken der Stadtplaner in Hameln etwas verändert. Es gab das politische Versprechen des Oberbürgermeisters: „3.000 neue Bäume“ und zwei große gute Baumschenkaktionen. Es gab Hoffnung.
Jetzt aber zeigt sich der Realitätsschock am Europaplatz : Nein, sie haben nichts verstanden und machen weiter wie 2006.
Die Bewertung zum Europaplatz ist einfach: So etwas macht man im Jahr 2026 nicht. Niemals! Hier wurde zuletzt noch auf der Grünfläche (nicht nur direkt am Weserufer) ein solitär stehender gesunder, markanter Baum gefällt. Dieser Baum hatte von seiner Klima- und Stadtbildwirkung einen bedeutenden Wert. Nachpflanzungen können diese Wirkung erst in 30 oder 40 Jahren auch nur ansatzweise wieder herstellen. Es ist ein absolut unverständliches Unding, solche einen Baum nicht in die Veränderungsplanung als im Bestand zwingend zu erhalten einzustufen. Das Abhacken dieses Baumes hat einzig als Augenöffner noch sein Gutes. Was für Pläne setzt die Stadtverwaltung da eigentlich um? Wer nachschaut, dem wird deutlich: Aus dem ehemals grünen Europaplatz wird am Weserufer eine Pflastersteinwüste werden.
Zur Erinnerung. So sah der Baumbestand am Europaplatz noch im Mai 2022 (Fotos Google – Stephan Siering) aus:
Danach wurde konsequent abgeräumt:


Die Planskizzen offenbaren eins: Hamelns Pflastersteinaufkäufer haben viel zu tun. Das Weserufer wird mehr als vorher mit Steinen vollgeknallt / versiegelt:
Bitte lassen Sie sich von den Bäumen auf den Bildern nicht täuschen. Bis die so groß sind, vergehen locker 20 Jahre.
Hätte man tatsächlich einen grünen Platz haben wollen, dann hätte man die bestehenden Bäume nicht gefällt, sondern um sie herum neu geplant. Abhacken und neu pflanzen ist die Devise der modernen Stadtplanung. Im Zentrum steht nicht das „Grün“ – im Zentrum stehen Steine und Beton.
Es braucht m.E. wenig Phantasie um sich vorzustellen, dass schon kurz nach Fertigstellung des neuen Europaplatzes die Forderungen nach „Schattensegeln“ und technischen Luftbefeuchtungsmaßnahmen zur Belebung des in glühender Sommerhitze menschenleeren, aber frisch gepflasterten neuen Europaplatzes aufkommen.
Die Stadtverwaltung Hameln berichtet am 13.03.2026 über eine Flächenentsiegelung auf 300 Quadratmeter an der Thiewallbrücke. Als Ersatz aber werden dort nicht etwa Bäume gepflanzt, es soll eine „Fettwiese“ auf nährstoffreichen Boden entstehen. Es handelt sich laut Verwaltung um eine Ausgleichsmaßnahme für die am Europaplatz durch Neuversiegelung und Baumfällungen entstandenen Schädigungen. Hier wird mit schönen Worten beschrieben, was m.E. nichts anderes als ein billiges Freikaufen und greenwashing.
Einstimmig beschlossen wurde die Maßnahme Europaplatz im Rat am 30.10.2025.
Siehe: https://ris.hameln.de/ris/hameln/file/getfile/85800
Mit traurigen Grüßen
Ralf Hermes
Zahlen:
Befestigte Flächen Außenanlagen Europaplatz: 5.753 Quadratmeter. Vegetationsflächen: 6.967 Quadratmeter.
Quelle: https://ris.hameln.de/ris/hameln/file/getfile/85800
Siehe auch:














