Meinung zur Straßennamendiskussion: Lessing-THE Campus-Linsingen-Heinrich-Lassel-Weg… (?) Umweltausschuss Hameln am 09.06.2022

Hameln, 12.06.2022 : Vorbemerkung – dieses ist ein Meinungsbericht. Das heißt, ich bin in der Berichterstattung zur Benennung der Straßen und Plätze auf dem Gelände der Linsingenkaserne nicht neutral und schaffe es nicht, Bericht und Kommentar deutlich/neutral zu trennen.

Jetzt zum Thema:

Es war wirklich kein Ruhmesblatt, was sich Stadtverwaltung und Oberbürgermeister in der Frage der Straßenbenennung des ehemaligen Linsingengeländes geleistete haben. Aber der Reihe nach: Ich selber habe das Gelände bis vor einigen Monaten auch umgangssprachlich nach dem von den Nationalsozialisten verehrten Weltkriegsgeneral genannt und somit auch im Jahr 2021 sprachlich der Kriegspropaganda der Nazis Folge geleistet. Gedankenlos, ohne bösen Willen, aus Unwissenheit heraus. So wie viele tausend Menschen in Hameln wohl auch.

Die Wege aber trennten sich, als die Geschichte des Namens bekannter wurde und spätestens jetzt jeder die Möglichkeit hatte, die Namensvergabe in Hameln nachzuvollziehen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar: Das geht gar nicht! Im Rat aber gab es Menschen, die an dem Namen Linsingen festhalten wollten. Die CDU hatte sich da klar positioniert.

Der zweite Namensvorschlag „Am Campus“ war zwar unbelastet, aber einfallslos und langweilig.

Als dann der Name „Ada Lessing“ als Alternativvorschlag ins Spiel kam, hab ich hier über diese eindrucksvolle Frau Informationen zusammengetragen. Sie hat eine vorbildliche Aufbauarbeit in der Weimarer Republik für die Erwachsenenbildung (Gründung der Volkshochschule Hannover) geleistet. Sie hatte mit ihrem Mann so ein schweres Schicksal unter der Verfolgung des NS-Regimes zu erleiden. Sie überlebte, anders als ihr Mann, der spektakulär von den Nationalsozialisten ermordet wurde. Nach dem Krieg kam sie ins Weserbergland und leistete Wiederaufbauarbeit sowohl für die Bildung, wie auch für die Politik.

Ada Lessing ist ein würdiger Name, um nach dem Kriegsgeneral Linsingen ein neues Kapitel für den Bildungsstandort Hameln aufzuschlagen.

Irritierend fand ich dann die Aktion des Oberbürgermeisters Claudio Griese, den ich ansonsten sehr schätze. Dieser trat in der Ratssitzung im Dezember 2021 überraschend ans Micro und sprang mit seiner Persönlichkeit für die CDU in die Bresche, um die Namensvergabe an Ada Lessing zu verhindern. „Nicht vermarktbar“ war der Grund, der gegen Ada Lessing sprach, der aber zuvor für den Namen des Weltkriegsgenerals nicht galt. Die Hochschule Weserbergland sollte es richten und einen neuen Namensvorschlag entwickeln. Mit diesem Kniff wurde versucht, die Karten neu zu mischen.

Es folgte eine zweiter Fehlschlag. Das, was als Vorschlagspapier der Hochschule eingereicht wurde, kann nur als Satire gewertet werden.

So folgte, was allen hätte klar sein können: Der Name Ada Lessing kam wieder ins Spiel. Die Mehrheitsgruppe von SPD und Grünen reichte einen Änderungsantrag ein (siehe unten) und brachten statt „Am Campus“ jetzt zusätzlich den Namen „Heinrich-Lassel-Weg“ ins Gespräch.

Dr. Markus Hedemann erläuterte im Umweltausschuss in einer sehr sachlichen, fundierten Rede frei von Polemik oder Vorwürfen an die Ratskolleginnen und Kollegen die Gründe für den Vorschlag.

Zunächst die CDU – Herr Paschwitz sprach sich für den „Heinrich-Lassel-Weg“ aus und zeigte damit, dass auch die CDU durchaus flexibel reagieren kann. Dass dann aber der Name Ada-Lessing abgelehnt wurde, zeigt eine Sturheit, die schade ist.

Dann kam die Rede von Herrn Zemlin. Der war gegen alles, brachte eine Vielzahl weiterer Vorschläge, einzig in der Rolle als Opposition, um blockieren zu wollen. Ihm sprang der Ausschussvorsitzende Thilo Meyer (CDU) zur Seite, der die Rede des FDP-Ratsherren so interpretierte, dass sie als Antrag zur Geschäftsordnung zu werten sei, um eine Abstimmung zu verhindern. Das hatte Herr Zemlin m.E. in dem Moment so nicht beabsichtigt, er nahm die Interpretation (und Schützenhilfe) des Vorsitzenden aber auf und beantragte eine erneute Verschiebung der Abstimmung. Grund: Der Änderungsantrag der Gegenseite sei zu kurzfristig, man habe sich in der Fraktion nicht abstimmen können.

Für die SPD sprang Ratsfrau Katja Schütte mit einem kurzen, aber klugen Redebeitrag den Grünen bei und schließlich beantragte man eine Sitzungsunterbrechung bis 18.00 Uhr.

Jetzt musste ich gehen und hab den Ausgang dann am nächsten Tag in den lokalen Medien lesen / hören können.

Kurzum, das war Kommunalpolitik live. Am Agieren der Menschen konnte man sich ein gutes Bild von den Ratsmitgliedern machen. Leider war ich der einzige Zuhörer auf den Gästeplätzen.

Die DEWEZET berichtete in ihrer Freitagsausgabe auf Seite 3 des Hameln-Teils unten über die Sitzung. Die Seite 1 widmete sie ganzseitig dem Kooperationsrechtsanwalt der Zeitung mit einer Mordstory aus Bremen.

Der hörenswerte radio aktiv Beitrag kann hier angehört werden:

Quelle: listen.radio-aktiv.de/beitraghoeren.php?id=38724

Mit dem Votum der Umweltausschusssitzung aber ist noch nichts entschieden. Das hatten wir ja schon mal. Letztendlich kommt es auf den Beschluss des Rates an. Der trifft sich in der Sache am 13.07.2022.

Wie präsent der General Linsingen auf dem Gelände ist, kam man am aktuellen Bautransparent sehen. Siehe dazu eine Übersicht zur Diskussion unter:

Ralf Hermes, 12.06.2022

Vorlagendokumente aus dem Ratsinformationssystem:

https://ris.hameln.de/ris/hameln/meeting/details/2647

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.