Hameln, 05.04.2025: Das Tachels-Newsletter von Hamelns DEWEZET-Chefredakteur vom 16.03.2025 hatte es in sich. Erstmalig wurde es am 17.03.2025 in der Zeitung selber abgedruckt. Vermutlich wird sich der Chefredakteur mit seinen Zeilen dieses Mal Ärger von ganz anderer Seite eingeholt haben. Bedeuten seine Aussagen doch letztendlich eine Zeitenwende hin zu den Positionen die der Umweltschutzverband BUND in Hameln schon vor mehr als 30 Jahren in Sachen Süddurchfahrung vertrat.
Anlass für eine Informationszusammenstellung zum Straßenbauprojekt:
Zunächst zum Sachstandsbericht des DEWEZET-Verkehrsredakteurs Marc Fisser vom 12. März 2025 (Hameln Seite 12). Hier findet sich eine aktuelle Zusammenfassung des Planungsstandes.
Einige Stichworte:
- Genehmigungsverfahren ruht nach einem Gerichtsurteil des OVG Lüneburg aus dem Jahr 2015. Hier hatten Anwohner aus Rohrsen/Afferde Fehler in den Umweltplanungen festgestellt und das Verfahren richterlich stoppen lassen.
- Diese Fehler sollen jetzt fast abschließend behoben worden sein. Derzeit würde eine obligatorische Kostenfortschreibung erstellt, die anschließend auf Landes- und auf Bundesebene geprüft wird.
- Im Bericht wird die Zahl 200 Millionen Euro als Spekulation zu den Baukosten genannt. Die Verantwortlichen des Straßenbauamtes wollten sich nicht festlegen.
- Der Leiter des Straßenbauamtes vermutet, dass die Kostenprüfung zwei Jahre dauern wird.
- Folglich könnte vielleicht im Jahr 2027 das formelle (3.) Planfeststellungsverfahren mit der Öffentlichkeitsbeteiligung weitergehen. Nach Abschluss im Jahr 2028 (mit erneuter Klagemöglichkeit bei evtl. Fehlern) könnte günstigstenfalls in diesem Jahr mit der Ausführungsplanung begonnen werden.
- 2030 könnte dann mit dem Baubeginn im Abschnitt Afferde-Rohrsen werden.
- 2040 wäre dann evtl. mit der Fertigstellung des Gesamtprojektes gerechnet werden.
- Voraussetzung ist, dass das Projekt im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes bleibt.
- In einer Grafik stellt die Zeitung mit Zahlen die mögliche Verkehrsverlagerung im Jahr 2035 (Verkehrsabnahme / Verkehrszunahme) dar. Dazu die These, dass insbesondere die Münsterbrücke, der Ostertorwall und Afferde vom motorisierten Verkehr entlastet würde.

Chefredakteur Thomas Thimm schreibt dann am 17. März 2025 unter der Schlagzeile: „Braucht Hameln die Südumgehung wirklich? – Seit fast 100 Jahren diskutiert – aber es wäre an der Zeit, eine neue Debatte zu führen“.
Einige Stichworte:
- Fragen nach Sinn, Kosten, Nutzen, Alternativen
- Für wen soll die Straße sein? Wie viele Autofahrer sind das? (Transitanteil). Herr Thimm behauptet, dass die Landesbehörde hier keine konkrete Zahl benennen kann.
- 200 Millionen Euro Steuergeld für sieben Kilometer Straße? Herr Thimm hinterfragt die Kostenberechnung und bezeichnet sie als Vabanquespiel.
- Verweis auf die Elektrifizierung des Straßenverkehrs und dem Umstand, dass 2040 nach den allermeisten Studien von 50-70 % Fahrzeugen ohne Gestank und Lärm ausgegangen werden kann.
- Frage: Passt dieses monströse Bauwerk in unsere Landschaft. Ausführungen zum konkreten Straßenbau mit Brücken und einer drei Kilometer aufgeständerten Hochstraße und den Auswirkungen für die unmittelbar betroffenen Menschen und die städtische Optik
- Aufforderung zu einer Bürgerbefragung.
Anmerkung: Zu den Entlastungszahlen findet man auf der Homepage des Straßenverkehrsbehörde Nds. folgende Aussage: „Wird für den Bereich der Deisterstraße ein Rückgang von 4.500 Kfz/24 h berechnet, so liegt die Entlastung beim Innenstadtring und der Pyrmonter Straße bei 10.100 bis 12.500 Kfz/24 h.“
Zum Newsletter: https://www.dewezet.de/lokales/hameln-pyrmont/kommentar-braucht-hameln-die-geplante-suedumgehung-denn-ueberhaupt-SILJZW5JGBD2ZA3M5GFRTOUXHM.html

Der Umweltverband BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland), Kreisgruppe Hameln-Pyrmont, hat auf seiner Archivhomepage die Frage „Braucht Hameln die Süddurchfahrung?“ mit einer ausführlichen Dokumentation der Aktivitäten von 1991 bis 2017 hinterlegt. Dazu gibt es Bildervideo als Zeitreise:
Zur BUND Themenseite:
Hier findet man sämtliche Planunterlagen des Nds. Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr:

Am 04.04.2025 veröffentlich die DEWEZET ein sehenswertes Video: „Drohnenflug über Hameln – Hier soll die Südumgehung entstehen!“
Ralf Hermes, 05.04.2025
Nachsatz: In meiner Zeit als BUND-Vorsitzender in Hameln habe ich vielfach vor den negativen Folgen der Süddurchfahrung gewarnt, Stellungnahmen geschrieben und Veranstaltungen mitgestaltet. Insofern sind die obigen Zeilen genauso vorbelastet wie die Schreiben der DEWEZET-Redakteure, die sich (bisher zumindest) stets sehr eindeutig für ein „Pro-Südumfahrung“ positioniert hatten. Dieses war nach meiner Einschätzung auch der Offizielle Verleger-Kurs. So musste ich mir zunächst die Augen reiben, als ich das Tacheles-Newsletter zur Süddurchfahrung las.
Da das Straßenbauprojekt die Stadt Hameln nicht umgeht, sondern durchquert verwende ich im Text den Begriff „Süddurchfahrung“ Hameln.