Hamelns Baumfällliste – Unklarheiten über die Anwendung. Reform fällig.

Hameln, 05.02.2022: Die jährliche Baumfällliste der Stadt Hameln dient der Transparenz und Erläuterung. Immer dann, wenn stadtbildprägende Bäume, die auf kommunalen Flächen stehen, gefällt werden, kann man der Liste den Grund dafür entnehmen. Auch wird vermerkt ob und wo Ersatzpflanzungen vorgenommen werden. Die Fällliste ist gekoppelt mit einer Nachpflanzliste und so ist für alle nachvollziehbar, wann und wo die Ersatzbäume gepflanzt wurden.

Gut und auch ganz einfach. In der Realität ist das allerdings nicht so, wie das Beispiel 2021 zeigt.

Logischerweise wird die Fällliste jeweils zum Herbst des Jahres mit Beginn der Fäll-Saison im Umweltausschuss vorgestellt. Die Liste ist dann öffentlich und wurde bisher auf der Internetseite der Stadt Hameln eingestellt. Für 2021 hat das nicht geklappt. In der letzten Ausschusssitzung des Jahres gab es Unklarheiten. Die Liste wurde nicht veröffentlicht – und ich bekam diese erst nach mehrfacher Nachfrage zugesandt.

Siehe Bericht https://hamelnerbote.de/archive/17629


Beachte: Nicht in die Fällliste aufgenommen werden Bäume, die im Rahmen von Baumaßnahmen gefällt werden. Hier erfolgt die Dokumentation im Rahmen der Bauleitplanung. Beispiele hier sind z.B. das Gewerbegebiet „Wilhelm-Lampe-Straße“ oder das Neubaugebiet „Einsiedlerbach„. Hier werden teilweise vollständig durchgrünte Flächen mit vielfältigem, auch altem Baumbestand geräumt.


Seit einer ganzen Reihe von Jahren dokumentiere ich den „Baumschwund“ in unserer Stadt und fertige Fotos. Auch in 2021 habe ich mir die Mehrzahl der zu fällenden Bäume, so ich sie denn noch gefunden habe, angesehen.


z.B. Fällung eines als „stadtbildprägend“ eingestuften Spitzahorn (nicht verkehrssicher) auf dem Spielplatz an Schlägers Teich.


Aktuell ist aufgefallen, dass es weitere Fällmarkierungen (große rote Kreuze an den Bäumen) im Bereich der Straße „Am Schöt“ gab. Diese Bäume waren in der Fällliste 2021/22 nicht verzeichnet.

Bildquelle: Ratsinformationssystem der Stadt Hameln

Die markierten Bäume wurden zwischenzeitlich gefällt.

In der Bürgerfragestunde erhielt ich auf die Fragen nach dem Grund der Fällungen und dem Fehlen auf der Liste die Antwort, dass es sich nicht um „stadtbildprägende“ Bäume gehandelt habe.


Im Umweltausschuss wurde die Baumfällliste 2021/22 nicht aktualisiert besprochen. Unter dem Tagesordnungspunkt „Umgestaltung des Wilhelmsplatzes“ wurden keine Baumfällmaßnahmen im Zusammenhang mit der Neugestaltung bekanntgegeben. In der Planzeichnung sind keine Fällungen vermerkt.

Bildquelle: Ratsinformationssystem der Stadt Hameln

Einen Tag nach der Sitzung bemerkte ich Fällmarkierungen an großen (stadtbildprägenden) Bäumen am Wilhelmsplatz / Hamelbrücke.

alles eigene Fotos

Zur Klärung der Hintergründe der Fällmaßnahmen habe ich die Stadtverwaltung angeschrieben.


Fazit:

Die Stadt Hameln hat ein Defizit im Umgang mit ihren Bäumen. Selbst einfache Verwaltungsschritte (welche Bäume werden gefällt, wann wird wo nachgepflanzt) sind nicht nachvollziehbar. Zudem gibt es durch die fehlende Zusammenführung von Fällmaßnahmen und Nachpflanzungen aufgrund von Unterhaltungs- und Bebauungsplanentscheidungen kein einheitliches Bild über die Grünentwicklung unserer Stadt. Auch zusätzlich geplante Baumpflanzmaßnahmen (3.000er Programm des Oberbürgermeisters) unabhängig von den obigen Maßnahmen sind nicht nachvollziehbar.

Der stadtgestalterischen, wie ökologischen Bedeutung von Grünstrukturen in unserer Stadt wird dieser nach außen unstrukturiert wirkende Umgang nicht gerecht. In Anbetracht der herausragenden ökologischen Probleme und der positiven klimatischen Wirkungen einer Begrünung besteht Verbesserungsbedarf. Der Verwaltungsaufwand für mehr Transparenz besteht in einer Zusammenführung vorhandener Daten an einer zentralen Stelle.

Sinnvoll wäre zudem ein Evaluationsbericht zur Baumschutzrichtlinie der Stadt.

Es ist zu wünschen, dass sich der neu konstituierte Rat auf ein zeitgemäßeres Verfahren einigt.


Hameln, 05.02.2022, Ralf Hermes

3 Gedanken zu „Hamelns Baumfällliste – Unklarheiten über die Anwendung. Reform fällig.“

  1. Man*Frau soll Sie an ihren Taten messen!
    Die 3000 neuen Bäume in Hameln, die OB Griese verspricht, halte ich für eine mentale Verzückung im Rahmen des Wahlkampfes. Nun, lassen wir uns überraschen und zücken den Abakus. Es sollte zumindestens mal eine Startpflanzung durch Herrn Griese erfolgen unter der Iventar-Nummer 3000/1. Ab dann wird weitergezählt.

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