Radwegfreigabe und Bürgergarten(neu)gestaltung am 22.06.2021: Verlaufsbericht und Infosammlung

Hameln, 22.06.2021: Ab heute ist der neue Radweg entlang des Bürgergartens freigegeben. Die Nachricht darauf zu beschränken, greift aber zu kurz. Das Thema bewegt die Gemüter. Daher hier einige Hintergrundinfos und neue Bilder.

Nach größeren Bauprojekten ist es durchaus üblich, zu formellen Eröffnungsfeierlichkeiten einzuladen. Bei Straßen- oder Brückeneinweihungen werden dann feierlich Bänder durchschnitten. Es gibt Sekt und Schnittchen und viele Ansprachen.

Aktuell in Hameln fiel die Freigabe des Radweges entlang des Bürgergartens deutlich kleiner aus. Gut war sie auch so, denn es gab am Rande eine Vielzahl von Informationen.

Zur Eröffnungsveranstaltung:

Die Stadtverwaltung hatte zu einem Pressetermin am 22.06.2021 um 17 Uhr auf den Rathausplatz/Bürgergarten eingeladen. Herr Griese wollte gemeinsam mit dem Ersten Stadtrat Herrn Aden, den Mitgliedern des Umweltausschusses und den Mitarbeitenden des Teams Stadtgrün die Freigabe des Radweges, wie auch des neu gestalteten Bürgergartenabschnittes erläutern.

Radio Aktiv und DEWEZET, aber auch Vertreter der Ratspolitik und Verwaltungsmitarbeiter kamen. Eine ganze Reihe Bürger blieben stehen und so lauschten ca. 30 Menschen den Worten des Oberbürgermeisters, der kurz die Gemeinsamkeit der Entscheidung von Verwaltung und Rat quer durch alle Parteien zu diesem Projekt betonte, auf die Kosten einging und sich herzlich bei den Planern und Ausführenden bedankte. Anschließend lud er ein zur Probefahrt, Besichtigung und zum persönlichen Gespräch mit den Verantwortlichen.

Es folgten Radfahrten und Besichtigungsgänge durch den neu gestalteten Teil des Bürgergartens. Viele machten davon Gebrauch, gerade die Gespräche am Rande waren ausgiebig, die Eindrücke lebhaft.


Ich möchte hier einige Hintergründe und meine Einschätzung zum Projekt zusammenfassen:

  1. Ich war nicht dafür. Als langjähriger „Fahrradlobbyist“ beim BUND und „Pro Rad“ lag mein Herzblut bei anderen Themen. Die Verbesserung des Teilabschnittes Hotel Mercure ist ein Projekt unter vielen, die dringend und notwendig sind und schon viel zu lange auf sich warten lassen.
  2. Als anfangs noch die Idee aufkam, zugunsten des Radweges die großen Bäume am Rande des Bürgergartens zu fällen, war es mit meiner Akzeptanz gänzlich vorbei. Lieber hätte ich es gesehen, die Engstelle durch die Wegnahme der Parkplätze des Hotels zu entschärfen. Die Gäste könnten auch in der Tiefgarage ihre Autos parken. Diese Idee scheiterte an den Eigentumsverhältnissen der Parkflächen. Das Bäumefällen war zum Glück auch keine wirkliche Option, so blieb denn eine aufwändigere Lösung übrig.
  3. Zum Sinn: Es geht nicht nur um Fahrradfahrer – Fußgänger sind genau so betroffen. Die Engstelle vorm Mercure führt zum Konflikt zwischen Radfahrern und Fußgängern. Sven Kornfeld fuhr auf meine Bitte hin noch mal die alte Strecke mit seinem Rad. Das Bild unten verdeutlich: Radfahrer und Fußgänger haben hier beim Zusammentreffen ein Problem.
  4. Für Fahrradfahrer ist der Weg über den Rathausplatz ein sehr guter „Schleich“- oder besser Schnellweg. Über die Scharnhorststraße erschließt sich eine gute Wegeverbindung in die Innenstadt, die die Bewohner der Nordstadt über die Friedhofsquere abseits der Hauptstraßen sicher in die Stadt bringt. Zu Fuß und mit dem Rad. Daher auch die Ausweisung der Strecke als erste Fahrradstraße in Hameln. Wer es also ernst meint mit einer besseren Erschließung unserer Stadt für umweltfreundliche Verkehrsmittel, der kommt um solchen Maßnahmen nicht herum.
  5. Umgestaltung des Bürgergartens: Ich bin ein Teich-Fan. Wasser im Garten ist etwas Schönes. Der alte Teich aber hatte diesen Effekt m.E. nicht mehr. Er war in die Jahre gekommen und hatte einen hohen Pflegeaufwand. Am besten macht man sich selber ein Bild über den vollständig neu gestalteten Teil des Bürgergartens. Derzeit sind es für meinen Geschmack noch sehr viele Steine und „Schotterflächen“. Ich denke aber, schon bald wird sich der Eindruck grundlegend ändern.
  6. Zu den Kosten: Insgesamt war die Summe von etwa 210.000 Euro in der Planung angesetzt. Derzeit ist man bei einem Ausgabenstand von ca. 170.000 Euro. Herrn Thimm von der DEWEZT war eine Kostenaufstellung im Detail wichtig. Daher sind die genauen Zahlen in der DEWEZET vom 22.06. nachzulesen. Schön wäre es aber mal einen Vergleich zu haben, was man für rund 200.000 Euro sonst so an Straßenbaumaßnahmen bekommt. Dann könnte man die Zahlen in ein besseres Verhältnis setzten. Herr Griese war in seiner Rede froh, dass der Kostenrahmen dieses Projektes nach bisherigem Stand deutlich unterschritten wird.
  7. Ich hab mir alles in Ruhe angesehen – ich bin jetzt überzeugt, dass alles richtig ist. Der Bürgergarten hat durch die Umgestaltung nicht verloren. Im Gegenteil. Die breite Radwegtrasse ermöglicht ein problemloses Nebeneinander von Radfahrern und Fußgängern und auch ein problemloses Passieren im Gegenverkehr. Zudem bleibt für die Fußgänger die alte etwas kürzere Strecke bestehen. Überrascht war ich, wie viele Radfahrer allein in der ersten Stunde die Strecke nutzen. Hätte ich so nicht gedacht.
  8. Fazit: Zu den Gewinnern des Projektes zählen Radfahrer, Fußgänger und die Besucher des Bürgergartens. Gerade letztere können sich über eine moderne Bepflanzung und neue Aufenthaltsqualitäten freuen. Freuen kann sich auch der Betreiber des Mercure, seine Stellplätze bleiben erhalten und der Konfliktpunkt vor seinem Haus ist entschärft.

Text und Fotos: Ralf Hermes, 22.08.2021

Nachtrag 23.06.2021: Mit Bedauern habe ich gerade mitbekommen, das der örtliche ADFC Hameln-Pyrmont zur Eröffnung nicht eingeladen worden war. Ich verstehe nicht warum die ehrenamtliche Aktiven der Stadt hier außen vor gelassen wurden.

Die Presseberichterstattung der Lokalzeitung am 23.06.2021 ist bemerkenswert. Siehe:

4 Gedanken zu „Radwegfreigabe und Bürgergarten(neu)gestaltung am 22.06.2021: Verlaufsbericht und Infosammlung“

  1. Einfach immer wieder toll, wie Sie versuchen dieser kleinen Stadt „auf die Sprünge“ zu helfen. –
    Seit Ende Februar lebe ich in Leipzig (1959 nach Hameln und mit oft jahrelangen Unterbrechungen jetzt eben in L.) lese ich immer wieder Ihre Beiträge. – Danke. A. Fischer

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