Erinnern am jüdischen Friedhof Hameln anlässlich des Holocaustgedenktages 2022

Hameln, 27.01.2022: Mit Spitzhaken sind sie losgezogen und haben den damals noch mit hohen Bruchsteinmauern eingegrenzten Friedhof geschändet. Die Grabsteine zerstört. Den Arzt Dr. Kratzenstein haben sie nach dem Synagogenbrand ins KZ geschleppt und so misshandelt, das man ihm nach der Entlassung nicht wiedererkannte. Als er infolge der Verletzungen verstarb, wurde er von befreundete Menschen unter großer Gefahr heimlich auf dem zerstörten Friedhof verscharrt. Die entfernten und zerstörten Grabsteine wurden erst auf Weisung der Briten nach Ende des Krieges soweit es ging wiederher- und aufgestellt. Nachträglich wurde ein Stein zur Erinnerung an Dr. Kratzenstein errichtet. Der Friedhof in der Scharnhoststraße ist ein Täter- und ein Opferort.

Auf Einladung der jüdischen Gemeinde, der ev. Jugend und des Verein für Kultur- und Zeitgeschichte Hameln war der Friedhof Veranstaltungsort für die lokale Holocaust-Gedenkstunde in diesem Jahr. Rund 40 Menschen folgten der Einladung und lauschten den Jugendlichen, die drei von Bernhard Gelderblom recherchierte Texte über das Schicksal Hamelner Menschen vorstellten.

Anschließend wurden Kerzen aufgestellt, um sich an der Aktion #LichterGegenDunkelheit zu beteiligen.

Nach 30 Minuten war die würdevolle Veranstaltung zu Ende. Gleich danach begann ein Platzregen.


Die Ev. Jugend Hameln-Pyrmont hat ein Video der Veranstaltung bei Youtube eingestellt. Hier können die Reden auch nachträglich noch gehört werden:


Um 18 Uhr wurde eine Veranstaltung der VHS Hameln mit einer Lesung über Sophie Scholl mit einem Grußwort des Oberbürgermeisters auf Radio Aktiv gesendet.

Lokale Repräsentanten aus Politik, Verwaltung oder Behörden sind mir bei der Veranstaltung auf dem Friedhof nicht aufgefallen. Vielleicht habe ich sie aber auch in der Dämmerung und mit Abstand und Maske nur nicht erkannt. (Korrektur: Anwesend war der Bürgermeister Hagen Langosch und die stellvert. Fraktionsvorsitzende der Grünen Irene Wester.)

Nachdenklich macht mit der Umstand, das seit mehreren Wochen hunderte sog. Montagsspaziergänger ihren sprachlosen Egoismus bis hin zu einer verschwurbelten Staats-, Wissenschafts- und Pressefeindlichkeit demonstrieren. Das es dabei nicht „nur“ um Corona geht, sondern die Menschen vom Grundkonsens unseres Wertesystemas abdriften, besorgt mich. Nicht allein die AfD und einige Kleinstparteien entgrenzen nach rechtsaußen. Beispielzitat aus Querdenken515 „Hameln“ vom 25.01.2022: „„Deutschland wird als letztes die Maßnahmen fallen lassen. Träge Aussitzhaltung gepaart mit schäferhündischem Gehorsam, Vollkasko-Mentalität, ekelhaftem Moralweltmeistertum und fanatisch zelebriertem Schuldkult sind eine echt beschissene Kombination.“

Hoffen wir, das Corona-Vernunft der Grund des Fernbleibens vieler von der Gedenkveranstaltung zum Holocausttag in Hameln war.

#lichergegendunkelheit

#weremember

Zusammenstellung vom 27.01.2022, herral

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