Hameln, 07.02.2026: Folgender Gastbeitrag von Merve Mareike Nietardt berichtet von der Stolpersteinverlegung in Hameln und Ottenstein:

Das Schweigen des Wegschauens brechen
Am Freitag dem 6.2.2026 wurden mit der Unterstützung u.a. von Bunt statt Braun insgesamt 22 Stolpersteine in Salzhemmendorf, Hameln und Ottenstein verlegt.
In Salzhemmendorf setzte der erste Stolperstein von insgesamt fünf für die Opfer der Euthanasie ein wichtiges Zeichen für die gegenwärtige Aufarbeitung der tragischen Tode von Menschen mit Behinderungen im Nationalsozialismus.
Seit dem Jahre 2021 setzte sich die damalige Vorsitzende Nina Schaper vom Kreisbeirat für Menschen mit Behinderungen dafür ein, dass eine regionale Erinnerungskultur des Nationalsozialismus für die Menschen, die durch die Euthanasie zu Tode kamen, entsteht. Mit diesen insgesamt fünf Stolpersteinen für die Opfer der Euthanasie legt nun Bernhard Gelderblom einen wichtigen Meilenstein, damit diese schwierige Aufarbeitung gelingt. Diese Stolpersteine als Mahnmale der Euthanasie eröffnen in dem „nie wieder“ auch wichtige Wege der Inklusion & Vielfalt. Bernhard Gelderbloms umfangreiche Recherche ergab, dass die Euthanasie besonders arme Menschen betraf. Diesen Familien wurde die Versorgung von ihren betroffenen Familienmitgliedern, überwiegend Kinder, mehrfach erschwert.
Zwangssterilisation, Hausarrest und die Einweisung nach T4 in eine Tötungsanstalt blieben für diese Familie nur ein hoffnungsloser Weg. Jene Familien wurden mit strafrechtlichen Anzeigen und regelmäßigem Druck durch die Behörden, sowie vom sozialen Umfeld dazu genötigt, ihre Familienmitglieder in den sicheren Tod zu schicken. Vermögende Familien hatten damals mehr Möglichkeiten ihre betroffenen Familienangehörigen zu schützen.
Zu den fünf Stolpersteinen der Euthanasie wurden an diesem Tag weitere 17 Stolpersteine für jüdische Menschen verlegt, begleitet von Zeitdokumenten, Zeitzeugen und Angehörigen.
In Ottenstein wurden an diesem Tag 15 Steine den jüdischen Menschen gewidmet, Angehörige und zwei jüdische Rabbinerinnen begleiteten diese mit Gebeten und Gesang. Die Besonderheit in Ottenstein lag in der Abgeschiedenheit. Die jüdischen Menschen aus Ottenstein waren zu weit von Städten entfernt, damit eine rechtzeitige Flucht gelingen könnte.
Die große Stolpersteinlegung wurde mit Bernhard Gelderblom, Zeitzeugen und in Ottenstein von Angehörigen, sowie in Hameln von zwei Schulen – Schiller Gymnasium und Viktoria Luise Gymnasium – und der kommunalen Politik begleitet. Sowohl die stellvertretende Landrätin Elke Domeier, als auch der Hamelner Oberbürgermeister Claudio Griese nahmen sich an diesem Tag viel Zeit, diese wichtige Erinnerungskultur zu begleiten. Besonders für die Opfer der Euthanasie wurde mehrfach starkes Bedauern ausgesprochen. Die Schülerinnen mit allen aktiven Beteiligten vor Ort verdeutlichten, diese Erinnerungskultur der Stolpersteine aktiv zu nutzen. Diese Stolpersteine bieten einen Weg der Versöhnung mit der Vergangenheit an, in dem sie notwendige Empathie und Lebensmut fördern. Jeder Stolperstein bricht das unerträgliche Schweigen vom Wegschauen.
Merve Mareike Nietardt
Frau Niethardt ist Ratsfrau der Stadt Hameln für die Partei Bündnis 90/Grüne. Zudem engagiert sie sich in der Igelstation „Weserigel“.
radio aktiv berichtet über die Stolpersteinverlegung hier:
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herral, 07.02.2026










