Vorbildlich: Bad Pyrmont stellt sich seiner NS-Geschichte

Hameln, 12.04.2026: Noch bis zum 28. Juni 2026 ist im Museum des Schloss Bad Pyrmont sowie gegenüber in der „Villa am Palmengarten“ die sehenswerte Ausstellung über die NS-Zeit in Bad Pyrmont zu sehen.

Ein Ausstellungsbesuch:

„Ein Weltbad wie Pyrmont“ Kurstadt und Nationalsozialismus

Das Museum im Schloss beleuchtet erstmals die bis dato nur kaum erforschte Geschichte des Nationalsozialismus in der Kurstadt. Die Sonderausstellung thematisiert die historischen Ereignisse und Prozesse Bad Pyrmonts während der nationalsozialistischen Herrschaft. Dazu gehören etwa die politische Radikalisierung, die Machtübernahme mit politischer Gleichschaltung der Gesellschaft, die Rolle der lokalen NS-Elite, der Alltag der Bad Pyrmonter Bevölkerung, die Verfolgung politischer Gegner und religiöser Minderheiten, der Ausschluss jüdischer Menschen aus der rassisch konzipierten nationalsozialistischen ‚Volksgemeinschaft‘, Krieg und Zwangsarbeit.


Ich habe mir am Freitag den 10.04.2026 die Ausstellung im Schloss, wie auch in der „Villa am Plamengarten“ angesehen.


Hier ein Bilderfilm mit Impressionen vom Rundgang (ohne Ton):


Den Ausstellungsmachern gebührt Dank. Seit 2020 arbeiten das Museum im Schloss, die Pyrmonter Theater Companie und das Historische Seminar der Universität Hannover in unterschiedlicher Konstellation und Intensivität an der Aufarbeitung der NS-Zeit in Bad Pyrmont. Diese Arbeit ist beispielhaft!


Ich möchte auf einige besonders interessanter Themenfelder der Ausstellung eingehen:

Die Zeitungen:

In Bad Pyrmont gab es laut eines Ausstellungstextes den Pyrmonter Anzeiger und die Pyrmonter Zeitung, welche am 24. August 1935 zusammengeführt und fortan unter Pyrmonter Zeitung liefen. Diese Zeitung wurde zum 1. Juni 1941 aufgrund der Erfordernisse der Kriegswirtschaft eingestellt. Die Lokalberichterstattung übernahm von da an die „Niedersächsische Tageszeitung“ (NTZ) – Weserbergland – Pyrmonter Zeitung als amtliches Organ der NSDAP und der Behörden in Bad Pyrmont und im Kreise Hameln-Pyrmont. Am 1. 02.1943 fusionierte die NTZ mit dem Hannoverschen Anzeiger zur Hannoverschen Zeitung. Lokale Berichterstattung gab es nur noch vereinzelt, wie auch in der DEWEZET, die bis 1945 regelmäßig erschien.

Diese wenigen Zeilen aus der Quelle des Stadtarchiv Bad Pyrmont zeigen eines. Die Zeitungsgeschichte im Weserbergland in der Zeit von 1919 -1945 bedarf noch einer Aufarbeitung.


Die Polizei in Pyrmont zur Zeit der Nationalsozialisten


Die SA in Bad Pyrmont


Ein Täter: Hans Zuchhold

Die NSDAP Parteikarte von Hans Zuchhold findet sich übrigens hier:

https://www.zeit.de/wissen/2026-04/nsdap-mitgliederkartei-karteikarten-familienmitglieder-suche#mfok-z0094-2460

Demnach ist Hans Zuchhold am 01. Mai 1928 in die NSDAP eingetreten. Mitgliedsnummer 88450.


Hörenswert: Die Biographie von Hans Zuchold als Podkastsbeitrag ist hier zu hören:


Die Aufarbeitung der Tätergeschichten für Hameln steht noch weitgehend aus.


Sehenswert sind auch die eigens für die Ausstellung erstellten Illustrationen von Malte Wulf. Einige Beispielbilder:


Zur Homepage der Ausstellung:

https://www.museumpyrmont.de/aktuelle-ausstellung


Podcast-Dateien:



Fundsache: Quellendokumente zu Bad Pyrmont im Nationalsozialismus:


herral, 12.04.2026

Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold versuchte auch in Bad Pyrmont zur Zeit der Weimarer Republik die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten zu verhindern. Die lokale Geschichte der Männer des Reichsbanners ist noch nicht erforscht. Eine Sammlung von Berichten aus der Zeitung „Das Reichsbanner“ ist hier zu finden:


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